Februar 2011, berlinale forum

Caligari-Preis für "The Ballad of Genesis and Lady Jaye"

Bild Marie Losier und ihr Protagonist

Marie Losier und ihr Protagonist Genesis Breyer P-Orridge

Den diesjährigen Caligari-Preis erhält Marie Losiers The Ballad of Genesis and Lady Jaye, der auch mit dem TEDDY für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde.

Die Begründung der Jury im Wortlaut:

Zwei Bräute im Park, zwei Nasenoperationen, zwei Petersilienbüschel. In Marie Losiers "The Ballad of Genesis and Lady Jaye" werden Erwartungen - und das ist gut so - enttäuscht. Ihre dokumentarische Collage ist keine angestrengte Analyse von Geschlechteridentitäten, keine klassische Musikdokumentation, keine Freakshow. Die Regisseurin kommt den beiden Menschen, die sie portraitiert, spürbar nahe. Über die eigenwillige Form zieht sie den Zuschauer mit in eine praktizierte Einheit von Kunst und Leben: Found Footage wird kompiliert mit reinszenierten Passagen, unterschiedliches Filmmaterial trifft auf eine bruchbetonte Montage, das rhythmische Pulsieren der Musik wird in filmische Strukturen übersetzt. Vielleicht ist das der eine Weg, diese "größte Liebesgeschichte aller Zeiten" ["greatest love story of all time"] zu erzählen.

Die Jury bildeten Jennifer Borrmann (aka Freiburg), Peter Link (Weitwinkel, Kommunales Kino Singen) und Julia Teichmann (FILM-DIENST).

Die von den Kommunalen Kinos und dem FILM-DIENST gestiftete Auszeichnung ist mit 4.000 Euro dotiert. Die Preisträgerin erhält die Hälfte des Betrages, 2.000 Euro werden für Werbemaßnahmen verwendet, um weitere Kinoaufführungen in Deutschland zu unterstützen. Neu ist dieses Jahr der von der Firma Trikoton gespendete Preis, eine Decke aus der "Voice Knitting Collection", in die Auszüge aus der Partitur der Originalfilmmusik Guiseppe Becces zu dem Stummfilm "Das Cabinet des Dr. Caligari" eingestrickt sind.

Die Verleihung des Preises fand Filmhaus statt; anschließend wurde der Film im Kino Arsenal nochmals gezeigt.