Dezember 2012, distribution news

"Das schlafende Mädchen"

von Rainer Kirberg, Kinostart: 17. Januar 2013

© The Sleeping Girl Joint Venture

Düsseldorf, Anfang der 1970er Jahre. Der junge, introvertierte Beuys-Schüler Hans (Jakob Diehl) lernt Ruth (Natalie Krane) kennen, eine jugendliche Streunerin, die in einem Stadtpark lebt. Fasziniert von ihr, macht er Ruth zum Motiv seiner Videoarbeit und nimmt sie bei sich auf. Ruth wächst schnell in die Künstlerszene um Hans hinein, sie nimmt einen Job als Aktmodell an der Akademie an. Doch Hans misstraut ihrem neuen Leben, er argwöhnt, dass Ruth mit der Wandlung zum ‚Glamourgirl’ nur vor sich selbst flieht. Für ihn bleibt sie das rätselhafte, verirrte Mädchen, in das er sich insgeheim verliebt hatte, ein Sujet, das er mit niemandem teilen will. Eifersüchtig auf seinen besten Freund Philipp (Christoph Bach), sperrt er Ruth im Atelier ein, um – wie er glaubt – im Reagenzglas der Kunst ihr Geheimnis zu erforschen. Mit diesem Experiment geraten ihm Kunst und Leben unauflösbar durcheinander.

Kinopremiere am 17.01. um 19 Uhr im Kino Arsenal in Anwesenheit des Regisseurs und Mitgliedern der Cast & Crew. Danach tgl. um 20 Uhr.
Mehr Spielorte und Termine finden Sie weiter unten.

Den Trailer kann man hier ansehen.

Auf dem Hintergrund der skeptischen post-68er-Jahre zeichnet Das schlafende Mädchen ein Porträt zweier ungleicher Einzelgänger, die in ihrem beschädigten Leben vergeblich aneinander Halt suchen. Im Stil eines selbstreflexiven Videoexperiments, aber mit dramatischen Mitteln des narrativen Kinos, lässt der Film eine Zeit lebendig werden, in der die ersten portablen Videosysteme unter Künstlern populär wurden und sich parallel zur aufkommenden Videokultur eine wichtige Epoche der Performance-Kunst ausformte.

Das schlafende Mädchen ist ein fiktiver Künstlerfilm. Sein dokumentarischer Stil grundiert die psychologische Bewegung der Geschichte, er ist organischer Bestandteil der Erzählung. Wir erleben das Geschehen über Hans’ Blick darauf, jedem Bild ist sein künstlerischer Wille aufgeprägt – es ist Hans’ Film, den wir sehen. Die dramatische Handlung ereignet sich an der Reibungsstelle zwischen Hans’ Absicht und dem Unvorhergesehenen, das ohne – und oft gegen – sein Zutun eintritt. So erzählt der Film von Hans’ Kontrollverlust über seine Inszenierung, wir nehmen teil an einem Kampf um die Bilderhoheit, einem Kampf mit der Wirklichkeit des Ereignisses, dessen zentrale Gestalt Ruth ist.

Hans’ künstlerisches Programm ist dabei kein protokollarisches: als Aktionskünstler ist er selbst Protagonist seiner Bilder, in seinen Selbstinszenierungen untersucht er elementare Eigenheiten des Mediums – Figur im Raum, Verhältnis von Bildraum zu realem Raum – und seine eigene Beziehung dazu. Wie der jung verstorbene holländische Künstler Bas Jan Ader, mein historisches Vorbild, erschafft Hans sich selbst als melancholisch-ironische, Buster-Keaton-artige Kunstfigur, die den Widrigkeiten der Realität mit stoischer Duldung begegnet und so in der Konsequenz ganz wirklich zum Spielball wird. Hans’ Film ist also immer auch ein Projekt der Selbsterforschung, in dem die Differenz zwischen Kunstfigur und realem Hans den Funken zur dramatischen Handlung schlägt.

Mehr Informationen auf der Homepage des Films

Kinos & Termine:

17.1. - 28.1. Regenbogenkino Berlin (Vorstellung am 18.1. in Anwesenheit des Regisseurs und der Hauptdarsteller) 

17.1. - 27.2. Nomadenkino Berlin 

17.1. - 24.1. Werkstattkino München 

17.1. - 24.1. Orfeos Erben Frankfurt 

24.1.-6.2. Zukunft / Programmkino Ostkreuz Berlin

25.01. Filmfestival Max Ophüls Preis im Rahmen von "Spex präsentiert"

28.1. - 30.1. Filmhaus Saarbrücken  im Anschluss an die Sondervorführung im Rahmen des 34. Filmfestivals Max Ophüls Preis in Kooperation mit SPEX - Programm-Special: „Rainer Kirberg – einst und jetzt”.

31.01.+02.02.+05.02. Luru Kino in der Spinnerei, Leipzig

1.2. - 4.2. Filmmuseum Düsseldorf 

14.02. - 20.02. Filmpalette Köln

15.2. - 18.2. Kommunales Kino Hannover 

Rainer Kirberg, geboren 1954, Studium an der Kunstakademie Düsseldorf. Als Künstler, Filmemacher und Autor in der Film- und Fernsehindustrie tätig. Vier Spielfilme, darunter der 1980 entstandene Kultfilm Die letzte Rache. Seit 1978 künstlerische Arbeiten (Film, Rauminstallation, Performance), gezeigt in Institutionen wie der Secession Wien und den Berliner KunstWerken. Musikclips in der deutschen und internationalen Independent-Musikszene, zum teil in der Sammlung der Cinémathèque Française. Neben bekannten Schauspielern wie Tcheky Karyo (Nikita), Erwin Leder (Das Boot) und Peter Lohmeyer arbeiteten die Dalí-Muse und ‚Disco-Queen’ Amanda Lear und die Underground-Filmlegende Kenneth Anger mit Rainer Kirberg zusammen.

DAS SCHLAFENDE MÄDCHEN
Land/Jahr: Deutschland 2011. Format: Blu-ray und DCP. Länge: 105 Minuten. Sprache: Deutsch. Buch & Regie: Rainer Kirberg. Darsteller: Jakob Diehl, Natalie Krane, Christoph Bach. Bildgestaltung: Birgit Möller. Ton: Manja Ebert. Lichtgestaltung: Armin Mobasseri. Szenenbild: Stefanie Lindner. Kostüm: Petra Wellenstein. Maske: Nadja Fröhlich. Musik: Sleeping Men. Montage: Ansgar Wacker. Sound Design: Kurt Dahlke, Martin Grube. Digitale Spezialeffekte: Markus Prinz. Produzenten: Rainer Kirberg, Caroline Kirberg, Tøni Schifer, Jonas Knudsen, Stephan Geene.

Weltpremiere: Berlinale Forum Expanded 2011