August 2019, distribution news

"Bait"

von Mark Jenkin, Kinostart: 24.10.19

Die Postkartenidylle des Fischerdorfs in Cornwall ist trügerisch. Wo man früher von der Fischerei leben konnte, fallen nun reiche Londoner Touristen ein und verdrängen die Einheimischen, deren Existenzgrundlage gefährdet ist. Auch das Verhältnis der Brüder Steven und Martin ist angespannt. Martin ist ein Fischer ohne eigenes Boot, denn damit veranstaltet Steven jetzt lukrativere Ausflugsfahrten. Das Cottage der Familie haben sie verkauft und mit den neuen Eigentümern scheint nur noch eine letzte Schlacht zu schlagen zu sein: die um einen küstennahen Parkplatz. Doch die Lage eskaliert und das nicht nur wegen einer Autokralle.

BAIT ist ein Schwarzweißfilm, der im 16-mm-Format gedreht und mit der Hand entwickelt wurde. Zahlreiche Nahaufnahmen von Fischen, Netzen, Hummern, Gummistiefeln, Knoten und Fangkörben lassen an die Theorie einer Montage der Attraktionen denken. Ebenso erinnert die Darstellung der unterschiedlichen sozialen Milieus, man könnte auch von Klassenverhältnissen sprechen, an die sozialrealistische Tradition im britischen Kino. Vor allem aber lässt sich hinter der filmgeschichtlich anspielungsreichen visuellen Oberfläche jede Menge politische Aktualität entdecken. (Anna Hoffmann, Berlinale Forum)

Trailer

SCHWEIZ Zürich - Xenix Kino (11.-23.11.)
SCHWEIZ Aarau - Freier Film (20.+24.11.)
Göttingen - Kino Lumiere im Rahmen des Europäischen Filmfestivals Göttingen (24.11.)
Leipzig - Cinémathèque (26.-29.11.)
Bremerhaven - Kommunales Kino (11.12)
Ludwigsburg - Caligari Kino (12.12.)
Kempten - Colosseum-Center (15.12.)
Brühl - Zoom Kino (19.12.)

Schwäbisch Hall - Kino im Schafstall (2.-5.1.20)
Villingen-Schwenningen - Kommunales Kino Guckloch (8.1.20)
Wiesbaden - Filme im Schloss (21.1.20)

 

Vergangene Termine:

14.-16.10 Bremen - City 46
Berlin - Wolf Kino
Bochum - Endstation Kino
Essen - Galerie Cinema
Frankfurt - Pupille (28.10.)
Freiburg - Kommunales Kino (ab 25.10.)
Hamburg - 3001 Kino
Köln - Lichtspiele Kalk
München - Werkstattkino
Münster - Cinema (ab 28.10.)
Oldenburg - Cine k
Hannover- Kino im Künstlerhaus (ab 31.10.)
Nürnberg – Filmhaus (ab 31.10.)
Weingarten - Kulturzentrum Linse (ab 1.11.)
Fürth - Uferpalast (1.-5.11.)
Düsseldorf - Filmmuseum (2.+3.11.)
Frankfurt - Mal Seh'n (ab 7.11.)
Hildesheim - HoKi Hochschulkino Hildesheim (11.11.)
 

***** "In seinem Debütfilm nutzt der britische Regisseur Mark Jenkin die Formensprache des frühen Tonfilms, um von der unmittelbaren Gegenwart zu erzählen. Die Verdrängung der seefahrenden Arbeiterklasse in den Küstendörfern Cornwalls von heute hat man selten so subtil und dabei realistisch geschildert gesehen." epd Film, Tim Lindemann

"Ein Film wie aus den Pioniertagen des Dokumentarkinos: BAIT von Mark Jenkin erzählt in grobkörnigen Bildern von einem alten Fischerdorf, das zum Ferienort für reiche Städter wird. Ein Film-Kunstwerk über Gentrifizierung und soziale Ungerechtigkeit." Br.de

"One of the defining British films of the decade" Mark Kermode, The Guardian, Film of the Week

"Invasion of the cottage snatchers … BAIT, then, is about the war - or, if you are subtle, and BAIT is subtle, a negotiation - between the native population and the incomers; between poverty and excess; between a bucolic dream sold for money and what is real.“ Tanya Gold, The Telegraph

"In one of the most extraordinary movie experiences of the year, this Cornish-set drama unfolds in scratchy monochrome and jumpy, jarring shots, mostly featuring weather-beaten fishermen, and lobster pots, and nets and boats." Kevin Maher, The Times

