Dezember 2014, living archive

Asynchron

Dokumentar- und Experimentalfilme zum Holocaust. Aus der Sammlung des Arsenal

Asynchron

Das Jahr 2015 wird ganz im Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Holocausts stehen – ein Thema, das für unsere Institution von besonderer Bedeutung ist, bildet doch die filmische Auseinandersetzung mit dem Holocaust seit Vereinsgründung 1963 – damals noch als Freunde der Deutschen Kinemathek – eines der Kernanliegen unserer Arbeit. Dies zeigt sich bis heute sowohl im Programm unserer Kinos, des von uns ausgerichteten Berlinale Forums, als auch im Portfolio unseres Kinofilmverleihs. So war eines der herausragenden Ereignisse des Forums 1986 die deutsche Erstaufführung von Claude Lanzmanns SHOAH im Delphi-Filmpalast, ein Film, der seitdem von uns verliehen wird. Weitere Filme zur Thematik, die im Forum liefen und seitdem Teil unseres Filmarchivs sind, sind u.a. DIE FEUERPROBE von Erwin Leiser, THE 81ST BLOW von David Bergman oder Lanzmanns SOBIBOR, 14 OCTOBRE 1943, 16 HEURES. Diese besonderen audiovisuellen Zeitdokumente laufen Gefahr, in Vergessenheit zu geraten. Zum einen ist der Bestand der Filmkopien durch Zerfalls- und Abnutzungsprozesse bedroht, zum anderen gibt es durch den medialen Wandel der letzten Jahre immer weniger Vorführorte für analoge Filme. Um die filmische Erinnerung auch für kommende Generationen zugänglich zu halten, wurde aus unserer Filmsammlung eine Auswahl von rund 50 Titeln zusammengestellt, von denen im Laufe der nächsten Monate zehn Filme digitalisiert bzw. wenn bereits vorhanden, in digitaler Kinofassung (DCP) angekauft werden. Dabei haben wir sowohl bekannte Filme als auch bisher zu wenig beachtete oder zu Unrecht in Vergessenheit geratene Werke berücksichtigt. Zu den rund 50 thematisch passenden Werken aus unserer Sammlung wird ab Januar 2015 ein Katalog vorliegen, der die Filme vorstellt und kontextualisiert.

Vom 27. Januar bis 4. Februar 2015 findet zum Auftakt des Projekts eine umfangreiche Filmreihe mit Einführungen, Filmgesprächen und Diskussionsrunden im Kino Arsenal statt. Der Schwerpunkt liegt auf Fragen zu Erinnerung, Archiv und Öffentlichkeit. Im Vorfeld stellt das filmwissenschaftliche FU-Seminar von Christian Pischel in Kooperation mit dem Projekt in sechs öffentlichen Sichtungen im Dezember und Januar eine Auswahl der Filme vor.

Im Rahmen des Forum der Internationalen Filmfestspiele Berlin werden zwei der neu digitalisierten Filme, die ihre Deutschlandpremiere im Forum feierten, als Wiederaufführung mit Gästen und Podiumsdiskussion präsentiert. Im Oktober und November 2015 findet das Projekt mit der Aufführung aller zehn neu digital verfügbaren Filme in einer Reihe mit Einführungen und Filmgesprächen seinen feierlichen Abschluss. Die gesamte Filmauswahl wird über arsenal distribution bundesweit den Kinos für Veranstaltungen zum Gedenkjahr angeboten.

Das Projekt "Asynchron. Dokumentar- und Experimentalfilme zum Holocaust. Aus der Sammlung des Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V." wird gefördert von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.