Juni 2013, kino arsenal

Living Archive für Kinder, mit Kindern (Stefanie Schlüter)

Was kann ich sehen, wenn ich einen Filmstreifen in den Händen halte? Wie finde ich einen Film im Filmarchiv? Welche Bilder bleiben mir von einem Kurzfilmprogramm im Gedächtnis? Mehr als 200 Grundschüler aus Berlin haben Einblicke in die Filmsammlung des Arsenals genommen. Im Archiv haben die Kinder auf spielerische Weise Filmprogramme aus kurzen, meist experimentellen Filmen zusammengestellt. Ihre Filmerinnerungen haben sie in einer Zeichnung festgehalten. In einer Ausstellung und drei Kinoveranstaltungen für Familien und Schulen stellt Stefanie Schlüter die Ergebnisse vor. Gezeigt werden Filme, Filmprogramme, Filmzeichnungen und Live-Vertonungen aus Kinderhand. Unterstützt wurde das Projekt durch die FilmemacherInnen Ute Aurand, Robert Beavers, Milena Gierke und die Stummfilmpianistin Eunice Martins. (Für Kinder ab 6 Jahren, 9.–13.6.)

Filme aus unserem Archiv:

RAINBOW DANCE (Len Lye, GB 1936, 9.6. & 11.6.)
Einer der ersten kurzen Experimentalfilme in Farbe: Ein Werbefilm für Sparbücher der Post zeigt in farbenfrohen, fantasievollen Bildern, warum es sich lohnt, für schlechte Zeiten zu sparen.

VORMITTAGSSPUK (Hans Richter, Deutschland 1928, 9.6.)
Objekte (Hüte, Tassen, Kragen usw.) machen sich für kurze Zeit selbständig und rebellieren gegen den Menschen und die alltägliche Routine. Als die Uhr zwölf schlägt, kehren sie wieder an ihren Platz zurück.

FADENSPIELE II (Detel und Ute Aurand, Deutschland 2003, 9.6.)
Der Film entstand im Birkenhain, auf dem Rapsfeld, im kahlen Herbstwald, auf dem verschneiten Weg. Tücher spannen sich zwischen den Bäumen, Bälle rollen, Stämme wickeln sich ein – Rechtecke und Quadrate formieren sich auf der Leine, dann bilden kleine, ausgeschnittene Papiervierecke in gleichen Farben neue Formen.

FANTASMAGORIE (Émile Cohl, Frankreich 1908, 9.6. & 11.6.)
Der Zeichentrickfilm besteht aus etwa 700 Zeichnungen und gilt als der erste ausschließliche Animationsfilm.

POR PRIMERA VEZ (Octavio Cortázar, Kuba 1967, 4.6, 9.6. & 13.6.)
Ein Zeugnis der "audiovisuellen Alphabetisierung"  Kubas in den 1960er Jahren: Cortázar hält die Vorführung eines mobilen Kinos in einem entlegenen Gebirgsdorf fest und zeigt die Reaktionen der Bewohner auf ihre erste Begegnung mit Film, Charlie Chaplins "Modern Times".

HORSE OVER TEA KETTLE (Robert Breer, USA 1962, 9.6 & 13.6.) ist eine Tour-de-Force der Linienzeichnung, die entsprechend des Gesetztes der ständigen Veränderung vonstattengeht. Ein Hut, der sich in einen Vogel verwandelt, ein Vogel in einen Mann und ein Mann in einen Frosch - Erinnerungen an das Werk Emil Cohls werden wach. Der Film kreiert eine schwerelose Welt in der Figuren und Objekte (Damen mit Regenschirmen, Engel, Bäume, Häuser) sich grundsätzlich nach oben bewegen. 

LOOSE CORNER (Anita Thacher, USA 1986, 9.6. & 13.6.)
Ein junger Mann, eine junge Frau, ein Junge und ein Hund sowie diverse Gegenstände wie Bälle, eine Schachtel usw. begleiten das Publikum auf ein 'Abenteuer' zu einem unmöglichen Ort, einer 'losen Ecke'. Dort werden unsere Wahrnehmung und die Annahmen, von denen wir ausgehen, durch viele visuelle Unmöglichkeiten auf die Probe gestellt.

A MAN AND HIS DOG OUT OF AIR (Robert Breer, USA 1957, 9.6. & 16.6.)
Ein Meisterwerk der sich wandelnden Linie. Der Film beginnt mit flüchtigen Bildern des Windes, einem Vogel, Wirbeln und Bewegung, und endet mit einem amorphen Bild eines riesigen Mannes, der seinen Hund am Bildrand entlang Gassi führt.

RABBIT'S MOON (Kenneth Anger, USA 1950/78, 9.6. & 13.6.)
Pierrots erfolgloser Griff nach dem Mond und nach Columbine, zu der Musik von Andy Arthur.

IMAGINATION (Mary Ellen Bute, USA 1957, 11.6.)
Imagination ist eine lebendige, geschickte Kollage von animierten und photographierten Bildern, die teilweise aus früheren Filmen Butes stammen. Der Film wurde in der populären Steve Allen Show ausgestrahlt.

GERTIE THE DINOSAUR (Winsor McCay, USA 1914, 11.6.) zählt zu den bekanntesten und innovativsten Animationsfilmen der frühen Filmgeschichte, Gertie selbst wird von vielen Filmhistorikern als die erste echte Zeichentrickfigur gesehen, die dem neuen Genre des Zeichentrickfilms den kommerziellen und künstlerischen Durchbruch brachte.