August 2018, transfer

Autumn School für Lehrer*innen: Erzählen und Zeigen im Film

Vom 11. bis zum 13. Oktober 2018 findet unter dem Titel "Erzählen und Zeigen im Film" die erste Autumn School für Lehrer*innen im Arsenal statt. Das Fortbildungsangebot führt Filmanalyse und -praxis zusammen, stellt Vermittlungsmethoden für den Unterricht vor und bietet eine vertiefende Auseinandersetzung mit Formen filmischen Erzählens und Dokumentierens. Die Autumn School reflektiert das Medium Film angesichts einer Vielfalt von filmischen Gattungen, Formen und Formaten sowie in Bezug zu anderen Kunstformen und Medien. Dabei geht sie von den analogen Anfängen von Film und Kino aus und weist bis in die digitale Gegenwart. Das Angebot ist interdisziplinär, überregional, schul- und fachübergreifend und richtet sich an Lehrende in schulischen und außerschulischen Kontexten. Konzipiert wurde es von den Filmvermittlerinnen Bettina Henzler und Stefanie Schlüter.

Die Autumn School ist ein Veranstaltung des Arsenal – Institut für Film und Videokunst und der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), unterstützt von der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin sowie der Universität Bremen.

Veranstaltungsort
Kino Arsenal, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin
Eintritt und Materialbeitrag: 15 EUR Kontakt und Anmeldung: autumnschool(at)arsenal-berlin.de
Tel.: (030) 269 55-100 / Fax: -111
Anmeldungen bis zum 10. September 2018

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Programm

Film ist sowohl ein Medium des Geschichten-Erzählens als auch eines, das aufzeichnen und dokumentieren kann. Diese beiden Momente – Erzählen und Zeigen – bilden ein Spannungsfeld, das nahezu jeden Film kennzeichnet. Dokumentarfilme zeigen uns (fremde) Wirklichkeiten. In der Weise, ihr Material zu strukturieren und unsere Aufmerksamkeit zu lenken, erzählen sie jedoch auch Geschichten. Spielfilme inszenieren Handlungen, bringen aber auch Aspekte der Realität zur Anschauung – seien es Schauplätze, Menschen, Ereignisse oder Stimmungen. Beide Pole sind grundlegend für die filmische Konstruktion von Realitäten. Sie in ihrer Wechselwirkung zu begreifen, hilft, die Logiken des filmischen Erzählens zu verstehen, die Wahrnehmung für die ästhetischen Eigenheiten des filmischen Bewegtbilds zu sensibilisieren und seiner Faszinationskraft auf die Spur zu kommen.

Donnerstag, 11. Oktober 2018
Einzelbild und Einstellung: Zu Beginn der Filmgeschichte bestand ein Film aus einer einzigen Einstellung: Ausgehend von den Minuten-Filmen der Brüder Lumière setzen wir uns mit den kleinsten Einheiten filmischen Erzählens und Dokumentierens auseinander: Was erzählt und zeigt ein einzelnes Bild, was eine einzelne Einstellung? Wie beeinflusst das, was gezeigt wird, das, was man sich vorstellt? Wie stehen Ton- und Bildebene, Wort und Bild miteinander in Beziehung? Methodisch wechseln analytische und praktische Einheiten. Bezüge zur Fotografie und zum Text sowie Einblicke in unterschiedliche filmische Gattungen und Genres eröffnen verschiedene Möglichkeiten für den Einsatz im Kunst- und Literaturunterricht.

 9:00-10:00      Registrierung & Einführung
10:00-12:00     Analyse: Fotografie, Einzelbild & Einstellung
12:00-13.30     Umsetzung in die Praxis: Drehen von dokumentarischen Einstellungen
13.30-14.30     Mittagspause
14:30-15:45     Sichtung & Besprechung der gedrehten Einstellungen
15.45-17:15     Das Verhältnis von Wort, Ton und Bild im Film
17:15-17:45     Round Table in Gruppen
17:45-18.00     Abschluss des Tags im Plenum

Freitag, 12. Oktober 2018
Filmische Montage
Der zweite Tag widmet sich der filmischen Montage als Strategie des visuellen Erzählens, des Erzählens durch Zeigen. Dabei steht zunächst die Frage im Vordergrund, wie eine Situation durch die Auflösung in Einstellungen jeweils unterschiedlich erzählt werden kann. Wie lenkt die Montage die Wahrnehmung der Zuschauer*innen? Wie konstruiert sie die Bedeutung einer Handlung?
Im weiteren Verlauf wird in Kleingruppen jeweils ein visuelles Konzept für dieselbe narrative Szene erarbeitet: Anhand einer festgelegten Zahl von Einstellungen realisiert jede Gruppe mit den Mitteln der Montage eine kurze Spielhandlung. Mit dem Prinzip des Schneidens in der Kamera wird deutlich, wie sich die Montage bereits vor dem Drehen konzipieren lässt.

