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februar 2020, living archive

arsenal 3 im Februar: "Alexandria Again and Forever"

Anlässlich der 70. Berlinale stellen wir online einen 35-mm-Neuerwerb aus unserer Sammlung vor: ISKINDEREYA KAMAN WA KAMAN (Alexandria Again and Forever, Ägypten/Frankreich 1989) von Youssef Chahine. Der dritte Teil der Tetralogie des ägyptischen Regisseurs setzt Teile seiner Biografie filmisch zusammen. Chahine selbst spielt sein Alter Ego Yehia. Dieser befindet sich nach dem Gewinn eines Hauptpreises bei der Berlinale (gemeint ist der Preis für ISKINDEREYA … LEH? 1979) auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Bevor ihn die Trennung von einem jungen Schauspieler in eine persönliche wie künstlerische Krise stürzt, feiern die beiden ihre gemeinsame Auszeichnung noch mit einem spektakulären Tanz im künstlichen Pulverschnee vor der nachgebauten Gedächtniskirche.

arsenal 3 ist eine Streaming-Plattform für unsere Mitglieder, auf der wir monatlich Filme aus unserem Archiv vorstellen, die wir im Rahmen des Projekts „Archive außer sich“ digitalisiert, restauriert oder neu erworben haben.

februar 2020, living archive

Welt-Spiegel: Navina Sundaram und "Duvidha"

Im Rahmen des Projekts „Welt-Spiegel: Innenansichten einer Außenseiterin oder Außenansichten einer Innenseiterin“ beschäftigen sich Mareike Bernien und Merle Kröger mit der Werkbiografie der Journalistin, Redakteurin und Moderatorin Navina Sundaram als Zeugnis bundesdeutscher Medien- und Migrationsgeschichte. Teil dieses Werks ist eine Einführung von Sundaram zum Film DUVIDHA von Mani Kaul, der 1984 in der Reihe Film-Club des NDR ausgestrahlt wurde. Dieser Archivfund wird zum Anlass genommen, den Film, der 1975 im Berlinale Forum zu sehen war und im Archiv des Arsenal verblieb, am 4. Februar zu zeigen.

DUVIDHA erzählt die Geschichte einer Ehe, die von einem Geist durchkreuzt wird, der sich in die Ehefrau verliebt. Als sich der Ehemann im Anschluss an die Hochzeit auf eine fünfjährige Geschäftsreise begibt, nimmt der Geist die Gestalt des Mannes an und dessen Platz ein. Drei Jahre später, als die Frau schwanger wird, fällt der Schwindel auf.

februar 2020, living archive

Filmmakers’ Choice im Februar

Die nächste Ausgabe unserer Veranstaltungsreihe Filmmakers' Choice präsentieren Melissa Dullius und Gustavo Jahn am 10. Februar: DOCES PODERES (Süße Mächte, Lúcia Murat, Brasilien 1996) ist eine Chronik der ersten demokratischen Präsidentschaftswahlen 1989 in Brasilien aus der Perspektive der Medien. Es ist allgemein bekannt, dass TV-Globo die Schlussfernsehdebatte derart manipulierte, dass sie entscheidend für den Sieg Fernando Collor de Mellos über Luiz Inácio Lula da Silva war. 1990 löste Collor die Strukturen der öffentlichen Kulturförderung auf und machte damit die Produktion von Spielfilmen im Land unmöglich. 20 Jahre später wiederholt sich die Geschichte als makabrer Alptraum. Der derzeitige Präsident hat seit seinem Amtsantritt 2019 in kurzer Zeit die gesamte Struktur der Filmproduktion in Brasilien zerstört. DOCES PODERES antizipiert, wenn auch eher latent, Themen wie Rassismus und Frauenemanzipation, die im heutigen Brasilien im Zentrum der Debatte stehen. Die Story mit ihrer Mischung aus Politik, Macht und Verführung lehnt sich an die Erzählweise von Telenovelas an und wurde mit Fernsehstars besetzt.

januar 2020, living archive

arsenal 3 im Januar: "Ghashiram Kotwal"

Von Beginn an hat das Berlinale Forum sich bemüht, untertitelte Kopien der Festivalbeiträge herzustellen. Viele Filme haben so im Arsenal überlebt, darunter GHASHIRAM KOTWAL (Indien 1977). Produziert hat ihn die Yukt-Filmkooperative unter der Regie von K. Hariharan und Mani Kaul, basierend auf dem Theaterstück von Vijay Tendulkar. Die zugrunde liegende Biografie des Ministers Nana Phadnavis (1741–1800) beschreibt Entwicklung und Fall des Peshwa-Regimes in West-Indien vor dem Hintergrund einer Politik von Intrigen und Korruption während der wachsenden kolonialen Bedrohung. Um seine Macht abzusichern, ernennt Nana Ghashiram zum Polizei- und Spionagechef. Nachdem er einst Unrecht erfahren und Rache geschworen hat, beginnt dieser, willkürlich Macht gegen die brahmanische Bevölkerung auszuüben. Der Film entwickelt seine experimentelle Ästhetik aus der Beschäftigung mit fiktionaler und dokumentarischer Praxis in Theater und Film.

