Nesrine Khodr

Extended Sea
2017

15.2.–26.2. täglich 11:00–21:00, außer Do. 22.2.: 11:00–19:00 Akademie der Künste

2-Kanal-Videoinstallation, 705 Min. Ohne Dialog.

Ein Schwimmbecken am Ufer des Mittelmeers. Eine Frau durchquert schwimmend den Bildausschnitt, bewegt sich hin und her. Sie beginnt in der Dunkelheit, vom Sonnenaufgang bis zum Mittag, Nachmittag, Sonnenuntergang und der darauf folgenden Nacht.
Extended Sea wurde in einer 12-stündigen ungeschnittenen Einstellung an der Küste Beiruts gefilmt. Sowohl innerhalb als auch außerhalb des Sichtfelds schwimmt die Frau – in Echtzeit. Während sie ihre Bahnen zieht, kreuzen hinter ihr Schiffe und Badende lassen sich auf dem Meer treiben. Mittags ist sie für eine Weile verschwunden, für eine Stunde vielleicht. Die Einstellung ändert sich nicht. Das Wasser im Schwimmbecken wird nur vom Wind bewegt. Kaum wahrnehmbar verändert sich das Licht. Am frühen Nachmittag kommt sie zurück und schwimmt in der prallen Sonne weiter. Die Schwimmerin verschwindet noch einmal. Sie kommt mit ihren stetigen Bewegungen zurück, schwimmt hin und her, manchmal energisch, dann ganz langsam, verschwindet wieder für eine Weile und schwimmt dann weiter, bis mit der Dämmerung die Nacht anbricht.

Nesrine Khodr ist bildende Künstlerin und Fernsehproduzentin und lebt und arbeitet in Beirut. Sie arbeitet mit den Medien Film, Video, Print und Performance. Sie hat Geschichte an der American University of Beirut und europäische Filmwissenschaft an der University of Edinburgh studiert. Von 2003–04 war sie Residenzstipendiatin an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam. Ihre Arbeiten waren in internationalen Ausstellungen, auf Biennalen und Filmfestivals zu sehen.

Ein paar Gedanken über mein Schwimmen:

Als ich schwamm, wurde die Bewegung der Gedanken, die in und aus meinem Bewusstsein flossen, zur Bewegung meines Körpers in und aus dem Sichtfeld der Kamera.
Wenn ich diese Entfernung im Meer hinter mir zurückgelegt hätte, meine Bahnen im Mittelmeer gezogen hätte, wo hätten mich meine Schwimmzüge hingeführt? Diese Frage schlich sich über den Tag hinweg immer wieder in meine Gedanken ein.
Eine gerade Linie von der Küste aus nach links hätte mich zum neun Kilometer entfernten Flughafen von Beirut gebracht, dachte ich mir, während Flugzeuge über mich hinwegflogen. Von anderen, nahegelegenen Küsten aus hätten mich meine Anstrengungen vielleicht vom türkischen Festland auf die 9,6 Kilometer entfernte griechische Insel Lesbos gebracht. Auch die 14,4 Kilometer breite Straße von Gibraltar mit ihren unruhigen Gewässern taucht in meinen Gedanken auf.
Ich bin von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geschwommen, mindestens neun Stunden, und mit der zurückgelegten Strecke hätte ich all diese Distanzen überbrücken können. Ich messe diesen Berechnungen keine größere Bedeutung bei, ich ziehe weiter meine Bahnen. Dennoch dachte ich an das Potenzial einer einfachen Geste, zu einer Metapher zu werden.

(Nesrine Khodr)

Produktion Nesrine Khodr. Produktionsfirma Nesrine Khodr (Beirut, Libanon). Regie Nesrine Khodr. Kamera Mark Khalife. Sound Design Rana Eid. Tonschnitt Sandra Tabet. Colourist Belal Hibri. Mit Nesrine Khodr (Schwimmerin).

Filme

1998: Of seduction (32 Min., mit Ghassan Salhab). 2000: Ain Al Hamra (Red is the colour of My Eye) (23 Min.). 2003: Lastfall (2 Min.), I Swam in the Sea (2 Min.), Downtown Amman- Urbanportraits (18 Min.). 2004: Enclosures (22 Min.), Several Inadequate Things To Say and Do (17 Min., mit Jeremiah Day). 2005: L’avancée (14 Min.). 2008: Untitled 12 Scenes of Disaster (Videoinstallation). 2011: Winter Wind (4 Min.). 2015: Ellipses, a conversation with Omar Amiralay (43 Min., mit Sandra Iche). 2017: Extended Sea.

Foto: © Nesrine Khodr