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This interview was conducted in German.

Barbara Wurm: Ich freue mich sehr, dass unser Gespräch noch geklappt hat. Wir können von hinten anfangen: Wir schreiben eine Woche vor Festivalbeginn und es fehlen nur noch die Untertitel. Wann hat diese Reise, dieser Film, für dich begonnen?

Volker Koepp: Eigentlich dachte ich schon 2014, als ich nach der Annexion der Krim mit unserem Film IN SARMATIEN, dem Vorgängerfilm, unterwegs war und in Czernowitz oder auch in Chișinău viel spürbar wurde und zu hören war: Ich muss da noch einmal hin. Tanja, die im Film sehr präsent ist, kam nach der Recherche für ihre Doktor- oder Habilitationsarbeit aus Sibirien zurück. Wir trafen uns zufällig in Lwiw, und sie sagte zu mir: „Volker, das geht nicht gut aus. Es wird Blutvergießen geben.“ Ich entgegnete damals: „Das ist doch völlig absurd.“ Kurz nach dem 24. Februar 2022 zeigte ich den Film in der Akademie der Künste, ein paar Tage nach Kriegsausbruch. Danach sagte Tanja zu mir: „Siehst du? Ich habe es dir doch gesagt.“ Natürlich hofften alle, dass es nicht Wirklichkeit wird. Insofern wollte ich CHRONOS gar nicht wirklich fertigstellen. Vor einem Jahr war ich schon fast so weit. Es ist das erste Mal, dass es am Ende einer Filmarbeit für mich keine echte Hoffnung gibt. Und jetzt schlafe ich schon viele Jahre jede Nacht mit diesen Fernsehbildern aus der Ukraine im Kopf ein… Einmal sagte mir Werner Dütsch, Redakteur beim WDR, als wir den Film BERLIN–STETTIN gemacht haben: „Kein Wunder, dass du letztlich immer über dieses Thema Filme machst.“ Damals war mir das noch gar nicht bewusst, aber rückblickend ergibt es Sinn. Der Film beginnt in Berlin-Karlshorst, wo ich aufgewachsen bin. Die Hälfte des Bezirks war sowjetisches Sperrgebiet, und von dort aus wurde ein großer Teil der DDR-Geschichte bestimmt. Dazu kamen die Begegnungen mit russischen Menschen. Mir gefiel nie, dass die Deutschen – woran sie sich heute offenbar kaum noch erinnern – immer böses Zeug über die uniformierten Soldaten erzählten, die dort herumliefen. Der Krieg war ständig präsent. Wo heute der Tierpark ist, fanden wir als Schüler Brandbomben. Bis heute werden in Berlin oder Oranienburg fast wöchentlich Blindgänger entdeckt. Deshalb frage ich mich jetzt, wie lange es dauern wird, bis all die Blindgänger in der Ukraine gefunden sind. So hat sich daraus ein Film darüber entwickelt, was Krieg auch mit mir zu tun hat.

Irina Bondas: Zumal die Ukraine inzwischen das am stärksten verminte Land der Welt ist. Sie haben zur Entstehung des Films bereits erwähnt, dass ihm IN SARMATIEN vorausging, aber Sie verwenden auch Material aus anderen Filmen. Es ist eine Region, mit der Sie sich über lange Zeit intensiv beschäftigt haben. Viele der Veränderungen waren 2013, als Sie den Film kurz vor der Maidan-Revolution drehten, vielleicht schon absehbar. Und dennoch scheint es, als hätten Sie auch eine Vorahnung gehabt – zumindest entsteht der Eindruck, dass Ihre langjährige Beschäftigung mit der Region von einem Wissen darum getragen ist, was noch kommen würde. Waren die Ereignisse für Sie nach dieser tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Region letztlich auch eine logische Konsequenz?

