Die sich über zwei Abende erstreckende Konstellation der drei unterschiedlichen Film-Erzählungen fördert sowohl geografische als auch ideologische Beziehungen nicht ohne kritische Spannung zutage, die im Bild der Landschaft, der Stadt und ihrer Architektur greifbar werden. Absicht ist es, auf diese Weise Verallgemeinerungen zu afrikanischen Realitäten zu entkräften und an ihrer Stelle das Sprechen über filmische Bilder konkreter Orte, Zeiten und Zusammenhänge zu ermöglichen. Kulminationspunkt der drei Filme ist die Stadt Addis Abeba und das Bild der Hinterlassenschaft der kurzen italienischen Kolonisierung Äthiopiens (1936–1941). Mi, 1.10., 20 Uhr, Kino Arsenal 2
zu Gast: Sandra Schäfer, Moderation: Marie-Hélène Gutberlet, Tobias Hering
APPUNTI PER UN'ORESTIADE AFRICANA (Notizen für eine afrikanische Orestie), Pier Paolo Pasolini, Italien 1969, OmU, 73 min
In seinem filmischen Notizbuch unternimmt Pasolini den Versuch, Aischylos' "Orestie" in das "moderne Afrika" zu verlegen und Parallelen zwischen der antiken Tragödie und den jungen Demokratien sichtbar zu machen: "Afrika ist am gleichen Wendepunkt seiner Geschichte angelangt wie Argos zur Zeit Orests: am Übergang von einer archaischen Zivilisation zur Demokratie." (PPP)
Wie in kaum einem anderen Film werden hier Pasolinis Themen und Idiosynkrasien transparent und auch die bisweilen blinde Leidenschaft einer "Struktur, die eine andere Struktur sein will", wie Pasolini diese Drehbuchform einmal charakterisierte. Fr, 3.10., 19.30 Uhr, Kino Arsenal 2
zu Gast: Sandra Schäfer, Moderation: Marie-Hélène Gutberlet, Tobias Hering
NOTES ON PASOLINI'S FORM OF A CITY, Sandra Schäfer, Deutschland 2013, OmE, 25 min
MIRT SOST SHI AMIT (Ernte 3000 Jahre), Haile Gerima, Äthiopien 1975, OmU, 138 min
Sandra Schäfer leiht sich von Pasolini die Vorgehensweise der filmischen Notizen, um selbst eine Skizze anhand Pasolinis APPUNTI PER UN'ORESTIADE AFRICANA zur Form der Stadt zu entwerfen. Sie re-montiert Ausschnitte aus Pasolinis Filmen, kommentiert diese und erweitert sie durch neues Material. In Pasolinis APPUNTI kritisieren afrikanische Studierende in Rom die Art und Weise, in der Pasolini das Demokratieverständnis der griechischen Orestie auf das gegenwärtige Afrika überträgt. Pasolini zeichnet die ineinander verwobenen Prozesse der Modernisierung nach und zeigt sich zunehmend enttäuscht über die Auswirkungen des globalen Kapitalismus, dem, seiner Meinung nach, radikaler als dem Faschismus in Italien die Vereinheitlichung und das Auslöschen von Unterschieden gelänge.
Haile Gerima, der 1967 in die USA emigrierte und an der UCLA in Los Angeles gemeinsam mit Charles Burnett, Julie Dash und Larry Clark studierte, drehte mit MIRT SOST SHI AMIT seinen ersten Film in Äthiopien in der Übergangsphase zwischen dem Ende des Regimes von Haile Selassie und der Machtübernahme durch Mengistu Haile Mariam. Er verwendet Szenen aus dem Alltagsleben einer Bauernfamilie und verwebt diese zu einem dichten Bild der Ausbeutung durch die herrschende Klasse. Gerima verbindet hier seine radikale, an Frantz Fanon geschulte Kritik mit einer eigenwillig virtuosen Bildsprache, welche die gesellschaftliche Situation spürbar macht, die er mit tragischen bis irrwitzigen Figuren lebendig werden lässt.
