Oktober 2011, kino arsenal

Living Archive

Wenn wir heute damit beginnen würden, Tag und Nacht ununterbrochen die Filme und Videos unseres Archiv anzusehen, wären wir am 1. September 2012 damit fertig. 516.377 Minuten, das sind 8.606,28 Stunden bzw. 358,6 Tage. Im Schnitt kommen jedes Jahr ca. 10.758 Minuten hinzu. Was aber, wenn unter den Neuzugängen Found-Footage-Filme sind, die Material aus den ersten 516.377 Minuten verwenden? Zählen diese Minuten dann nochmal? Und was unterscheidet 516.377 Minuten von 211.057 Metern? Ungefähr 50.000 digitale Minuten, die nichts wiegen, aber nicht weniger gewichtig sind. Allen Minuten gemeinsam ist -wiederum, dass sie nur in der Betrachtung existieren. Und damit in der Gegenwart.

30 FilmemacherInnen, KünstlerInnen, Kurator-Innen und WissenschaftlerInnen arbeiten daran, eine solche Gegenwart herzustellen: In Einzelprojekten verleihen sie den Filmen eine neue Sichtbarkeit, in ihrer Recherche erarbeiten sie neues Wissen und Zugänge, in öffentlichen Sichtungen erleben sie mit dem Publikum den magischen Moment der Entdeckung.

Das von der Kulturstiftung des Bundes unterstützte Projekt "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart" lebt. Nicht nur in Berlin: Das dritte Stipendium des Goethe-Instituts wird im nächsten Frühjahr an die Kuratorin Ala' Younis aus Amman vergeben. Die nächste öffentliche Sichtung findet am 11.10. statt, der Eintritt ist frei.