August 2018, distribution news

"Yours in Sisterhood"

von Irene Lusztig, Kinostart: 6. Dezember 2018

© Irene Lusztig

Auf den ersten Blick sind es unscheinbare Orte, an denen Irene Lusztig auf ihrer zweijährigen Reise durch die USA mehrheitlich Frauen bittet, Leserbriefe vorzulesen und zu kommentieren, die aus dem Archiv der liberal-feministischen Zeitschrift „Ms.“ stammen. Geschrieben vor ungefähr 40 Jahren, zumeist von Frauen, die in der Zeitschrift erschienene Artikel zum Anlass nahmen, von sich zu erzählen – offenherzig, privat, oft erleichtert, manchmal erbost. In den Briefen geht um Schwangerschaftsabbrüche, um lesbische Liebesaffären von verheirateten Frauen, um die Ignoranz des Magazins gegenüber Lebenswirklichkeiten schwarzer Frauen…

Irene Lusztig gelingt es in ihrer dokumentarischen Inszenierung, einen Fundus der Frauenbewegung von damals in eine vielschichtige Beziehung mit der Gegenwart zu bringen. Das Wort steht dabei nur vermeintlich im Vordergrund. Dem Publikum ist es überlassen, einen feministischen Kosmos zu entdecken, den Yours in Sisterhood auf vielen Ebenen zugänglich macht. (Berlinale Forumstext, Anke Leweke)

Feminismus damals und heute

Eine wütende Frau aus Atlanta berichtet von Belästigungen, denen sie im öffentlichen Raum ausgesetzt ist. Eine aufstrebende Polizistin beklagt, dass die Polizeidienststelle in der Kleinstadt in Iowa, in der sie lebt, sich weigert, qualifizierte Frauen einzustellen. Zögernd bekennt eine 16-Jährige zum ersten Mal öffentlich, lesbisch zu sein. Dies sind nur drei von mehreren Tausend faszinierenden Leserbriefen – viel zu viele, als dass man sie jemals alle veröffentlichen könnte –, die in den 1970er Jahren an die Zeitschrift „Ms.“ (1972 gegründete US-amerikanische feministische Zeitschrift; Anm. d. Red.) gesendet wurden. Die Autor*innen dieser Briefe waren Frauen, Männer, Kinder aller Altersstufen, die aus allen Landesteilen der USA stammten und das gesamte Spektrum sexueller Orientierungen abdeckten, höchst unterschiedliche religiöse oder ethnische Hintergründe hatten, über unterschiedliche körperliche Fähigkeiten und verschiedenste politische Standpunkte verfügten. Diese Leserbriefe enthalten Beschreibungen persönlicher Probleme, Bekenntnisse und politische Argumentationen; sie repräsentieren auf eindrückliche Weise den Slogan der zweiten Welle der Frauenbewegung: „Das Private ist politisch.“ weiterlesen

Irene Lusztig wurde 1974 in Coventry (Großbritannien) geboren. Im Rahmen ihrer Arbeit als Filmemacherin, bildende Künstlerin und Archivforscherin realisierte sie unter anderem das Internetprojekt „Worry Box Project“ (2011). Irene Lusztig ist Lehrbeauftragte für Film und Digitale Medien an der University of California in Santa Cruz. Sie lebt in den Santa Cruz Mountains.
Filme: For Beijing with Love and Squalor (1997). Reconstruction (2001). The Samantha Smith Project (2005). The Motherhood Archives (2013). Maternity Test (2014, Loop, 1-Kanal-Videoinstallation). Forty Years (2016). Yours in Sisterhood (2018)

Yours in Sisterhood
USA/2018. DCP. 101 Min. Englisch. OmdU. Regie, Kamera, Montage, Produktion: Irene Lusztig. Sound Design: Maile Colbert. Produktionsfirma: Komsomol Films (Ben Lomond, USA).