Oktober 2017, kino arsenal

Female Gazes from Georgia - Contemporary Documentaries

THE DAZZLING LIGHT OF SUNSET, 2016

Von Georgien hat Europa oftmals noch eher vage Vorstellungen, auch wenn das Land zunehmend präsent ist: Georgische Filme und Bücher, Georgien selbst als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2018 oder als touristisches Ziel rücken es stärker in den Blick. Am diesjährigen deutsch-georgischen Freundschaftsjahr beteiligt sich die Heinrich-Böll-Stiftung mit einer Dokumentarfilmreihe von Regisseurinnen aus Georgien. Der dokumentarische Fokus zeigt uns das südkaukasische Land am Rande Europas in klischeefreien Ausschnitten. Die Film- und Diskussionsreihe präsentiert Dokumentarfilme, die sich dem Alltag in Georgien mit einer eigenen Ästhetik und originellen journalistischen Recherchen nähern. Die Filme reflektieren den anhaltenden Umbruch des kaukasischen Landes seit 1989, das auf der Suche nach seinem Platz zwischen Ost und West ein modernes Selbstbild entwirft.

THE DAZZLING LIGHT OF SUNSET (Salomé Jashi, Georgien/D 2016, 25.10., zu Gast: Salomé Jashi) Mit Hilfe eines lokalen TV-Senders erstellt der Film ein pseudo-ethnografisches Porträt einer kleinen Stadt. Ein Ort, in dem Rituale und Traditionen die Regeln des Alltags bestimmen und zugleich als ferne Reflexion die moderne Welt zunehmend ins Bewusstsein dringt. Wie kann man sich selbst am besten darstellen? Die Vielzahl der Charaktere, Orte und Ereignisse erschaffen ein Mosaik der Kleinstadt, ein Porträt der ganzen Nation, in der Schein mehr gilt als Inhalt. Jashis radikaler Film zeigt: Das georgische Dokumentarfilmkino, wenn nicht die ganze Gesellschaft, ist in rauer Verfassung.

ON THE MOVE (Tsira Gvasalia, Georgien 2013, 29.10.) schildert den vermeintlich gelassenen und passiven Alltag von Bewohnern eines Altenheims, der jedoch auf den zweiten Blick von intensiven Leidenschaften und zahlreichen Interessen geprägt ist. Die alten Leute haben noch Träume und klammern sich an die letzten Lieben ihres Lebens, im Bewusstsein, dass ihnen nicht mehr viel Zeit verbleibt.

ALTZANEY (Nino Orjonikidze, Georgien 2009, 29.10., zu Gast: Nino Orjonikidze) Die 87 Jahre alte Altzaney ist eine Autorität im Pankisi-Tal. Die lokalen Bewohner vertrauen ihr ihre Probleme an, wie auch die Körper der Toten, die zu betrauern sind. Wie kann eine Frau in einem der patriarchalischsten Orte in Georgien eine derartige Autorität erlangen – in einem Ort, in dem bis heute Tradition mehr gilt als das Gesetz?

UN DRAGON DANS LES EAUX PURES DU CAUCASE (The Pipeline Next Door, Nino Kirtadze, F/Georgien 2005, 29.10.) In einem der schönsten Täler in Georgien wird der kleine Ort Sakire von Plänen zu einer Erdöl-Pipeline der britischen BP aufgeschreckt, die vom Kaspischen Meer bis zum Mittelmeer gebaut werden soll. Das Bauwerk würde die Landschaft zerstören, die finanzielle Kompensation stiftet Anreize. Die Atmosphäre heizt sich auf und schlägt um in Chaos und einen offenen Konflikt zwischen dem Erdölkonzern und den Vertretern des Dorfes. Wird die Ölleitung die Dorfgemeinschaft endgültig entzweien, oder bietet sie eine überzeugende Perspektive von Reichtum und Wohlstand?

THE THINGS (Nino Gogua, Georgien 2016, 31.10., zu Gast: Nino Gogua) Im Mittelpunkt stehen die einzigen und letzten Dinge, die georgische Binnenflüchtlinge während des russisch-georgischen Krieges 2008 auf der Flucht aus ihren Heimatdörfern in Südossetien retten konnten. Über die Beziehungen der Besitzer zu ihren Dingen enthüllt sich der Alltag der Flüchtlinge: THE THINGS erzählt die universelle Geschichte einer Fluchterfahrung.

WHEN THE EARTH SEEMS TO BE LIGHT (Salome Machaidze, Davit Meskhi, Tamuna Karumidze, Georgien 2015, 31.10.) Erzählt wird die Geschichte von jungen Skatern und Musikern, die sich in der widersprüchlichen Realität eines post-sowjetischen Landes verlieren – ein Land, in dem man an der Macht der Kirche und der Politik zerbrechen kann. Ein dichter Blick in die Welt von Jugendlichen, die sich auf der Suche nach Freiheit und Romantik befinden. (kg)

Die Filmreihe der Heinrich-Böll-Stiftung wird im Oktober und November in weiteren Städten Deutschlands zu sehen sein.
Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.

kino arsenal: Darkroom: Die Liebe, das Kino. 
Für Martin Dannecker

14:00 Kino 2


Un chant d'amour

Sternenschauer

Studio Bankside

14, Binar Garden

Song for Rent

Thèmes et variations

Scorpio Rising

Un chant d’amour Jean Genet F 1950 16 mm stumm 26 min
*Sternenschauer Matthias Müller D 1994 16 mm 2 min
Studio Bankside Derek Jarman GB 1972 Digital file 7 min
14, Binar Garden Teo Hernandez F 1968 Beta SP stumm 9 min
*Song for Rent Jack Smith USA 1969 16 mm 5 min
Thèmes et variations Germaine Dulac F 1929 35 mm stumm 9 min
*Scorpio Rising Kenneth Anger USA 1964 Digital file 29 min

In Anwesenheit von Martin Dannecker, präsentiert von Karola Gramann und Heide Schlüpmann (Kinothek Asta Nielsen)
kino arsenal: Künstlerinnenprogramm

17:30 Kino 2


Textiles Prozessieren (AT)

Voices (AT)

Einbrennen von Mustern / Burning-in Patterns

Textiles Prozessieren (AT) Anette Rose 30 min
Voices (AT) Clarissa Thieme Performance/Lesung 20 min
Einbrennen von Mustern / Burning-in Patterns Lisa Rave D 2015 Digital file 22 min
Eintritt frei

Anschließend Diskussion mit den Filmemacherinnen
kino arsenal: Werkschau Pascale Ferran

19:00 Kino 1


Lady Chatterley

Lady Chatterley Pascale Ferran Belgien/F 2006
Mit Marina Hands, Jean-Louis Coulloc’h, Hippolyte Girardot
35 mm OmU 161 min

Anschließend Gespräch mit Pascale Ferran
kino arsenal: Künstlerinnenprogramm

19:30 Kino 2


Steht noch dahin

Übersetzen / Überleben

Steht noch dahin Melissa Dullius Film & Lesung 16 mm 15 min
Übersetzen / Überleben Meggie Schneider 30 min
Eintritt frei

Anschließend Diskussion mit den Filmemacherinnen
kino arsenal: Künstlerinnenprogramm

21:30 Kino 2


Frozen Conflict (AT)

Chasing Houses / Häuser jagen

Frozen Conflict (AT) Steffi Wurster
work-in-progress, Ausschnitte Digital file 15 min
Chasing Houses / Häuser jagen Justin Time D 2017 DCP 60 min
Eintritt frei

Anschließend Diskussion mit den Filmemacherinnen