September 2011

"Putty Hill"

von Matt Porterfield, Kinostart 29.09.2011

Bilder aus dem Film Putty Hill

Cory starb alleine in einem verfallenen Haus am Rande Baltimors an einer Überdosis Heroin. Am Tag vor seiner Beerdigung versammeln sich seine Familie und Freunde, deren Leben schon weitergehen, obwohl ihnen noch die Verletzbarkeit, die ein so plötzlicher Tod auslöst, ins Gesicht geschrieben steht. Mit einem fast dokumentarischen Gestus der Beobachtung fängt der Film gleichzeitig eine Stimmung und ein Milieu ein. Teenager, die seltsam erschöpft wirken von den Zumutungen des Erwachsenwerdens, denen ein bisschen Zivilisationsgrün am Fluss oder die Skateboardanlage den einzigen Freiraum bieten; Erwachsene, die das Leben nicht nur mit Tattoos gezeichnet hat. Mit großer Behutsamkeit bringt der Film die Orte und Protagonisten zum Sprechen. Sie geben einem unsichtbaren, aber omnipräsenten Interviewer Antworten auf seine Fragen nach ihrer Beziehung zu Cory, nach der Beerdigung, nach der Schule, danach, was nach dem Tod kommt. Ein dokumentarischer Touch in einem Film, der sich sehr fragil zwischen Inszenierung und Improvisation bewegt, könnte man denken. Oder vielmehr eine Methode, genau diesen Grenzgang der Filmerzählung im Film selbst in den Mittelpunkt zu rücken. (Anna Hoffmann, Berlinale Forum Katalog)

Matt Porterfield über seinen Film:
"Ich bin in einem Vorort von Baltimore aufgewachsen, mit wilden, unbeschnittenen Hecken, ungepflegten Rasenflächen und Veranden, Hinterhöfen mit Swimmingpools und alten Autoteilen – ein Ort, an dem es an jeder Straßenecke eine Kneipe oder eine Kirche gibt. Dieser Kiez, der gerade noch innerhalb der Stadtgrenzen liegt, inspiriert einen Großteil meiner Arbeit und dient auch als Rahmen für Putty Hill… Putty Hill ist mit keinem anderen Film zu vergleichen. Im Prinzip ist es ein traditioneller Dokumentarfilm mit einer realistischen Handlung. Aber dieser Realismus ist weit von den gängigen anthropologischen, lyrischen oder romantischen Strömungen entfernt, von denen dieses Genre heute in der Regel geprägt ist. Was noch wichtiger ist: Obwohl es eine grobe Erzählstruktur gab, wurden die einzelnen Szenen zum größten Teil improvisiert; entsprechend lebendig entwickelten sich die Dialoge, und auch das Verhältnis der Protagonisten untereinander intensivierte sich dadurch. Zwischen meinen Schauspielern und mir hatte sich schon bei den Vorbereitungen zu Metal Gods ein enges Verhältnis entwickelt, so dass sie bereit waren, Risiken einzugehen und eine große emotionale Intensität einzubringen"

Pressestimmen:

"Putty Hill ist ein visuell unglaublich schöner Film, gefügt aus Lichtern, Farben, Stimmungen, die kaum in Worte zu übersetzen sind." (Elena Meilicke, Schnitt)

"Putty Hill ist vieles zugleich: ein enigmatischer Teenagerfilm, eine Amerika-Studie, ein subtiles Sozialdrama. Potterfield blickt auf niemanden herab, auf die Alten so wenig wie auf die Jungen, weder auf den Mittelstand noch auf jenes US-Subproletariat, das man abfällig nur 'white trash' nennt. Eine Erzählung im traditionellen Sinn kann man Putty Hill nicht nennen. Aber gerade darin ist die immense Kraft dieses Films begründet: Im Fragmentarischen, Rätselhaften liegt die einzige Chance auf Realismus." (Stefan Grissemann, Profil)

PUTTY HILL
Land/Jahr: USA 2010, Länge: 87 Min., Format: HDCam, BluRay, Sprache: English, Fassung: OmU Buch: Matt Porterfield, Jordan Mintzer, Regie: Matt Porterfield, Kamera: Jeremy Saulnier, Produktion: Hamilton Film Group, Baltimore; Vox3, New York; Putty Hill, Llc., Ridgewood, NY Darsteller: Sky Ferreira, Zoe Vance, James Siebor, Jr., Dustin Ray, Cody Ray, Charles "Spike" Sauers, Catherine Evans, Virginia Heath, Casey Weibust, Drew Harris, Marina Sieb

Weitere Informationen und den Trailer finden Sie unter http://puttyhillmovie.com