Februar 2020, berlinale forum

O.K. im Forum-Jubiläumsprogramm

Friedrich von Thun, Eva Mattes und Hartmut Becker in O.K. von Michael Verhoeven

1970 spaltete der deutsche Wettbewerbsbeitrag die Berlinale: der von Michael Verhoeven inszenierte und von Rob Houwer produzierte Schwarzweißfilm O.K. Die meisten Juror*innen nahmen ihn als antiamerikanisch wahr. Eine heftige Kontroverse entbrannte, und die Berlinale endete ohne Bären-Vergabe. Als offizieller Abschlussfilm im Jubiläumsprogramm des Berlinale Forums kehrt O.K. nun 2020 zurück nach Berlin.

Die Unruhen der späten 1960er Jahre griffen auch auf Filmfestivals über. Beim Experimentalfilmfestival Knokke protestierten 1967 deutsche Filmstudent*innen rund um Harun Farocki. In Cannes wurde das Festival 1968 abgebrochen, nachdem Jean-Luc Godard und seine Mitstreiter das Festivalpalais besetzt hatten. In Venedig sprengten Studierende im selben Jahr die Eröffnungsgala. In Berlin kam es 1970 zum Eklat, als die meisten Juror*innen rund um den Jury-Präsidenten George Stevens den von Rob Houwer produzierten und von Michael Verhoeven inszenierten offiziellen deutschen Spielfilmbeitrag O.K. antiamerikanisch fanden. Sie forderten die Auswahlkommission auf, ihn aus dem Wettbewerb zurückzuziehen. Ein Jury-Mitglied protestierte dagegen: Dušan Makavejev machte sich für O.K. stark und unterstützte Rob Houwer und Michael Verhoeven. Das Festival kam zum Stillstand. Die Berlinale ging ohne Bären-Verleihung zu Ende. Im Folgejahr kam es zu Neuerungen. Eine davon war die Gründung des Internationalen Forums des Jungen Films, einer unabhängigen Sektion in Regie der Freunde der Deutschen Kinemathek (heute Arsenal – Institut für Film und Videokunst).

O.K. spielt Ostern 1966 und verlegt den Vietnamkrieg in den Bayerischen Wald. Den Plot rahmen Verfremdungseffekte: Man schaut den Schauspier*innen zu, wie sie in ihre Rollen hinein- und aus ihnen hinausschlüpfen. Als Eva Mattes in der Rolle Phan Ti Mao an einem gerodeten Waldstück vorbeiradelt, kommen die GIs auf eine brutale Idee. Der Film lehnt sich an ein tatsächlich verübtes Kriegsverbrechen an. Das Berlinale Forum präsentiert die Erstaufführung der vom Filmmuseum München restaurierten und digitalisierten Fassung von O.K.