VK: Darauf, dass mir das mit der Vorahnung jetzt manche sagen, hätte ich natürlich gern verzichtet. Aber es war wirklich anders. Als ich 1989 in Wittstock gedreht habe und sowjetische Soldaten über den Marktplatz liefen, und später auch beim Abzug der Armee, glaubte man, das müsse eigentlich gut ausgehen. Aber das ist dann verflogen. Etwa 2007, als ich im Kaliningrader Gebiet, also im früheren nördlichen Ostpreußen, den Film mit den Kindern gedreht habe, HOLUNDERBLÜTE: Wenn man in Kaliningrad, wie in allen sowjetisch-russischen Städten, nur zwei Kilometer aus der Stadt herausfuhr, war alles furchtbar. Da habe ich gedacht: Das nimmt keinen guten Weg, wie sie ihre Leute in den Dörfern behandeln. Das habe ich auch gesehen, wenn ich in Zehdenick war und die russischen, sowjetischen Soldaten die Kohlen für ihre Kasernen mit den Händen abladen mussten. Es war ein schleichender Prozess. Ich wollte eigentlich die Orte zwischen Elbe und Oder, also Ostdeutschland, wo ich den größten Teil meiner Filme zu DDR-Zeiten und später immer wieder gemacht habe, miteinander verbinden. Das Dorf, in das meine Mutter mit meinen drei Schwestern und mir nach ’45 geflohen ist, habe ich als Schüler immer wieder besucht. In der DDR war in diesen Gegenden der Krieg immer noch ganz nahe, zumal dort ein Drittel, manchmal sogar zwei Drittel der Dorfbewohner aus Flüchtlingen bestand. Diese Verbindung von Ostdeutschland zum östlichen Mitteleuropa war immer präsent. Das hat mich in gewisser Hinsicht eingeholt.

Ich mache ja keine Filme über Geschichte. Es gibt historische Exkurse, und ich erkläre gern, wo ich bin.

IB: Ihre biografische und historische Verbindung zu Ostdeutschland, insbesondere zum ehemaligen Ostpreußen, und der ganzen Region um Ost- und Mitteleuropa, spiegelt sich auch in der Biografie und Lyrik von Johannes Bobrowski wider, auf die Sie sich im Film sehr stark beziehen. Sie haben ihm ja auch bereits den Film WIEDERKEHR gewidmet. Ist Bobrowski eine Bezugsperson für Sie, mit der Sie sich identifizieren – auch weil er sich als Fremder in der Region gesehen hat, in der er aufgewachsen ist, in der er gelebt hat, in der er verwurzelt war, aber doch umgeben von anderen Kulturen und anderen Sprachen? Oder haben Sie sich seiner Lyrik eher von außen angenähert? Wie sind Sie filmisch vorgegangen?

VK: Auch mein Film GRÜSSE AUS SARMATIEN war ja schon Johannes Bobrowski direkt gewidmet. Ich fand vorher, 1962, in einer Dresdner Buchhandlung seinen ersten Gedichtband. Damals studierte ich noch an der TU Dresden. Ich habe die Gedichte gern gelesen, und darin war auch das Gedicht „Die Daubas“, das ist ein Uferland nördlich von Tilsit, heute Sowetsk. Das wollte ich mir ansehen, aber es war für uns zu der damaligen Zeit nicht erreichbar. Nach der Filmhochschule habe ich es 1972 für GRÜSSE AUS SARMATIEN – das kommt in CHRONOS auch vor – geschafft, auf die litauische Seite von Tilsit zu kommen, also von der Litauischen Sowjetrepublik aus. Aber die andere Seite gehörte zur Russischen Sowjetrepublik, und dort mussten wir umkehren. Es hat ein paar Jahrzehnte gedauert, bis ich dann ’92 auf die andere Seite reisen konnte. Bobrowski war für mich immer wie ein Reiseführer und hat mich viel begleitet, vor allem sein Band „Sarmatische Zeit“. Erst später habe ich die verdeckten Themen verstanden: die Deutschen und der europäische Osten, und das Verhältnis der Nationalitäten im Osten untereinander, unter ihnen immer die „Judenheit“. Er hat also mit vorgeschrieben, was ich zu drehen hatte. Ich mache ja keine Filme über Geschichte. Es gibt historische Exkurse, und ich erkläre gern, wo ich bin. Ich habe auch schon einmal gesagt: „Ich fahre nach Kyjiw“, und dann sagte man mir: „Ja, nach Russland.“ Auch in Ostdeutschland. Ich habe also da oben angefangen. In der Erdbeschreibung nach Ptolemäus beginnt „Sarmatien“ an der Ostsee, dem „Sarmatischen Ozean“, und geht bis ans Schwarze Meer, also bis Odesa. Dann sind wir über Lemberg nach Czernowitz. Wir kamen an, haben uns ein Hotel gesucht, und ich dachte: Wenn wir Bobrowski da oben haben, dann haben wir hier unten Paul Celan. Am nächsten Morgen fragte ich jemanden am Hauptplatz, wo denn die Herrengasse sei, weil das in Gegenden, die einmal zu Österreich gehört haben, immer die schönste Straße ist. Er sagte mir, das wisse er nicht, aber das jüdische Haus sei wieder in Betrieb, und dort würden sich immer die jüdischen Leute treffen, die noch da sind. Und da traf ich am ersten Tag Herrn Zwilling. Und so ging es dann weiter. Jetzt, als ich wieder in Czernowitz war, hatte ich ein Hotelzimmer an genau diesem Hauptplatz. Der kommt auch im Film mehrere Male vor. Dieses Mal, Ende 2023, gab es schon in der ersten Nacht Alarm.

