april 2021, kino arsenal

arsenal 3 im April: Otar Iosseliani

„Alles was du gibst, gehört dir, alles was du nicht gibst, ist verloren", lautet ein georgisches Sprichwort. "Alles, was in meinen Filmen geschieht, dreht sich um die Schwäche des Menschen für den Besitz", der dazu beiträgt, „die wahren Werte wie Gefühle zum Verschwinden zu bringen", beschreibt Otar Iosseliani sein Werk. Und man könnte hinzufügen: Alle Filme Iosselianis handeln vom Verschwinden von Kultur und Sinnlichkeit, Uneigennützigkeit und Solidarität. Es sind poetische Tragikomödien, gekennzeichnet durch feinen Humor, leise Wehmut, reduzierte Dialoge und eine fließende Bildsprache.

 

Otar Iosseliani, 1934 in Tiflis geboren, studierte zunächst Musik und Mathematik, ehe er ab 1955 Regiekurse bei Alexander Dowshenko an der Moskauer Filmhochschule WGIK besuchte. Sein mittellanger Abschlussfilm APRILI (1962), der sich kritisch mit dem Besitzstreben des Kleinbürgertums auseinandersetzt, wurde in der Sowjetunion verboten. APRILI ist – wie zahlreiche folgende Arbeiten – ein Film weitgehend ohne Dialog und Kommentar. Nach Iosselianis Überzeugung dürfen Worte in einem Film nicht bestimmend sein und keine wichtigen Informationen tragen. In seinen Arbeiten spielt sich das Wesentliche in Blicken, Mimik und Körperhaltung ab, Worte stehen als gleichberechtigtes Element der Tonspur neben der Musik und den Geräuschen.

 

Nach drei abendfüllenden Filmen, die Iosseliani zwischen 1966 und 1975 drehte, erhielt er in der Sowjetunion keine Arbeitsmöglichkeit mehr und ging 1982 nach Frankreich. Seither hat Otar Iosseliani ein gutes Dutzend Filme gedreht, im Senegal, in Italien, in Frankreich und in Georgien. Er betrachtet sie ausnahmslos als georgische Filme, Filme, die von arm und reich, Stadt und Land, Traditionen, dem Verlust von Werten und dem Vergehen der Zeit erzählen. Sie sind melancholisch und heiter zugleich, denn „wenn die Dinge sehr ernst stehen, dann ist es schwer, ernst von ihnen zu sprechen" (Otar Iosseliani).

 

Das Arsenal – Institut für Film und Videokunst verleiht das Gesamtwerk von Otar Iosseliani in Deutschland. Wir zeigen im April auf unserem Streamingbereich arsenal 3 eine Auswahl von sieben abendfüllenden Filmen, vom Langfilmdebüt GIORGOBISTVE aus dem Jahr 1966 bis zu Iosselianis vorläufig letztem Film CHANT D’HIVER von 2015.

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arsenal 3 im April: Ziegelsteine

Am 16. September 2013 zeigte das Arsenal anlässlich seines 50. Jubiläums in Anwesenheit von Harun Farocki ein Doppelprogramm mit dem Titel „Ziegelsteine“. Es liefen Farockis ZUM VERGLEICH (D 2009) sowie CHIRCALES (Ziegelarbeiter, Kolumbien 1971) von Marta Rodríguez und Jorge Silva, zwei Filme über Ziegelherstellung aus der Sammlung des Arsenals. Während Farockis Film in Indien, der Schweiz, Burkina Faso, Frankreich und anderen Orten Handarbeit, Industriearbeit und Computerarbeit beobachtet und dabei eine globale Zeitgeschichte der Ziegelproduktion erzeugt, konzentriert sich Marta Rodríguez’ und Jorge Silvas Film über sechs Jahre lang auf eine Ziegler-Familie, anhand derer exemplarisch die Ausbeutung der Arbeiter*innen deutlich wird.

 

„Archive außer sich“ zeigt im April beide Filme, die eine lange Geschichte mit dem Arsenal-Archiv haben, auf unserem Streamingbereich arsenal 3.

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Online-Diskussion zur Werkschau Otar Iosseliani

Im Rahmen der Werkschau auf arsenal 3 fand am 13. April eine Online-Diskussion mit Erika und Ulrich Gregor und Barbara Wurm statt. Das Gespräch kann weiterhin auf unserem YouTube-Kanal gesehen werden.

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