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Dezember 2019, distribution news

Neu im Verleih von arsenal distribution

RASENDES GRÜN MIT PFERDEN, 2019

Vom 12. - 15. Dezmeber präsentiert arsenal distribution eine Auswahl künstlerischer Arbeiten als Berliner Kinopremieren in Anwesenheit der Filmemacher*innen: DESERT VIEW von Daniel Kötter, Constanze Fischbeck und der Familie Barakat (Deutschland 2018), die Trilogie NACHT UND NEBEL (Israel 2011), WIE AUS DER FERNE (Deutschland/Österreich 2013) und WHITECITY (Deutschland 2018) von Dani Gal sowie dessen FIELDS OF NEUTRALITY (THE LAST INTERVIEW WiTH LUDWIG MIES VAN DER ROHE) (Deutschland 2019), die Teile 4-6 des Langzeitprojekts IN ARBEIT von Minze Tummescheit und Arne Hector (Deutschland 2007-2017), Katrin Peschs EDGEWOOD (USA 2019) und FINDING THINGS I DON’T WANT TO FIND (USA 2016) sowie RASENDES GRÜN MIT PFERDEN von Ute Aurand (Deutschland 2019).

DESERT VIEW (Daniel Kötter, Constanze Fischbeck und die Familie Barakat, Deutschland 2018, 12.12.) widmet sich der Untersuchung von Bau- und Wohnformen in der halbfertig gebauten, rein privatwirtschaftlich errichteten Satellitenstadt Madinaty, in der Wüste östlich Kairos gelegen, und erlaubt einen Blick auf die Wüstenträume der ägyptischen Mittel- und Oberschicht.

Dani Gals Trilogie NACHT UND NEBEL (Israel 2011, 13.12.), WIE AUS DER FERNE (Deutschland/Österreich 2013) und WHITECITY (Deutschland 2018) umkreist die komplexen Strukturen kollektiver Erinnerung und beleuchtet die Leerstellen zwischen Realität und Darstellung, zwischen Erinnerung und Erfindung, indem sie die Geschichte als offenen Prozess der subjektiven Interpretation entlarvt. NACHT UND NEBEL rekonstruiert als Reenactment die Nacht, in der Adolf Eichmann von israelischen Polizisten hingerichtet und seine Asche ins Meer gestreut wurde. Die komplexe Freundschaft zwischen Simon Wiesenthal, dem „Nazi-Jäger“, und Albert Speer, dem leitenden Architekten der Nazis, wird in dem Film WIE AUS DER FERNE durch die Folie eines kurzen Textes von Ludwig Wittgenstein über Erinnerungsbilder inszeniert. In WHITECITY besucht der israelische Eugeniker Arthur Ruppin die Weißenhofsiedlung in Stuttgart. In Flashbacks seines Besuchs bei NS-Rassetheoretiker Hans F.K. Günther verweben sich ihre Theorien in eine deliriöse Fantasie. Das bestimmende Thema der Trilogie ist das Verhältnis zwischen Opfern und Tätern auf kollektiver wie auf persönlicher Ebene, insbesondere in der jüngeren jüdisch-deutschen Geschichte.
FIELDS OF NEUTRALITY(THE LAST INTERVIEW WiTH LUDWIG MIES VAN DER ROHE), (Deutschland 2019, 13.12.) hingegen erforscht mittels der Rekonstruktion eines Interviews die Zwischenräume zwischen Historie und Erinnerung, Wahrnehmung und Interpretation von Geschichte und ermöglicht so eine retrospektive Öffnung, die etwaige Festschreibungen ins Wanken bringt.

Das Langzeitprojekt IN ARBEIT (Minze Tummescheit, Arne Hector, Deutschland 2007–2017, 14.12.) des Filmkollektivs cinéma copains versteht sich als Recherche zu Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen kollektiven Handelns. Dabei wird der kommunikative Prozess der Recherche zum Inhalt des Films. Eine Interviewkette verbindet europaweit kollektive Projekte miteinander, in denen das Zusammenarbeiten im Mittelpunkt steht. So entsteht ein Bild kooperativer Praxis in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft. Zu sehen sind die letzten drei Teile des Projekts. Teil 4: I SICALIANI (Deutschland 2018) zeigt die sizilianische Sozialkooperative „I Sicaliani“, die in jahrelanger Arbeit eine Ludoteca, einen geschützten Raum für Kinder, aufgebaut hat, und entfaltet so die wechselhafte Geschichte der ältesten Anti-Mafia-Kooperative Palermos. Teil 5: FREIE SCHULE AM MAUERPARK (Deutschland 2018) wirft einen Blick auf Ideen und Wirklichkeit von Freien Alternativ-Schulen. Im letzten Teil 6: 9TO5, LUX UND KONSORTEN UND DIE VIELEN (Deutschland 2018) wird das Kollektiv durchlässig. Lehrer*innen der Freien Schule sprechen mit Mitgliedern der Hamburger Gruppe „9to5“ über politische Arbeit aus der eigenen Perspektive und Erfahrungen mit gesellschaftlicher Mobilisierung zu Prekariat, Autonomie und Grundeinkommen.

EDGEWOOD (Katrin Pesch, USA 2019, 15.12.) setzt die Gegenstände der Villa „Edgewood“ nahe San Diego mit den umliegenden Orten in Beziehung und verbindet visuelle Fragmente zu einem Porträt der Region, das in beunruhigender Weise das koloniale und lokale Geschichtsbild der kalifornischen Landschaft aufscheinen lässt. FINDING THINGS I DON’T WANT TO FIND (Katrin Pesch, USA 2016) entwickelt eine experimentelle Ethnografie über materielle und immaterielle Begegnungen in einem kleinen Heimatkunde-Museum in Südkalifornien.

RASENDES GRÜN MIT PFERDEN (Ute Aurand, Deutschland 2019, 15.12.) ist eine Sammlung kurzer Beobachtungen und Begegnungen, gefilmt zwischen 1999 und 2018 auf Reisen, zu Hause, mit Freund*innen und allein. Es sind private Gesten, jenseits der Erzählung oder Dokumentation spontan gefilmt. (ara)