BW: Meine Begegnung mit deinem Werk war 1999 mit HERR ZWILLING UND FRAU ZUCKERMANN, als ich meine Reisen nach Galizien gerade hinter mir hatte und Menschen begegnet bin, die ich in deinen Filmen wiedergetroffen habe. Das Gleiche machst du jetzt in CHRONOS – du triffst Menschen wieder, denen du damals begegnet bist oder die dich über die Jahre begleitet haben, die aber auch du begleitet hast. Und die kunstvolle Webtechnik, die dir immer gelingt, ist dieses Einflechten der literarischen Folie und der Kultur, auch der historischen Folie – und in diesem Fall auch des eigenen Werks. Erinnerst du dich genauer daran, wie du gearbeitet hast, an welche Stellen du gezielt zurückgereist bist?

VK: 2021 haben wir angefangen zu drehen, während der Pandemie. Anfang 2020 war ich noch einmal in Kaliningrad, in Königsberg, und da war es schon sehr merkwürdig, schon auf Krieg ausgerichtet. Ich konnte danach nicht mehr dort drehen. Auch schon 2017, 2018, als wir zuletzt dort gedreht hatten, waren große Teile des Kaliningrader Gebietes wieder Sperrgebiet. Und dann ging es da wieder los, dass alles mit Militär vollgestopft war. Also haben wir in Litauen gedreht. Es ist teilweise nicht mehr im Film drin, aber wir haben die Leute dort öfter besucht. Und dann kam der 24. Februar.

Ich habe immer gesagt, dass der Dokumentarfilm viel stärker als der Spielfilm nach poetischen Strukturen arbeitet, oft nach Zufallsstrukturen.

BW: Wie wusstest du, in welche deiner Filme du reinschauen willst und wie bist du auf die Stellen gekommen, die du zitierst?

VK: Unsere erste Fassung war zwölf Stunden lang. Ich habe immer gesagt, dass der Dokumentarfilm viel stärker als der Spielfilm nach poetischen Strukturen arbeitet, oft nach Zufallsstrukturen. Dass man, wenn man so will, zwei Einstellungen hat: Jede ist die Zeile eines Gedichts – eine schöne Landschaft und das Gesicht eines Menschen – und dann fügt man das zusammen, und wenn man Glück hat, wird etwas daraus. Das habe ich auf das Material angewendet. Die Schwerpunkte verschoben sich aber immer stärker in Richtung Ukraine. Und als ich dann in Czernowitz aus dem Fenster guckte, die Sirene hörte und mit meinem Smartphone anfing, den leeren Platz zu drehen, fiel mir ein, dass ich ja schon einmal in einem Krieg war, in Kabul, wo ich auf merkwürdige Weise 1984 gelandet bin, kurz nachdem der sowjetische Einmarsch stattgefunden hatte. Da haben wir auch aus dem Hotelfenster gedreht, weil Ausgangssperre war. Dadurch, dass dieser Film zunächst nicht gezeigt werden durfte, geriet das ein bisschen aus dem Blickfeld, erst 1994 oder 1995 kam es zu einer Zusammenstellung aus dem Material.

BW: Guckst du dir die Filme dann alle noch mal ganz an?

VK: Zuerst habe ich mit einer Studentin angefangen zu schneiden, und ich musste ihr sowieso erst einmal zeigen, womit ich mich so beschäftigt habe. Also habe ich mir alle Filme angeguckt. Manche sehe ich ja immer wieder, wenn irgendwo eine Retrospektive läuft. Andere hatte ich lange nicht gesehen. Aber diesmal habe ich mir alles noch einmal angesehen. Dabei sind mir natürlich auch Verbesserungen eingefallen… Ich wollte das mit Afghanistan als Beispiel anbringen, weil sich manchmal dann so etwas ergibt – ohne dass es im Kopf oder in einem Skript war. Aber diese Haltung, diese Gesamtstruktur beim Dokumentarfilm, ist für mich eben eine poetische.

