Dezember 2019, kino arsenal

Gaumont: Seit es das Kino gibt (2)

BANDE À PART, 1964

Die 1895 gegründete Firma Gaumont ist nicht nur das älteste Filmproduktionsunternehmen der Welt. Mit über 1.500 Filmen besitzt Gaumont auch einen der größten französischen Filmkataloge, darunter u.a. Werke von Abel Gance, René Clair, Louis Feuillade, Jean Renoir, Max Ophüls, Robert Bresson, Georges Franju, Jean Grémillon, René Clément, Jean-Pierre Melville, Jacques Doillon, Jean-Luc Godard, Maurice Pialat, Jean Vigo und Louis Malle. Vom 28. November bis 31. Januar gastiert im Maison de France des Institut français am Kurfürstendamm 211 die Ausstellung „Gaumont: Seit es das Kino gibt“. Die Ausstellung lädt zu einer Reise durch die Firmen- und Filmgeschichte ein und präsentiert u.a. Requisiten, Kostüme und Filmplakate, Filmmusiken und Filmausschnitte. Das Arsenal zeigt begleitend im Rahmen der Französischen Filmwoche vom 28. November bis 4. Dezember eine Auswahl von Klassikern der französischen Filmgeschichte sowie neueren Produktionen der Firma. Im Februar folgt ein umfangreiches Programm mit Titeln aus dem Gaumont-Katalog.

ZAZIE DANS LE MÉTRO (Louis Malle, F/I 1960, 30.11. & 1.12.) Zazie (Catherine Demongeot), zehnjährige Göre aus der Provinz, besucht mit ihrer Mutter Paris. Beide wollen sich amüsieren: Zazie will unbedingt Metro fahren, Mama hat sich mit ihrem Liebhaber verabredet und gibt deswegen die Tochter für zwei Tage bei Onkel Gabriel (Philippe Noiret) ab, der seinen Lebensunterhalt als „Danseuse de charme“ in einer Homosexuellen-Bar verdient. Da die Metro streikt, macht Zazie sich selbständig, um Paris auf eigene Faust zu erkunden. Louis Malle gelang mit seiner Adaption von Raymond Queneaus Bestseller ein visuelles Äquivalent, das die filmischen Konventionen ebenso attackiert wie dies Queneau mit Sprachschablonen getan hatte. Er zerschlägt die traditionelle Grammatik der Filmsprache und veranstaltet ein Feuerwerk von burlesken und grotesken Einfällen. Zazie führt die „Verlogenheit und Verdorbenheit der Erwachsenenwelt“ (Louis Malle) vor, macht sie durch subversive Komik lächerlich und verspottet mit anarchischer Lust am Chaos alle moralischen Normen.

LES BELLES DE NUIT (Die Schönen der Nacht, René Clair, F/I 1952, 1.12.) Der junge Musiker Claude (Gérard Philipe) wäre gern ein erfolgreicher Komponist, muss sich seinen Lebensunterhalt aber als Musiklehrer in einer kleinen Provinzstadt verdienen und flieht vor dem ihn umgebenden Lärm in die Traumwelt eines scheinbar sorglosen Lebens früherer Zeiten: als gefeierter Opernkomponist der Jahrhundertwende, als heldenhafter Oberst im Dienst Napoleons und als mutiger Revolutionär während der Französischen Revolution, stets von Frauen (Martine Carol, Gina Lollobrigida, Magali Vendeuil) umgeben, die sich zu ihm hingezogen fühlen – bis sich die Szenerie gefährlich wandelt. Die geist- und einfallsreich inszenierte lebenskluge Komödie zählt zu René Clairs größten Erfolgen.

BANDE À PART (Die Außenseiterbande, Jean-Luc Godard, F 1964, 2.12.) Das Au-pair-Mädchen Odile (Anna Karina) lernt über einen Sprachkurs Arthur (Claude Brasseur) und Frantz (Sami Frey) kennen und erzählt ihnen von einer größeren Geldsumme, die ein Untermieter ihrer Herrschaft versteckt hält. Die drei planen den großen Coup. BANDE À PART wird gern als heiterster und zugänglichster Film Jean-Luc Godards beschrieben, wozu der vom Regisseur gesprochene „spinnerte Kommentar“ (Frieda Grafe) beiträgt. Unvergesslich ist der Weltrekord im Schnellbesichtigen des Louvre sowie der Madison Line Dance von Odile, Arthur und Frantz in einer Bar.

BARBARA (Mathieu Amalric, F 2017, 3.12.) Regisseur Yves (Mathieu Amalric) arbeitet an einem Biopic über die französische Chanson-Legende Barbara (1930–1997). Für die Hauptrolle hat er die Schauspielerin Brigitte (Jeanne Balibar) engagiert, die selbst auch als Sängerin auftritt. Je länger die Proben andauern, desto mehr übernimmt der Charakter die Kontrolle über sie. Mathieu Amalrics sechste Spielfilmregie handelt von Liebe, Respekt und Identifikation, Spiegelungen von Film-im-Film und von Fiktion und Realität und ist sowohl eine Hommage an „la dame en noir“ Barbara als auch an die Schauspielerin und Sängerin Jeanne Balibar. (hjf)

DEMAIN ET TOUS LES AUTRES JOURS (Morgen und an jedem anderen Tag, Noémie Lvovsky, F 2017, 4.12.) Die neunjährige Mathilde lebt nach der Scheidung ihrer Eltern bei ihrer Mutter (Noémie Lvovsky), einer empfindsamen, labilen Frau, der die Bewältigung des Alltags über den Kopf wächst. Angesichts einer wenig präsenten Mutter und einem meist nur per Skype anwesenden Vater (Mathieu Amalric) wird Mathildes sprechendes Käuzchen zu einem vertrauensvollen Zuhörer und Ratgeber. Noémie Lvovskys persönlicher, ihrer Mutter gewidmeter Film ist ein zärtliches, träumerisches Porträt einer außergewöhnlichen Mutter-Tochter-Beziehung, kongenial begleitet von Alela Dianes fragilem und berückend schönem Song „Oh! My Mama“.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit Gaumont und der Französischen Filmwoche Berlin. Mit freundlicher Unterstützung des Institut français und der Botschaft von Frankreich.

kino arsenal: re-selected: Amos Vogel Korrespondenz

19:00 Kino 2


Die Stadt

Abseits

Hafen-Rhythmus

Sunday

Sein Ausgleich ist Angeln

Aktion 540

Die Stadt Harry Kramer, Wolfgang Ramsbott
BRD 1956 16 mm 15 min
Kopie aus dem Filmkundlichen Archiv Köln
Abseits Wolf Hart
BRD 1957 35 mm 13 min
Hafen-Rhythmus Wolf Hart
BRD 1960 35 mm 13 min
Sunday Dan Drasin
USA 1961 35 mm 17 min
Kopie der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen
Sein Ausgleich ist Angeln Lucas Maria Böhmer
BRD 1968 16 mm 16 min
Kopie aus dem Filmkundlichen Archiv Köln
Aktion 540 Werner Königs
BRD 1969 16 mm 6 min
Kopie aus dem Filmkundlichen Archiv Köln

Einführung: Tobias Hering
kino arsenal: Gaumont: Seit es das Kino gibt (2)

20:00 Kino 1


Barbara

Barbara Mathieu Amalric F 2017
Mit Jeanne Balibar, Mathieu Amalric, Aurore Clément, Grégoire Colin
DCP OmE 98 min