Ala Younis: Independent Film in Jordan (2009)

(1) MY BELOVED HOMELAND 1964 (2) THE SHOES 1986 (3) FULL BLOOM 2006 (4) REMIND ME TO REMEMBER TO FORGET 2006 (5) SHAWAHED 2009 (6) DEAF COUNTRIES 2009

MY BELOVED HOMELAND
Abdallah Kawash, Jordanien 1964, OmE, 3 min (Trailer)
MY BELOVED HOMELAND befasst sich mit einem zentralen Zeitraum während der Kämpfe zwischen der arabisch-jordanischen Armee und der jüdischen Untergrundmiliz um die palästinensischen Autonomiegebiete 1948. Der Protagonist des Films, Kamal, verlässt seine Familie um für Palästina zu kämpfen. Minimale Dialoge, Frontkämpfe, das jordanische Armeemilieu, lokale Landschaften und das Nachtleben sind die Hauptsettings des 52-minütigen Films, der über zwei Jahre gedreht wurde.

MY BELOVED HOMELAND, erst der zweite in Jordanien selbstproduzierte Film überhaupt, hat ein Zeichen für die jordanische Filmindustrie gesetzt. Geschrieben, produziert und unter der Regie von den Brüdern Abdallah und Mahmoud Kawash umgesetzt, geriet der Film in Vergessenheit, bis 2008 der Kritiker Adnan Madanat eine Negativkopie fand, die von der Familie des Hauptdarstellers gehütet wurde.

THE SHOES

Mohammad Alloh, Jordanien 1986, OmE, 12 min
Bei Regen bricht im palästinensischen Flüchtlingslager das Elend aus. Ein Junge läuft im kalten Platzregen mit nackten Füßen durch die schlammigen Straßen um in einem überfüllten Klassenzimmer mit seinen ebenfalls barfüßigen Klassenkameraden dem Unterricht zu folgen. Während der Lehrer über die Ästhetik von Mischfarben referiert, beginnt die Schulverwaltung, die Schüler aus dem Klassenraum zu holen und ihnen eine Spende zukommen zu lassen, die manchen – jedoch nicht allen – eine Freude bereitet.

Mohammad Alloh machte 1977 in Kairo einen Bachelor of Arts im Bereich Film. Sein erster Film, THE SHOES, wurde mit einem sehr geringen Budget gedreht, das Alloh selbst aufbrachte. Alloh arbeitete 11 Jahre beim jordanischen Fernsehen, bevor er 1990 in die VAE zurückkehrte um bei Sharjah TV zu arbeiten.

FULL BLOOM

Sandra Madi, Jordanien 2006, OmE, 46 min
Faraj Darwish, 21-jähriger Sieger der arabischen Boxmeisterschaften in Algerien 2004, lebt mit seiner mittellosen Familie in einem bescheidenen Haus im palästinensischen Flüchtlingslager Al Baqa’a in Jordanien. Er träumt von einer Boxerkarriere, darf jedoch am Training nicht mehr teilnehmen, weil er sich bei einem internationalen Wettkampf in der Türkei im Jahr 2006 weigerte gegen einen Israeli anzutreten und daraufhin auf Lebenszeit vom jordanischen Boxverband ausgeschlossen wurde. Der Film handelt von den Träumen und Lebenswegen ehemaliger Boxkämpfer, die im Al Baqa’a Camp lebten und trainierten.

Sandra Madi wurde 1976 in Amman, Jordanien geboren. Sie bekam mehrere Auszeichnungen als Filmemacherin. Ihr dritter Dokumentarfilm PERFORATED MEMORY wurde bei den Docudays in Beirut 2009 als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Eines ihrer jüngeren Projekte ist der Dokumentarfilm Gaza Gaza.

REMIND ME TO REMEMBER TO FORGET
Oraib Toukan, Jordanien 2006, OF, 3 min
Gebannt von der US-amerikanischen Medienberichterstattung zum israelisch-libanesischen „33-Tage-Krieg“ 2006 schrieb Oraib Toukan in einem Splitscreen-Video – das zwei separate, synchronisierte Performances zeigt – wie besessen den Satz „Vergiss nicht, mich daran zu erinnern zu vergessen“. Zu dem einschläfernden, hypnotischen Geräusch des erstickenden Atems, erinnert die Künstlerin sich daran, zu vergessen. Das Video postuliert, dass die Erinnerung des Nahen Ostens eine „Erinnerung des Vergessens“ sei, die sich daran gewöhnt hat, beseitigt und jeglichen Rechts entledigt zu werden.

Oraib Toukan ist 1977 in Boston, USA, geboren und hat in New York Film studiert. Sie hat mehrere Stipendien, Preise und internationale Künstlerresidenzen erhalten. Ihre Arbeiten werden international gezeigt.

SHAWAHED
Firas Taybeh, Jordanien 2009, Video, OmE, 12 min
Zusammen mit drei weiteren Künstlern beschloss Firas Taybeh Anfang 2009 gegen die Bombardierungen im Gazastreifen zu protestieren. Sie errichteten einen symbolischen Friedhof im Al Rabieh Viertel im Herzen von Amman. Jeder Grabstein wurde mit einer Nummer und dem Wort „Gazzawi” (in Gaza Geborene/r) versehen. Der Friedhof wuchs täglich entsprechend der Anzahl der Todesopfer. Aufgrund der Lage des Viertels nahe der israelischen Botschaft und der zahlreichen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei hatten die Künstler mit Al Rabieh ein für die Installation besonders brisantes Viertel gewählt.

Firas Taybeh wurde 1983 in Lybien geboren. Bevor er sich 2007 für das Filmstudium entschied, hatte er Bildhauerei studiert. Taybeh hat in vielen jordanischen Produktionen als unabhängiger Produzent, Kameramann, Schauspieler und Art Director gearbeitet und ist einer der Gestalter von Aramram, Jordaniens erstem Web-TV.

DEAF COUNTRIES
Eyad Hamam, Jordanien 2009, Video, OmE, 2 min
Zeichen- bzw. Gebärdensprache ist in der gesamten arabischen Welt anerkannt und dokumentiert; es hat viele Unternehmungen gegeben sie in den einzelnen Ländern zu vereinheitlichen, zu standardisieren und sie unter den Gehörlosen sowie anderen Interessierten zu verbreiten. Diese Bemühungen haben viele verschiedene Zeichensprachen hervorgebracht, beinahe so viele wie es arabisch-sprachige Länder gibt, und doch beruhen alle auf dem gleichen Alphabet. Der Film zeigt die Namen arabischer Länder in der Gebärdensprache Jordaniens.

Eyad Hamam ist Filmemacher und ist im Bereich der Postproduktion tätig. In CLASH OF THE TITANS untersucht er das Phänomen der „Stadionrivalität“ zwischen jordanischen und palästinensischen Fußballfans. 2005 hat er zusammen mit Yahya Al Abdallah die Regie bei MAN IN A CUP geführt sowie mit Dalia Al Koury bei Arabizi.