IB: Anknüpfend an Ihre poetische Arbeitsweise und die Komposition des gesamten Films: Kabul ist der einzige Ort, der aus einer anderen Region kommt. Ansonsten besteht der Film aus Material aus verschiedenen Zeiten und Material mit Ihren Protagonist*innen aus Sarmatien. Ich habe mich gefragt, wie Sie diese Auswahl der Protagonist*innen, aber auch des Materials und der einzelnen Themen vorgenommen haben. Ob Sie vielleicht auch Themen bewusst herausgenommen haben?

VK: Zum einen hat sich die Auswahl durch den Krieg auf das Ukrainische konzentriert und natürlich auf das Jüdische. Schon ’72, als ich in Wilna und Kaunas zu Bobrowskis Gedichten gedreht habe, spielte das Gemetzel an Juden in diesen Landschaften immer eine Rolle. So war es natürlich auch in der Bukowina und in Galizien. Bei Bobrowski geht es zum Beispiel in „Kaunas, 1941“ oder „Bericht“ direkt darum. Deshalb ist auch Annette Kahane Protagonistin im Film. Schon 2008, bei der Arbeit an BERLIN–STETTIN, habe ich mit ihr darüber gesprochen, wie tief diese ganze Geschichte der Nazizeit immer noch in den Dörfern zwischen Brandenburg, Mecklenburg, Pommern usw. steckte. Vor kurzem war der Auschwitz-Gedenktag. Am Ende des Films habe ich noch zwei Tafeln eingefügt, dazu, in welche Richtung wir uns wieder bewegen. Als der Film fertig war, am 2. Februar 2026, habe ich geschrieben, dass es der 1440. Tag seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine ist und dass die antisemitischen Straftaten im letzten Jahr auch in Deutschland einen Höchststand erreicht haben. Das hätte man sich auch nicht vorstellen können. In Moskau hat man manchmal blöde Witze über Juden gehört, in Polen auch. ’68 war ich als Student beim Festival in Krakau und traf Jerzy Bossak in einer Bar. Er war Jude. Da sagte einer an der Bar zu ihm: „Ab nach Treblinka mit dir.“

IB: Ihre Filme haben eine große Bedeutung für Menschen mit komplexen deutschen Familiengeschichten, für Nachkommen von Vertriebenen, für Ostdeutsche – Geschichten, die in der Nachkriegszeit nicht thematisiert wurden, tabuisiert, aber auch instrumentalisiert. Sie haben sich nicht zuletzt in GEHEN UND BLEIBEN auf sehr vielschichtige Art damit auseinandergesetzt, auch mit den Traumata von Vertriebenen und der Landbevölkerung unter sowjetischer Besatzung, ohne die Geschichte zu verklären. Ist dieser Film auch in diesem Kontext für Sie zu sehen, als eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte? Handelt dieser Film für Sie eigentlich von den Deutschen?

VK: Ja, das ist mir bei der Sichtung auch noch einmal aufgefallen. Ich habe in GEHEN UND BLEIBEN ein Gespräch aus den „Jahrestagen“ (Uwe Johnson), ob die sowjetischen Panzer in Prag einmarschieren würden. Und da wird gesagt: „Nein, die machen nur Manöver.“ Wie diese Manöver 2014 vor der Krim-Annexion. Und dann wieder ein paar Tage vor dem 24. Februar ’22. Ich wollte noch etwas sagen zu den Behauptungen, dass es den Ostdeutschen in Russland so gefallen hätte. Es waren organisierte Treffen mit der Roten Armee, von Schulklassen oder Betriebsgruppen. Ansonsten wurde nur böses Zeug über den „großen Bruder“ erzählt. Diese Allianzen, die es plötzlich gibt – das ist ganz furchtbar. Eine Form von Geschichtsvergessenheit. Das konnte man sich in den 90er-Jahren wirklich gar nicht vorstellen.

BW: Siehst du dich da in der ehemals „ostdeutschen Filmlandschaft“ allein auf weiter Flur oder hast du das Gefühl, es gibt noch andere?

