Tuzdan kaide

Pillar of Salt
Burak Çevik
2018

21.02. 16:30 OmEU CineStar 8
22.02. 20:00 OmEU Colosseum 1
23.02. 22:00 OmEU CinemaxX 4
24.02. 16:15 OmEU Zoo Palast 2

70 Min. Türkisch.

Eine schwangere junge Frau, die in einer Art Höhle lebt, sucht ihre verschwundene Schwester. Reiz, Reichtum und Radikalität dieses ersten Langfilms von Burak Çevik sind mit diesem Handlungsfaden nur unzureichend beschrieben. Sie liegen vielmehr in der Freiheit, die er sich nimmt, um für seine Erzählung eine extravagante Filmwelt zu erschaffen. Aus der fast an ein Märchen erinnernden Höhle setzt die Protagonistin über einen Fluss und nimmt die Spur ihrer Schwester auf. Die führt sie in einen botanischen Garten, eine Vogelhandlung, eine Dunkelkammer. Die Fotolaborantin vergleicht den Effekt von Fotografien damit, wie Gott Lots Frau zur Salzsäule erstarren ließ, weil sie der Versuchung, sich umzudrehen und Sodoms Zerstörung anzuschauen, nicht widerstehen konnte. Für die Ewigkeit festgehalten, in Ewigkeit erstarrt – muss man es also für bare Münze nehmen, wenn die Protagonistin der Bootsfrau erzählt, sie sei eine Teilzeit-Vampirin? Die Versonnenheit, mit der der Film abschweift und uns Pflanzen, einen Negativstreifen, oder ein Tischtennismatch zeigt, trägt erheblich zu dem Sog bei, den er entfaltet. Dabei bleibt manches rätselhaft und macht auf mögliche Referenzen umso neugieriger. (Anna Hoffmann)

Burak Çevik wurde 1993 in Istanbul (Türkei) geboren. 2016 schloss er ein Studium am Fachbereich Film und Fernsehen der Istanbul Bilgi University ab. Tuzdan Kaide ist sein Debütfilm.

Der Fluch Gottes, des Kinos und der Zeit

TUZDAN KAIDE ist die Geschichte einer Verfolgung. Eine schwangere Frau, wie eingefroren in der Zeit, sucht an ziemlich ungewöhnlichen Orten in Istanbul nach ihrer Zwillingsschwester, mit der sie seit langer Zeit keinen Kontakt mehr hat. In dem Film geht es um Fragen, die mit dem Sterben, dem Nicht-sterben-Können und dem Gebären eines Menschen im Chaos dieser Welt zu tun haben.
Ich glaube, dass das Kino seine eigene Realität besitzt. Ich wollte mit TUZDAN KAIDE einen Film machen, der mit den Mitteln des Kinos seine ganz eigene Welt erschafft. Verschiedene Frauen, die den gleichen Traum haben, Teufel, die Menschen verfolgen, Tischtennisspieler im nasskalten Keller – sie alle wollen uns in eine andere, fremde Welt mitnehmen. Die Zeit ist aus den Fugen, und die Orte fallen aus dem Rahmen. Die ganze Welt verschließt sich in sich selbst. Das kann man nur mit Ton und Bildern umsetzen. Mir ging es darum, eine andere Welt sichtbar zu machen. Sowohl künstlerisch als auch produktionstechnisch war dieser Wunsch der schwierigste Teil des Projekts.
Die Orte, die im Film vorkommen, sind Räume, die ich quasi gesammelt habe, weil sie tiefen Eindruck auf mich gemacht haben. Der Kameramann und ich haben uns darum bemüht, die Bedeutung des Raums besonders hervorzuheben. Dialoge werden im Film üblicherweise dazu benutzt, um Informationen zu vermitteln. Während ich das Drehbuch schrieb, entstand der Wunsch in mir, mit dieser Konvention zu brechen. Obwohl alle Figuren des Films ausführlich entweder über sich selbst oder über ihre Tätigkeiten sprechen, sind sie nicht gesprächsbereit. Jeder spricht nur mit sich selbst. Ich habe mit den zentralen Elementen des Kinos gespielt: mit dem Raum, den Dialogen und den Bildeinstellungen; dabei habe ich mich bemüht, eine neuartige Erzählweise zu entwickeln.
Das Wichtigste bei diesem Film war für mich das Medium Film selbst. Henri Bergson sagte in Hinblick auf die kinematografische Illusion, dass eine Sekunde im Kino aus 24 Bildern zusammengesetzt ist, die wir infolge einer Illusion als bewegt wahrnehmen; er kam zu dem Schluss, dass das Kino schlecht ist. Auf bestimmte Art habe ich durch die Arbeit an TUZDAN KAIDE versucht, damit fertigzuwerden. Ähnliches erzählt die Geschichte von Lot, dessen Frau Gott zu einer Salzsäule erstarren ließ, als sie nach Sodom zurückblickte. Ich glaube, der größte Fluch Gottes ist es, dass er den Menschen in der Zeit festhält. Fotografien und besonders Filme tun das auch. (Burak Çevik)

Produktion Burak Çevik, Arda Çiltepe, Semih Gülen, Cem Celai Bilge, Selman Nacar. Produktionsfirma Fol Film (Istanbul, Türkei). Regie, Buch Burak Çevik. Kamera Burak Serin. Montage Burak Çevik. Musik Ozan Tekin. Sound Design Ozan Tekin. Ton Ömür Müldür. Mit Zinnure Türe, Dila Yumurtacı, Esme Madra, Banu Fotocan, Elit İşcan, Nihal Koldaş, Reyhan Özdilek, Ayşe Demirel, Nazan Kesal, Nalan Kuruçim.