10:00-12:00:     Eine Szene in Varianten
12:00-13:30:     Szenenvorbereitung und Drehen in Kleingruppen
13.30-14.30      Mittagspause
14:30-16:45      Import der Aufnahmen ins Schnittprogramm und Analyse der Szenen
16:45-17:45      Round Table in Gruppen
17.45-18:00      Abschluss des Tags im Plenum

Samstag, 13. Oktober 2018
Figuren und Welten

Wie eine Figur im Film gezeigt und in eine Geschichte eingebunden wird, hat entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmung der Zuschauer*innen: ob sie mitfühlen, sich identifizieren oder sie als fremd empfinden. Diese Frage ist ebenso grundlegend für das Erzählen von Geschichten wie auch für die Art und Weise, wie Menschen in den unterschiedlichsten dokumentarischen Formen gezeigt werden: ob sie bspw. vereinnahmt werden oder ob die Kamera ihnen respektvoll begegnet. Wie machen filmische Verfahren des Zeigens und Erzählens nuancierte Sichtweisen von uns und anderen sichtbar, spürbar und verstehbar? Wie lernen Zuschauer*innen durch das audiovisuelle Erlebnis Empathie für und Solidarität zu anderen Menschen? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Ethik und Ästhetik im Film? Wie kommen mobile Medien, z.B. Smartphones, in politischen Kontexten zum Einsatz?

09.00-10:30:     Figuren zwischen Fremdheit und Nähe
10:30-12:30:     Politisches Zeigen, politisches Erzählen
12.30-13.00:     Abschlussplenum

Referentinnen: Bettina Henzler, Stefanie Schlüter, Brigitta Wagner
Zusätzliche Round-Table-Moderatorin: Daniela Nicklisch, Lehrerin für Film am Hermann-Hesse-Gymnasium in Berlin-Kreuzberg

Dr. Bettina Henzler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Bremen (Institut Kunstwissenschaft – Filmwissenschaft – Kunstpädagogik) mit Schwerpunkt Filmwissenschaft und Filmvermittlung. Nach der Promotion zum ästhetischen Filmvermittlungsansatz von Alain Bergala (Filmästhetik und Vermittlung, 2013), leitet sie seit 2016 das DFG-geförderte Forschungsprojekt „Filmästhetik und Kindheit“. Darüber hinaus ist sie seit 2000 freiberuflich als Projektleiterin, Referentin und Beraterin der Filmvermittlung tätig und kooperiert in diesem Zusammenhang auch mit internationalen Kulturinstitutionen, wie dem Österreichischen Filmmuseum oder der Cinémathèque française. Sie ist Mitglied des Editorial Board der neu gegründeten Zeitschrift Film Education Journal und Mitherausgeberin der Sammelbände: Filme sehen, Kino verstehen. Methoden der Filmvermittlung (2009), Vom Kino lernen. Internationale Perspektiven der Filmvermittlung (2010); nachdemfilm.de, Nr. 13, Filmvermittlung (2013); Kino und Kindheit (2017). Website: www.film-und-kindheit.de.

Stefanie Schlüter ist ausgebildete Gymnasiallehrerin für die Fächer Philosophie und Deutsch und lebt als Filmvermittlerin in Berlin, wo sie u.a. für das Arsenal – Institut für Film und Videokunst tätig ist. Sie ist Mitglied der Künstler*innen-Gruppe „Arsenal Filmatelier“, die Filmreihen für Kinder und Filmworkshops an Schulen anbietet. Seit 2007 führt sie Fortbildungen für Lehrer*innen durch – u.a. im Österreichischen Filmmuseum in Wien und im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main. Zwischen 2007-2009 hat sie im unabhängigen Forschungsprojekt „Kunst der Vermittlung – Aus den Archiven des Filmermittelnden Films“ mitgearbeitet. Von 2009-2013 war sie Mitglied des internationalen Graduiertenkollegs InterArt an der Freien Universität Berlin. Im Rahmen des Projekts „Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart“ des Arsenal hat sie 2011-2013 ein Projekt mit Grundschulkindern im Filmarchiv realisiert. Diese vermittelnde Praxis im Filmarchiv des Arsenal setzt sie gegenwärtig fort. Sie publiziert zu Experimental- und Künstler*innen-Filmen sowie deren Vermittlung.

Dr. Brigitta Wagner ist deutsch-amerikanische Filmhistorikerin und Filmemacherin und lehrt an der MET Film School Berlin. Nach ihrer Promotion im Fachbereich Germanistik und Filmwissenschaft an der Harvard University unterrichtete sie von 2008 bis 2013 als Juniorprofessorin an der Indiana University mit dem Schwerpunkt deutsche Filmgeschichte. Sowohl in ihrer Forschung als auch in ihrer künstlerischen Arbeit interessiert sich Brigitta Wagner für die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit sowie von Orten und medialer Erinnerung. Sie ist Herausgeberin des Sammelbands DEFA AFTER EAST GERMANY (2014) und Autorin des Buchs BERLIN REPLAYED: CINEMA AND URBAN NOSTALGIA IN THE POST WALL ERA (2015). In ihrem Film ROSEHILL (2015) mischt sie dokumentarische und fiktive Elemente in einer Geschichte. Im Jahr 2017-18 arbeitet sie ein Schuljahr lang mit Schüler*innen eines Neuköllner Gymnasiums im Filmvermittlungsprojekt „Was ist Kino?“ im Wolf Kino.