juli 2018, kino arsenal

Edit Film Culture!

Vom 5.-22.7. finden im silent green Kulturquartier und im Arsenal das Festival und die Ausstellung Edit Film Culture! statt, die in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten mit internationalen Expert*innen und Künstler*innen Fragen nach den heutigen Bedingungen von Filmkulturen und deren gesellschaftlicher Relevanz stellen. Die Zeitschrift Film Culture, 1955 in New York von Jonas und Adolfas Mekas ins Leben gerufen, galt als Plattform für den Dialog zwischen Filmschaffenden und Publikum, Theorie und Praxis, Film und Kunst. Bis 1996 erschienen 79 Ausgaben. Veröffentlicht wurden Interviews, historische Texte, Manifeste, Filmanalysen, Künstler*innentexte, Poesie, fotografische Essays und Berichte über die Entstehung unabhängiger Strukturen für Filmproduktion, Distribution und Vorführung.

Das Filmprogramm legt einen Schwerpunkt auf die Wechselbeziehungen zwischen New York und Berlin. Einer, der darin sehr involviert war, war der Arsenal-Mitarbeiter Alf Bold, der 1993 an den Folgen von AIDS starb. In den frühen 70er Jahren erkannte er einen besonderen Handlungsbedarf in der Vermittlung und Stärkung des Experimentalfilms. 1978 widmete das Arsenal den Anthology Film Archives ein Programm: Es sei das „erste Filmmuseum, das sich ausschließlich dem Film als Kunst widmet.“

juli 2018, kino arsenal

Magical History Tour: Flanierendes Kino, Flaneure im Film

Edgar Allan Poe beschrieb ihn als Mann in der Menge, von der Großstadt absorbiert. Charles Baudelaire feierte seine Fähigkeit, im urbanen Raum gleichzeitig Anonymität zu wahren und Individualist sein zu können. Walter Benjamin befreite ihn in seinen Schriften von der vielzitierten Schildkröte, von der Attitüde und Pose und prägte die „zentrale Figur der Moderne“, den hochsensiblen Stadt-Entzifferer, der durch die Straßen streift, mal von ihr angezogen, mal abgestoßen seine städtische Umgebung betrachtet und seinerseits von seiner Umgebung betrachtet wird: den Flaneur. Das für die Literatur der letzten zwei Jahrhunderte so essentielle Begriffstrio – Flaneur, Flanerie und Flanieren – findet seit den 20er Jahren auch in der Filmgeschichte ein Echo unterschiedlicher Ausprägung.

Die Magical History Tour im Juli präsentiert Stadtwandler der ersten Stunde und ihre Nachfolger (vor und hinter der Kamera), öffnet den Begriff für das weibliche Pendant, die Flaneuse, versammelt flanierende dokumentarische und essayistische Arbeiten – mäandernde Gänge durch Stadträume, entschleunigte Wahrnehmungen und Eroberungen urbaner Strukturen, Erkundungen von Straßen und den sie bevölkernden Massen, Reflexionen über die Bedingungen moderner Existenz.

juli 2018, kino arsenal

Retrospektive Andrej Tarkowskij

Tarkowskij im Sommer – seit 30 Jahren ist das eine lieb gewordene Tradition für uns und unser Publikum. Wir zeigen im Juli und August die sieben langen Filme und den mittellangen Diplomfilm des russischen Regisseurs Andrej Tarkowskij (1932–1986), von dessen monumentalem Werk eine anhaltende Faszination ausgeht.

juli 2018, living archive

Gadalla Gubara

Im Juli zeigt das Arsenal in Kooperation mit SAVVY Contemporary an zwei aufeinanderfolgenden Abenden ein Programm mit Archivfilmen aus dem Nachlass des sudanesischen Filmemachers Gadalla Gubara sowie zeitgenössische Produktionen der Sudan Film Factory.

Gadalla Gubara (1921–2008) dokumentierte die postkoloniale Ära seines Landes in über 50 Dokumentarfilmen, Werbeclips, Lehr-, Kurz- und Langspielfilmen nach der Unabhängigkeit des Sudan 1956. 2013 und 2016 konnte das Arsenal in Kooperation mit dem Studio Gad Gubaras Werk digitalisieren und seitdem erneut zur Aufführung bringen. Nachdem im November letzten Jahres bereits zwei seiner Langfilme, TAJOUJE und LES MISÉRABLES, in Anwesenheit seiner Töchter Mai und Sara Gubara aufgeführt wurden, zeigt das Arsenal nun am 19. Juli sechs seiner Kurz- und mittellangen Filme. Wir freuen uns, Mai und Sara Gubara dazu erneut im Arsenal zu begrüßen.

