Juni 2017, kino arsenal

DAAD-Stipendiat João Pedro Rodrigues zu Gast

O ORNITÓLOGO, 2016

Der portugiesische Filmemacher João Pedro Rodrigues (*1966) ist zurzeit Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Die Kühnheit seiner Filme weist ihn als Autorenfilmer aus. In Parallelwelten voller Fetische und angetrieben vom gewaltigen Begehren der Figuren erzählen sie in elliptischen Sprüngen von Verwandlungen, polymorpher Liebe und driftenden Identitäten. Trotz seiner stilisierten Künstlichkeit ist Rodrigues’ Werk in der Realität verankert.

MORRER COMO UM HOMEM (To Die Like a Man, P/F 2009, 6.6.) Die transsexuelle Tonia hat Sorgen. Altersbedingt naht das Ende ihrer Karriere als Drag Queen. Ihr jugendlicher Liebhaber, ein Junkie, drängt zu einer operativen Geschlechtsumwandlung, die sie aus religiösen Gründen ablehnt. Von ihrem Sohn wird sie nicht akzeptiert. Und ihre Silikonbrüste bluten. Eine melodramatische Liebesgeschichte, die mit traumhaften Bildern und traurig-schönen Balladen in eine magische Welt am Rande der Wirklichkeit führt. Vorfilm: WHERE DO YOU STAND NOW, JOÃO PEDRO RODRIGUES? (F 2016)

O FANTASMA (P 2000, 7.6.) Sérgio ist Müllsammler in Lissabon. Ruhelos streift er durch die Nacht, auf der Suche nach flüchtigem Sex mit Männern. Er mutiert dabei zu einem amorphen Wesen in schwarzem Latex, das sich auf allen vieren fortbewegt. Rodrigues’ wortkarger Debütfilm erzählt in fiebrigen Bildern von unersättlichem Begehren und einer Metamorphose in eine triebgesteuerte, animalische Existenz.

O ORNITÓLOGO (The Ornithologist, P/F 2016, 7.6.) Nachdem der Ornithologe Fernando bei seinen Erkundungen in der Wildnis die Orientierung und den Kontakt zur Außenwelt verloren hat, trifft er auf zwei chinesische Pilgerinnen, Männer in Waldgeister-Kostümen, einen taubstummen Hirten namens Jesus, amazonenhafte Reiterinnen – und wird dabei von Vögeln beobachtet. Je tiefer er sich im mythenreichen Dickicht verliert, desto mehr findet er zu sich. Ein sinnlicher Film nach der Legende des heiligen Antonius, in Cinemascope und mit brillantem Sounddesign. Vorfilm: AS THE FLAMES ROSE (João Rui Guerra da Mata, P 2012) (bik)