dezember 2018, kino arsenal

Retrospektive Leo McCarey

Leo McCarey (1896–1969), in den 30er und 40er Jahren einer der erfolgreichsten Filmemacher Hollywoods, realisierte mit einem großen Talent für Komik und Timing und einer Vorliebe für Improvisation in einer ihm eigenen Mischung aus Emotion, Humor, Vitalität und Menschlichkeit einige der schönsten Filme des klassischen Hollywoodkinos. Trotz des Erfolgs und der Verehrung durch Regiekollegen wie Frank Capra, Jean Eustache, John Ford, Howard Hawks, Ernst Lubitsch, Jean Renoir, Alain Resnais und François Truffaut ist der Name Leo McCarey heute nahezu unbekannt. Wir zeigen in Kooperation mit dem Filmfestival Locarno eine Auswahl seines umfangreichen Filmschaffens.

Leo McCarey kam nach einem Jurastudium 1918 nach Hollywood, wo er als Scriptgirl (in his own words) für Tod Browning begann. 1923 wechselte er zu den Hal Roach Studios, arbeitete zunächst als Gagschreiber für Our Gang, in Deutschland besser bekannt als Die kleinen Strolche, und stieg rasch zum Drehbuchautor und Regisseur auf. Bis 1929 realisierte er als Regisseur oder Production Supervisor fast 80 Kurzfilmkomödien, in denen die Situationskomik zunehmend wichtiger wurde als die Gags des Slapsticks. 1927 formte McCarey das Duo Laurel & Hardy, mit dem er die perfekt getimte Eskalation im komödiantischen Schlagabtausch, u.a. durch den slow burn, die Steigerung eines Gags mittels Verzögerung, weiterentwickelte. Der große Erfolg ebnete McCarey den Weg zur Inszenierung von Spielfilmen, die bis Mitte der 30er Jahre ebenfalls von der Zusammenarbeit mit bekannten Komikern bestimmt waren: Eddie Cantor, die Marx Brothers, Charlie Ruggles, Mae West, W.C. Fields, Harold Lloyd. Einsetzend mit RUGGLES OF RED GAP (1935) drehte McCarey verstärkt persönlichere Arbeiten, in denen er romantische und dramatische mit komischen Elementen verband. Im darin zum Ausdruck gebrachten Idealismus, der vom Glauben an die Kraft des guten Beispiels lebt, ist eine gewisse Nähe zu Frank Capra nicht zu übersehen. Der Menschenfreund McCarey, über den Jean Renoir sagte, er verstünde Menschen besser als jeder andere in Hollywood, zeichnete -seine Figuren mit Nachsicht, Verständnis und Empathie. „Mir gefällt ein Anflug von Märchen. Sollen andere die Hässlichkeit der Welt filmen. Ich will den Menschen keinen Kummer bereiten.“ Nach einem schweren Autounfall gewannen ab den 40er Jahren religiöse Motive eine prominentere Rolle in seinen Filmen. In der Nachkriegszeit konnte Leo McCarey nicht mehr an die früheren Erfolge anschließen und drehte bis 1962 nur noch fünf Filme, darunter zwei vom Antikommunismus des Kalten Kriegs geprägte Arbeiten.

dezember 2018, kino arsenal

Magical History Tour - Theater und Film

Das Verhältnis von Film und Theater oszilliert zwischen Nähe und Distanz, Inspiration und Emanzipation. Trotz aller Konkurrenzgedanken, dem Bedürfnis ästhetischer und formaler Eigenständigkeit und der vehementen Ablehnung bestimmter künstlerischer Traditionen – Aspekte, die die Beziehung zwischen Film und Theater zu Beginn des 20. Jahrhunderts geprägt haben – bietet das Theater einen so umfangreichen wie komplexen Sujet-, Modell- und Formen-Fundus, über den sich das ältere Medium kontinuierlich in die Filmgeschichte einschreibt. Umgekehrt hat der Film keinen unerheblichen Anteil am „Mythos Theater“ und hat dem (Theater-)Zuschauer lange verborgene Theaterräume und -dynamiken erschlossen. Einige Bespiele der unterschiedlichen Verbindungen zwischen Theater und Film quer durch die filmhistorischen Epochen, Genres und Stile haben wir in der Magical History Tour in diesem Monat versammelt – sie verweisen auf das vielgestaltige Potential des Theaters als Inspirationsquelle oder als Mikrokosmos, in dem Bühne und Leben, Fiktion und Realität ineinandergreifen, Grenzen durchlässig werden und in dem sich mitunter auch die Welt zu spiegeln scheint.

dezember 2018, kino arsenal

Neues französisches Kino – Dokumentarfilme

Das Arsenal präsentiert im Rahmen der Französischen Filmwoche vier bemerkenswerte aktuelle französische Dokumentarfilme, die auf renommierten internationalen Festivals gezeigt wurden, aber bislang keinen deutschen Verleih gefunden haben. Die ausgewählten Werke spiegeln die visuelle und thematische Bandbreite, die das Dokumentarfilmschaffen Frankreichs auszeichnet, und das soziale Engagement ihrer Regisseur*innen. Die Filmemacherin Manon Ott wird zur Vorstellung ihres in diesem Jahr uraufgeführten Films DE CENDRES ET DE BRAISES zu Gast sein.