"Through its filmmaking craft, this debut remarkably operates in a timeless space. The traditional forms of working and filmmaking seamlessly exist, still, modern ways of editing, sound design and an urgent political presence of gentrification all come to the boil. As any good fisherman should do, search out this precious catch of before it floats away." Alasdair Bayman, CineVue

"A tense and enchanting tale of social divide in Cornwall" Harry Jones, Counteract

Zwei Interviews mit dem Regisseur: Cineuropa.org & Sight & Sound / BFI

Berlinale Forum 2019

Mark Jenkin (*1976) wuchs im englischen Cornwall auf, wo er auch heute lebt. Von 1995 bis 1998 studierte er an der Bournemouth University. Seit 1997 hat Jenkin mehr als fünfzig Filme gedreht. Neben seiner Arbeit als Filmemacher ist er Lehrbeauftragter für das Fach Film an der Falmouth University. 2012 verfasste er das aus 13 Regeln bestehende Silent Landscape Dancing Grain 13 Film Manifesto, dem er bei der Realisierung seiner Filme folgt. Filme (Auswahl): 2001: Golden Burn (69 Min.). 2007: The Midnight Drives (95 Min.). 2011: Happy Christmas (109 Min.). 2016: A Forest (82 Min.). 2019: Bait.

Mehr zum Film und seiner Herstellung auf der Filmhomepage

Der Regisseur über seinen Film
Der Tourismus und das Fischerdorf

Ich wollte schon immer einen Film über die Fischindustrie realisieren. Auf 16 mm und in Schwarzweiß drehen, schmutzig und mit grober Körnung, Aufnahmen von Gesichtern machen, von arbeitenden Händen, von den rauen Ecken, schonungslos, wild, handfest, real. An diesem Ort der Welt ist der Fischfang eng mit dem Tourismus verbunden. Über Generationen hinweg haben diese beiden Bereiche nebeneinander existiert, als ungleiche und voneinander abhängige Bettgenossen. In der heutigen, von Sparpolitik und Unsicherheit geprägten Zeit geht es plötzlich um Haben und Nichthaben. Es gibt nicht nur Schwarzweiß in BAIT, vielmehr bewegt der Film sich in den Grauzonen. Dicht unter der Wasseroberfläche des müden Atlantiks, der sich zum Schlafen in dem idyllischen Hafen eingerollt hat. Doch Achtung: Auf eine gefährlich hohe Flut folgt oftmals extremes Niedrigwasser. In diesem Fischerdorf wird Tourismus positiv gesehen, Zweitwohnsitze allerdings werden als problematisch erachtet; dabei wurden diese beiden Aspekte niemals miteinander in Verbindung gebracht oder als zusammengehörig betrachtet. An diesem Ort haben die Fischer nichts zu sagen, während die Zugezogenen sich in ihrer neuen Gemeinde laut zu Wort melden.
Altes kollidiert hier mit dem Neuen. Wenn allerdings am Ende alle manipuliert werden, wird jedem eine Lüge aufgetischt. Trotz der guten Absichten der meisten Anwohner ist jeder von ihnen der Überzeugung, etwas von dem zu benötigen, was ein anderer besitzt, sei es Geld, Respekt, Kontrolle, das Gefühl von Zugehörigkeit, Frieden, eine Zukunft. Auch in einem historischen Küstendorf in Cornwall muss das Leben weitergehen. Traditionelle Ansichten werden von modernen Erwartungen ersetzt. Veränderung ist unumgänglich, unaufhaltsam und sogar willkommen. Aber wer denkt angesichts der glänzenden Zukunft, die vorausgesagt wird, an die Dinge, die dabei verloren gehen, vergessen werden und nach denen man sich am Ende sehnen wird? An dieser Stelle kommen die Form meines Films und sein Inhalt zusammen.

BAIT
Regie, Buch, Kamera, Montage, Musik:Mark Jenkin. Sound Design:Daniel Thompson. Production Design:Mae Voogd. Kostüm:Mae Voogd. Produktion:Kate Byers, Linn Waite. Produktionsfirma: Early Day Films (Bristol, Großbritannien). Mit:Edward Rowe (Martin Ward), Simon Sheperd (Tim Leigh), Mary Woodvine (Sandra Leigh), Giles King (Steven Ward), Isaac Woodvine (Neil Ward), Chloe Endean (Wenna Kowalski), Jowan Jacobs (Hugo Leigh), Georgia Ellery (Katie Leigh), Stacey Guthrie (Liz Stewart), Tristan Sturrock (Brian Rikard), Janet Thirlaway (Frau Peters), Morgan Val Baker (Ehemann), Billy Ward (Martin Ellis).Uraufführung: 09. Februar 2019, Forum