Direkt zum Seiteninhalt springen

In den letzten zwei von der Pandemie bestimmten Jahren waren eine Vielzahl von Filmen nur selten im Kino oder auf Festivals zu sehen. Aus diesem Grund und anlässlich des Kinostarts von James Bennings The United States of America (am 26. Mai 2022), der beim diesjährigen Berlinale Forum seine Premiere feierte, richten wir unseren Blick auf unserer Streamingplattform arsenal 3 auf Filme aus unserem Verleihprogramm der letzten beiden Jahre, die Parallelwelten zeigen und pandemiebedingt selbst in einer Art unsichtbarer Parallelwelt verschwunden sind.

MAGGIE’S FARM (USA 2000) von James Benning entfaltet das Porträt einer Kunstinstitution als filmische Landschaft: In einer Reihe statischer Einstellungen erkundet James Benning die Gebäude und das Terrain des California Institute of the Arts, an dem er unterrichtet. Eine Serie von Naturaufnahmen der Park- und Waldflächen geht über in Aufnahmen von Fußböden, Sitzgelegenheiten, Details des Nicht-Repräsentativen eines öffentlichen Gebäudes. In beiden Teilen herrscht ein unheimliches Gefühl vor: Die Geometrien der Natur, die dunklen Grün- und Brauntöne, das Rauschen des Highways im Hintergrund auf der einen, das Surren von Halogenlampen, die Schrittgeräusche in einer sonst scheinbar menschenleeren Schule im Off auf der anderen Seite scheinen ein Geheimnis zu bergen. Fast immer ist der Blick eingesperrt, selten dringt er in die Tiefe vor.

2008 und 2009 fuhr Clarissa Thieme durch Bosnien-Herzegowina und stellte ihre Kamera an Orten auf, an denen in den 90er Jahren Kriegsverbrechen stattfanden. So entstand der Kurzfilm WAS BLEIBT I ŠTA OSTAJE I WHAT REMAINS (Forum Expanded 2010). In ihrem Film WAS BLEIBT I ŠTA OSTAJE I WHAT REMAINS / RE-VISITED (Deutschland/Österreich/Bosnien und Herzegowina 2020), der 2020 im Rahmen des Berlinale Forum präsentiert wurde, fährt die Künstlerin erneut an diese Orte, stellt die Kamera an genau denselben Stellen auf. In einem performativen Akt tragen zwei Frauen ein Still aus dem ersten Film ins Bild. Ein so einfaches wie raffiniertes Verfahren, das Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen 2009 und 2019 erkennbar werden lässt. Zugleich weckt das Poster die Neugier der Passant*innen; sie verwickeln die Regisseurin und deren Begleiter*innen in Gespräche. Außerdem eröffnet die Performance eine Art Spiel: Was kann man sehen, wenn das Bild aus der Vergangenheit den Blick auf die Gegenwart verstellt oder diesen Blick nur an den Rändern freigibt? En passant weitet sich der Film dabei zu einer Reflexion der Frage, welche sichtbaren und unsichtbaren Spuren eine gewalttätige Vergangenheit in der Landschaft und in den Erinnerungen der Menschen hinterlässt.

Das Programm wird von zwei Filmen komplementiert, die 2021 bei Forum Expanded zu sehen waren: Pablo Álvarez Mesas BICENTENARIO (Kolumbien/Kanada 2020) und Moritz Sieberts ZAHLVATERSCHAFT (Deutschland 2020). Zum 200. Jahrestag von Simón Bolívars Befreiungszug durch Kolumbien untersucht BICENTENARIO das Erbe des Befreiers und dessen weitreichende Auswirkungen. Sein Andenken wird durch eine Vielzahl bewusster und unbewusster Erinnerungsrituale am Leben gehalten. In eben jenen Landschaften, die Zeugen der Schlachten wurden, wird Bolívars Geist beschworen. So enthüllt der Film die zeitgenössischen sozialen Riten, die die andauernde Gewalt fortschreiben, welche in den Tiefen des sozialen und politischen Unbewussten verankert ist.

ZAHLVATERSCHAFT porträtiert Gerson Liebl, Enkel eines deutschen Kolonialbeamten aus Togo, der seit 30 Jahren für den Erhalt der deutschen Staatsangehörigkeit und ein Aufenthaltsrecht in Deutschland kämpft. Als letztes Mittel greift er zum Hungerstreik. Die Bilder seines unbeirrbaren Ausharrens vor dem Berliner Roten Rathaus werden auf der Tonspur begleitet von Aussagen, Zeugnissen, Paragraphen, Gesetzestexten, politischen Standpunkten und Ausflüchten – damals und heute.

zu arsenal 3

Gefördert durch:

  • Logo des BKM (Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien)
  • Logo des Programms NeuStart Kultur