VK: So viele Leute gab es ja überhaupt nicht in der DDR, die dokumentarisch im eigentlichen Sinn des Wortes gearbeitet haben. Im Bereich Dokumentarfilm fürs Kino gab es ja nur zwei, drei Gruppen – eine Handvoll Regisseure. Dabei sind bestimmte Freundschaften entstanden, die bis in die Gegenwart halten. Zum Öffnen dieses mitteleuropäischen Raums: Ich weiß noch, wie KALTE HEIMAT 1995 im Forum lief und die erste wütende Frage lautete, ob ich „dieses ganze Ostpreußen wiederhaben“ wolle. Als hätten schon die Wörter Memel oder Tilsit Revisionismus bedeutet. Und mir ist damals leider nicht eingefallen zu sagen: „Die erste Szene ist doch in dem Haus an der samländischen Ostseeküste mit Bluma und Samuel, die Hitler und Stalin überlebt haben.“ Eine Szene, die ich jetzt auch noch einmal in CHRONOS aufgegriffen habe.

Das sind auch Lebensgeschichten, und wenn man Menschen über einen Teil ihres Lebens begleiten kann, ist das ein großes Glück.

BW: Um vielleicht noch die anderen Gesprächspartnerinnen hineinzubringen: Die Gespräche haben ja eine unglaubliche Lebendigkeit und trotzdem Tiefe und führen immer auch in die Vergangenheit oder zur Geschichte zurück. Weißt du in gewisser Weise, was die Leute sagen werden? Hast du Erwartungen, wenn sie sprechen?

VK: Von Volha Hapeyeva habe ich ein Gedicht in der Zeitung gelesen und sie über ihren Verlag kontaktiert, weil mir das wichtig war und es irgendwie dazugehört hat, es aber eigentlich keine Wiederbegegnung war. Ich wollte das Gedicht, und dann haben wir uns getroffen und danach mehrmals zum Drehen, das war Zufall. Ana-Felicia Scutelincu habe ich ganz früh kennengelernt, als ich in Rumänien jemanden zum Dolmetschen suchte. Dann hat sie angefangen, in Berlin Regie zu studieren, und wir blieben in Kontakt. Tanja Kloubert aus Czernowitz lernte ich dort schon im Jahr 2000 kennen, selbst das ist ja nun schon ein Vierteljahrhundert her…Chronos, Fluss der Zeit! Das sind auch Lebensgeschichten, und wenn man Menschen über einen Teil ihres Lebens begleiten kann, ist das ein großes Glück. Ich hatte grundsätzlich mit vielen auch außerhalb von Dreharbeiten Kontakt. Aber es ist wie in jeder menschlichen Beziehung: Wenn man über lange Zeit Kontakt hält, kann man nicht immerzu gemeinsam drehen. Es muss sich auch wieder eine gewisse Spannung aufbauen, sonst wird es langweilig.

BW: Du hast bereits erwähnt, dass du mit diesem und jenem Film beim Forum warst, und wir freuen uns riesig, dass du uns treu geblieben bist und dass wir diesen wirklich epischen Film zeigen dürfen, der wie ein großer Lebensabschnittsabschluss- und gleichzeitig Wiederbelebung-von-Lebensabschnitten-Film wirkt. Deswegen werde ich die Frage, die Irina eigentlich auch stellen wollte, die du aber in gewisser Weise schon in deinem Eingangsstatement beantwortet hast, nämlich die Frage nach der Hoffnung, nach den Ausblicken und Einsichten, die der Film für dich selbst bedeutet, zurückstellen. Und weil du ja gesagt hast, die Hoffnung sei eigentlich sehr klein geworden, möchte ich dich nach einem möglichen filmischen Ausblick fragen: ob du den noch geben möchtest, was deine eigenen Jahrestage, die zukünftigen, betrifft. Ob wir noch einmal mit einem Film rechnen können – und wenn ja, ob du schon eine Ahnung hast, in welche Richtung der gehen wird.

VK: Eine Fortsetzung. Wenn jetzt etwas Schönes passiert, kann ich den Film jederzeit fortsetzen. Dann würde ich auch wieder Musik ans Ende setzen.

BW: Die bleibt jetzt ganz bewusst aus?

VK: Ja. Ich wollte dann keine. Und vielen Dank, natürlich freue ich mich auch – selbst nach Jahrzehnten Filmarbeit freut man sich wirklich dann doch immer wieder wie ein Kind, wenn jemand schreibt oder anruft und sagt, dass der Film im Forum der Berlinale gezeigt wird.

BW: Super. Dann freuen wir uns auch wie Kinder schon auf den großen Moment der Premiere, am Sonntagvormittag im Delphi.

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