September 2012

"De Engel van Doel"

von Tom Fassaert, Kinostart: 20. September 2012

Das Dörfchen Doel ist dem expandierenden Hafen von Antwerpen im Weg. Ein Abrissbeschluss steht – die Vergangenheit muss der Zukunft weichen. Emilienne, eine rüstige Dame, sieht das anders. Sie will nicht umziehen, viel zu wohl fühlt sie sich in ihrem Haus mit wildem Garten. Aber die Arbeiten schreiten voran, und Doel wirkt schon jetzt wie ausgestorben. Nur die ältesten Bewohner, darunter Emiliennes Freundin Colette und der betagte Dorfpfarrer, bilden eine ausharrende Schicksalsgemeinschaft. Als der Pfarrer stirbt und Colette aufzugeben scheint, bleibt Emilienne allein zurück.

De Engel van Doel erzählt nicht nur von den Opfern des Fortschrittsglaubens, sondern zeigt mit Emilienne eine aktive und mit allen Wassern gewaschene Vertreterin der jüngst aufflackernden Protestkultur. Hoffnungslos und absurd, brisant wie zeitgemäß wirkt der Kampf um die letzten Häuser Doels. Das Schwarzweiß-Format unterstützt die unwirtliche Stimmung, und der Kamera gelingen eindringliche Momentaufnahmen: wenn sich ein gigantisches Frachtschiff am Rande von Doel lautlos durch den Nebel schiebt oder die Blümchentapete in einem Abrisshaus zur Kulisse einer improvisierten Bandprobe wird, während Emilienne, letzter Engel von Doel, weiterhin beharrlich ihre Hühner füttert.

Hier geht es zum Trailer mit englischen Untertiteln

Aktuelle Informationen zu Doel finden sie hier (in Englisch): doel2020.org

Bericht in der FR zur Lage in Doel (Februar 2012)

Englische Homepage des Films mit weiteren Informationen

Tom Fassaert wurde am 25. August 1979 in Naarden geboren. Er wuchs in den Niederlanden und in Südafrika auf. Nach einem Geografie-Studium an der Universität von Amsterdam studierte Fassaert Dokumentarfilmregie an der niederländischen Filmakademie in Amsterdam, wo er 2006 sein Studium
abschloss. De Engel van Doel ist sein erster abendfüllender Film.

DE ENGEL VAN DOEL
Land/Jahr: Niederlande, Belgien 2011. Format: Blu-ray (gedreht auf Super16), 1:1.85, Schwarzweiß. Länge: 77 Minuten. Sprache: Flämisch. Fassung: OmU. Produktionen: SNG, Amsterdam; CinéTéFilmproducties, Amsterdam. Regie, Drehbuch: Tom Fassaert. Kamera: Daniël Bouquet, Diderik Evers, Reinout Steenhuizen. Ton: Victor Horstink, Jaap Hermans, Maarten de Rooij, Gijs Stollman. Mischung: Jan Willem van den Brink. Musik: Tobias Borkert. Schnitt: Tom Fassaert, Axel Skovdal Roelofs, Thabi Mooi. Produzenten: Digna Sinke, Willem Thijssen.