arsenal 3 ist eine Streaming-Plattform für unsere Mitglieder.

november 2019, living archive

Das Arsenal ist assoziiertes Mitglied der FIAF

Das Komitee der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) hat im November entschieden, das Arsenal – Institut für Film und Videokunst als assoziiertes Mitglied aufzunehmen. Die FIAF ist eine Vereinigung von internationalen Filmarchiven, deren Mitglieder sich dem Erhalt, der Sammlung, Restaurierung und Verbreitung von Film verpflichten.

Für die Arbeit des Arsenals ist die Mitgliedschaft in der FIAF von großer Bedeutung, um sein internationales Netzwerk weiter ausbauen zu können, sich mit FIAF-Mitgliedsinstitutionen über den Erhalt und die Restaurierung von Filmen auszutauschen und an zeitgenössischen Archivdiskursen zu partizipieren.

Durch Archivprojekte des Arsenals wie „Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart“ (2011–2013) oder aktuell „Archive außer sich“, das im Rahmen des HKW-Projekts „Das neue Alphabet“ stattfindet, hat sich in den letzten Jahren ein intensiver Austausch mit nationalen und internationalen Filmarchiven entwickelt, aus denen weiterführende wissenschaftliche, kuratorische und künstlerische Projekte hervorgegangen sind. Im Zentrum steht aktuell die Zusammenarbeit mit Archiven in Afrika und arabischen Ländern, oder mit FIAF-Mitgliedsinstitutionen wie dem DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum (Frankfurt am Main), dem Österreichischen Filmmuseum (Wien), dem National Film Archive (Pune, Indien) oder dem National Film, Video and Sound Archive (Jos, Nigeria).

oktober 2019, living archive

Neues aus Nigeria

Im Rahmen des Forschungsprojekts Archive außer sich, das sich mit dem filmkulturellen Erbe und seinen Archiven beschäftigt, kooperiert das Arsenal seit 2016 mit dem Studiengang "Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation" der Goethe-Universität Frankfurt und seit 2017 mit der Nigerian Film Corporation. Aus dem Projekt ist nun ein neuer Studiengang entstanden: Ab diesem Wintersemester bietet die University of Jos gemeinsam mit der Nigerian Film Corporation, zu der das National Film Institute und das National Film, Video and Sound Archive gehören, den ersten Masterstudiengang für Filmarchivierung und Filmkultur in Afrika an. 25 Studierende haben am 22. Oktober in Jos ihr Studium der "Film Culture & Archival Studies" aufgenommen.

In Lagos eröffnet Didi Cheeka unterdessen am 25.10. das "Decasia – Berlin-Lagos Archival Film Festival", organisiert von der NFC und der Lagos Film Society in Zusammenarbeit mit dem Arsenal und der Goethe-Universität. Präsentiert werden Digitalisierungen und Archivprojekte, u.a. die Premiere von SHAIHU UMAR (Adamu Halilu, 1976). Das Festival ist der Beginn einer Serie von Archivfestivals in Lagos, Berlin und an anderen Orten.

september 2019, living archive

arsenal 3: Neuer Streamingbereich für Mitglieder

Kino im Netz: Mit arsenal 3 starten wir ein Pilotprojekt exklusiv für unsere Mitglieder und Fördermitglieder. Im Rahmen des Projekts „Archive außer sich“ konnten wir unser Angebot restaurierter und digitalisierter Filme stark erweitern. Zugrunde liegt dabei unsere Sammlung, die seit 1963 auf rund 10.000 Filme aus dem Bereich des unabhängigen Kinos angewachsen ist. In unserem neuen Streamingbereich stellen wir daraus monatlich ein Programm vor. Texte, Interviews und ergänzende Filmmaterialien geben nicht nur Einblick in Produktions- und Rezeptionsgeschichte der Filme, sondern auch in die Geschichte der jeweiligen Kopie als Teil unserer Sammlung sowie ggf. ihrer digitalen Restaurierung.

Der erste Film, bis Ende Oktober zu sehen, ist Lana Gogoberidses RAMDENIME INTERWIU PIRAD SAKITCHEBSE (Einige Interviews zu persönlichen Fragen, UdSSR/Georgien 1978), der 2016 vom Arsenal digital restauriert wurde: Die Journalistin Sofiko interviewt Frauen zu ihren Lebensbedingungen und Wünschen und bemüht sich dabei selbst um eine Balance zwischen Beruf und Privatem.