Jede Veranstaltung von It all depends wird zum Anlass genommen, ein bis zwei unabhängige AutorInnen aus dem thematischen Umfeld des Projekts einzuladen, eine Rezension zu verfassen. Daraus soll eine Sammlung kurzer Text- und Bildessays entstehen, die nicht nur die gesehenen Filme, sondern auch das Veranstaltungsformat und die konkrete Diskussion im Kino Arsenal kritisch reflektieren. Die ersten Beiträge von Brigitta Kuster und Eckhard Weber zu It all depends #2 finden Sie hier. Das Projekt "Visionary Archive" wird gefördert im Fonds TURN der www.kulturstiftung-des-bundes.de/cms/de/index.html - external-link-new-window "Opens external link in new window">Kulturstiftung des Bundes.
zu Gast: Sandra Schäfer, Moderation: Marie-Hélène Gutberlet, Tobias Hering
APPUNTI PER UN'ORESTIADE AFRICANA (Notizen für eine afrikanische Orestie), Pier Paolo Pasolini, Italien 1969, OmU, 73 min
In seinem filmischen Notizbuch unternimmt Pasolini den Versuch, Aischylos' "Orestie" in das "moderne Afrika" zu verlegen und Parallelen zwischen der antiken Tragödie und den jungen Demokratien sichtbar zu machen: "Afrika ist am gleichen Wendepunkt seiner Geschichte angelangt wie Argos zur Zeit Orests: am Übergang von einer archaischen Zivilisation zur Demokratie." (PPP)
Wie in kaum einem anderen Film werden hier Pasolinis Themen und Idiosynkrasien transparent und auch die bisweilen blinde Leidenschaft einer "Struktur, die eine andere Struktur sein will", wie Pasolini diese Drehbuchform einmal charakterisierte. Fr, 3.10., 19.30 Uhr, Kino Arsenal 2
zu Gast: Sandra Schäfer, Moderation: Marie-Hélène Gutberlet, Tobias Hering
NOTES ON PASOLINI'S FORM OF A CITY, Sandra Schäfer, Deutschland 2013, OmE, 25 min
MIRT SOST SHI AMIT (Ernte 3000 Jahre), Haile Gerima, Äthiopien 1975, OmU, 138 min
Sandra Schäfer leiht sich von Pasolini die Vorgehensweise der filmischen Notizen, um selbst eine Skizze anhand Pasolinis APPUNTI PER UN'ORESTIADE AFRICANA zur Form der Stadt zu entwerfen. Sie re-montiert Ausschnitte aus Pasolinis Filmen, kommentiert diese und erweitert sie durch neues Material. In Pasolinis APPUNTI kritisieren afrikanische Studierende in Rom die Art und Weise, in der Pasolini das Demokratieverständnis der griechischen Orestie auf das gegenwärtige Afrika überträgt. Pasolini zeichnet die ineinander verwobenen Prozesse der Modernisierung nach und zeigt sich zunehmend enttäuscht über die Auswirkungen des globalen Kapitalismus, dem, seiner Meinung nach, radikaler als dem Faschismus in Italien die Vereinheitlichung und das Auslöschen von Unterschieden gelänge.
Haile Gerima, der 1967 in die USA emigrierte und an der UCLA in Los Angeles gemeinsam mit Charles Burnett, Julie Dash und Larry Clark studierte, drehte mit MIRT SOST SHI AMIT seinen ersten Film in Äthiopien in der Übergangsphase zwischen dem Ende des Regimes von Haile Selassie und der Machtübernahme durch Mengistu Haile Mariam. Er verwendet Szenen aus dem Alltagsleben einer Bauernfamilie und verwebt diese zu einem dichten Bild der Ausbeutung durch die herrschende Klasse. Gerima verbindet hier seine radikale, an Frantz Fanon geschulte Kritik mit einer eigenwillig virtuosen Bildsprache, welche die gesellschaftliche Situation spürbar macht, die er mit tragischen bis irrwitzigen Figuren lebendig werden lässt.
Jede Veranstaltung von It all depends wird zum Anlass genommen, ein bis zwei unabhängige AutorInnen aus dem thematischen Umfeld des Projekts einzuladen, eine Rezension zu verfassen. Daraus soll eine Sammlung kurzer Text- und Bildessays entstehen, die nicht nur die gesehenen Filme, sondern auch das Veranstaltungsformat und die konkrete Diskussion im Kino Arsenal kritisch reflektieren. Die ersten Beiträge von Brigitta Kuster und Eckhard Weber zu It all depends #2 finden Sie hier. Das Projekt "Visionary Archive" wird gefördert im Fonds TURN der www.kulturstiftung-des-bundes.de/cms/de/index.html - external-link-new-window "Opens external link in new window">Kulturstiftung des Bundes.

