28. Internationales Forum des Jungen Films
12. - 22. Februar 1998
Erste Filme des 28. Forums
Die Filmauswahl für das 28. Internationale Forum des Jungen Films ist in vollem Gange. Das kommende Forums-Programm verspricht mit Filmen aus allen Kontinenten eine formenreiche und spannende Auseinandersetzung mit den globalen Veränderungen der Gegenwart. Die Beschäftigung mit Geschichte, Politik und den Herausforderungen der Zukunft steht bei zahlreichen der bereits ausgewählten Filme im Vordergrund.  

Der Amerikaner Michael Moore, dessen Polit-Satire Roger and Me im Forum 1990 Furore machte, unternimmt mit seinem jüngsten Film THE BIG ONE eine Tour d'Horizon durch die Verheerungen liberaler Wirtschaftspolitik in seinem Land. Als geborener Stand-up-Komiker entdeckt Moore in der bitteren Wirklichkeit stets das Groteske und zieht mit unerschütterlichem Optimismus gegen die Managerkultur zu Feld. 

Eine historische Würdigung und zugleich Zukunftsmusik ist der Spielfilm CONCEIVING ADA der US-Avantgardistin Lynn Hershman, in dem eine Cyberspace-Künstlerin virtuellen Kontakt mit der Vergangenheit aufnimmt. Die britische Schauspielerin Tilda Swinton spielt in diesem faszinierenden Film- und Videoexperiment die Gräfin Ada Byron, die im Jahre 1843 erdachte, was heute als das erste Computerprogramm der Geschichte gilt. 

Mit sechs Stunden Dauer, sieben Kapiteln, einer Entstehungszeit von mehr als zehn Jahren und einer unvergleichlichen Fülle von historischem Bildmaterial steht Ron Havilios FRAGMENTS * JERUSALEM / SHIVREI T MUNOT YERUSHALAIM im Zentrum des Forums-Programms. Die Historie der Stadt Jerusalem und die wechselvolle Familiengeschichte des Regisseurs verknüpfen sich hier zu einem exemplarischen Essay über die Antriebskräfte der Zivilisation. 

Einen in mehrfacher Hinsicht utopischen Film zeigt das Forum mit der Uraufführung von Rudolf Thomes TIGERSTREIFENBABY WARTET AUF TARZAN , in dem ein seltsamer Besucher aus der Zukunft eine Handvoll Erdenbewohner zur Suche nach dem persönlichen Glück inspiriert.  

Seit seinen Anfängen hat sich das Forum für das junge japanische Kino engagiert. Der Regisseur Masashi Yamamoto war bereits vor elf Jahren mit dem Film Robinsons Garten Forums-Gast. In einem exzentrischen Panorama der Außenseiter und Verirrten im nächtlichen Tokio zeichnet Yamamotos jüngster Film JUNK FOOD in scharfen Konturen die explosive Stimmung in einer Gesellschaft zwischen den Extremen von Globalisierung und Tradition. 

Der Niederländer Johan van der Keuken ist zum wiederholten Male Gast des Forums. Nach dem vierstündigen Amsterdam Global Village wirft auch TO SANG FOTOSTUDIO einen einfühlsamen Blick auf die multikulturelle Stadt. Der halbstündige Kurzfilm wird durch Ramon Gielings LEVEN MET JE OGEN ergänzt, ein kenntnisreiches Porträt des Filmemachers van der Keuken und seines Werks, das Kultur- und Landesschranken ebenso selbstverständlich überschreitet wie die Grenze zwischen Dokumentar- und Spielfilm. 

22. Dezember 1997

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