Am 20. Juli zeigt SAVVY Contemporary im Rahmen des Projekts COMING SOON TO YOUR SCREENS: On Archives, Legacies, and New Waves of Sudanese Cinema in Kooperation mit der Sudan Film Factory ein Kurzfilmprogramm mit neuen Produktionen aus Khartum, das von dem sudanesischen Filmemacher und Filmkurator Talal Afifi kuratiert wurde.

juli 2018, kino arsenal

„To risk everything to express it all“ – John Cassavetes

John Cassavetes (1929–1989) gilt mit seinem kompromisslosen Werk als einer der Begründer des unabhängigen amerikanischen Filmschaffens und setzte Maßstäbe in seiner konsequenten Ablehnung künstlerischer Zwänge. In einem 1956 für arbeitslose Schauspieler gegründeten Workshop entwickelte Cassavetes seine Ideen vom Filmemachen als Gruppenarbeit. Daraus entstand in Improvisation und mit kleinstem Budget SHADOWS, der ihm die Türen nach Hollywood öffnete. Der Versuch, seine Arbeitsweise und ästhetischen Vorstellungen im Studiosystem durchzusetzen, geriet jedoch zur Enttäuschung. In der Folge gründete Cassavetes seine eigene Produktionsfirma und situierte sich konsequent außerhalb des Studiosystems Hollywoods. Die Arbeit in engen und kontinuierlichen Gruppenzusammenhängen wurde zum zentralen Aspekt von Cassavetes’ Schaffen, der bevorzugt mit einem festen Ensemble von Schauspieler*innen arbeitete – neben Gena Rowlands, mit der er seit 1954 verheiratet war, vor allem Peter Falk, Ben Gazzara und Seymour Cassel. Von ihrem vollen physischen Einsatz und der vorbehaltlosen Öffnung gegenüber ganz persönlichen Ängsten, Sehnsüchten und Unsicherheiten lebt sein Kino der Intensität und des schonungslosen Sezierens von Gefühlen. So unkalkulierbar, schwer fassbar und erratisch wie diese sind auch seine Geschichten; Exzess und Eruption stehen anstelle von vorhersehbaren narrativen Mustern. An der Produktion schöner Bilder nicht interessiert, widersetzen sich seine Filme konventionellen Sehgewohnheiten, sind ganz um die Menschen herum gebaut, auf ihre Gesichter und Körper fokussiert. Das Geld für seine Filme verdiente Cassavetes oft als Schauspieler in Filmen anderer Regisseure. Auch dabei ging er oft an Grenzen und lotete menschliche Extremzustände aus, spielte häufig Bösewichte, brillierte aber auch in leiseren Rollen.

Wir zeigen vom 27.7.-31.8. sämtliche Filme Cassavetes’ in 35-mm-Kopien mit deutschen Untertiteln und zusätzlich eine Auswahl seiner Arbeiten als Schauspieler.

juli 2018, distribution news

"A Skin So Soft - Ta peau si lisse"

von Denis Côté, Kinostart: 2. August 2018

Sechs starke Männer - vom Hochleistungs-Bodybuilder über den Ex-Champion, der heute als Trainer und Kinesiologe arbeitet, dem Studenten, der im Keller seiner Eltern trainiert und gleichzeitig versucht, seine Freundin zu coachen, bis hin zum Wrestler - teilen eine Leidenschaft: Ihren Körper. Familie, Freunde und alles außerhalb des Fitnessraums müssen sich ihren strickten Trainingsplänen unterordnen. Nach BESTIAIRE (2012) der zweite Film von Denis Côté im Verleih von arsenal distribution.

kino arsenal: Magical History Tour im Dezember: Theater und Film

19:00 Kino 2


Le dernier métro

Le dernier métro Die letzte Metro François Truffaut F 1980
Mit Catherine Deneuve, Gérard Depardieu
35 mm OmU 131 min

kino arsenal: Magical History Tour im Dezember: Theater und Film

19:30 Kino 2


Les enfants du paradis

Les enfants du paradis Kinder des Olymp Marcel Carné F 1945
Mit Arletty, Jean-Louis Barrault, Pierre Brasseur
35 mm OmE 189 min

kino arsenal: Retrospektive Martin Scorsese

21:30 Kino 1


After Hours

After Hours Die Zeit nach Mitternacht USA 1985
Mit Griffin Dunne, Rosanna Arquette
35 mm OF 97 min