Filipa César

Quantum Creole
Deutschland, Frankreich, Portugal, Spanien 2020

silent green Betonhalle
20.02.–01.03. täglich 11:00–21:00, außer 27.02. 11:00–17:00
03.–22.03. Di-So 14:00–19:00

1-Kanal-Videoinstallation, 40 Min. Guinea-bissauisches Kreol, Portugiesisch, Deutsch, Englisch, Französisch.

Am Anfang war das Weben und die Übertragung seines Wirkens, ein Fluch der Sterblichkeit – mit diesen fabelhaften Worten des Papelwebers Zé Interpretador endet Quantum Creole.
Die für den Webstuhl konzipierte Lochkartentechnik war grundlegend für die Entwicklung des Computers. Der Binärcode ist somit dem Akt des Webens näher als dem des Schreibens. Quantum Creole ist eine kollektive Recherche zur Kreolisierung und deren historischen, ontologischen und kulturellen Kräften. In Anlehnung an die kleinste physikalische Einheit in jeder Interaktion – das Quant – nutzt der Film verschiedene Formen der Bildgebung, um das subversive Potential des Webens als kreolischen Code zu lesen. Die westafrikanischen Kreol*innen webten verschlüsselte Widerstandsbotschaften in Textilien ein und stellten sich damit gegen die Sprachen und Technologien der Kolonialist*innen. Heute manifestiert sich das Gesicht der Kolonialisierung als digitales Bild: Die neue Terra Nullius ist eine ultraliberale Freihandelszone auf dem guinea-bissauischen Bissagos-Archipel. Sie markiert die Fortsetzung der Gewalt, die dort vor Jahrhunderten mit der Schaffung von Sklavenhandelsposten ausbrach, als der Ort noch Rivers of Guinea und Kap Verde genannt wurde.

Filipa César, geboren 1975 in Porto, Portugal, ist Künstlerin und Filmemacherin und interessiert sich für das Fiktionale des Dokumentarischen und die dem bewegten Bild innewohnenden Politiken und Poetiken. Césars 2011 begonnenes Recherche zu den Vorstellungswelten der guinea-bissauischen Befreiungsbewegung und ihrer kognitiven Potentiale entwickelte sie zu dem Kollektivprojekt „Luta ca caba inda (The struggle is not over yet)“. Ihre Arbeit wurde international auf Festivals und Biennalen sowie in Ausstellungen präsentiert. Ihre Kurzfilme Cuba und Transmission from the Liberated Zones liefen 2013 und 2016 im Programm des Forum Expanded und 2017 hatte ihr Essayfilm SPELL REEL im Berlinale Forum Premiere. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Produktion Olivier Marboeuf, Filipa César, Michel Balagué. Produktionsfirmen Filipa César (Berlin, Deutschland), Spectre Productions (Rennes, Frankreich), Volte Films (Berlin, Deutschland). Regie Filipa César. Buch Diana McCarty. Kamera Matthias Biber, Filipa César, Jenny Lou Ziegel. Montage Filipa César. Sound Design Jin Mustafa. Ton Gabor Ripli. Production Design Filipa César. Szenografie "Architextile n.2" Lorenzo Sandoval. Regieassistenz Alima de Graaf. Production Manager Michel Balagué. Ausführende*r Produzent*in Olivier Marboeuf. Mit Joana Barrios, Diana McCarty, Filipa César, Wendy Hui Kyong Chun, Chico Indi, Zé Interpretador, Muhammed Lamin Jadama, Olivier Marboeuf, Saliha Podingo von Medem, Marinho de Pina, Odete da Costa Semedo, Fátima Silva, Nelly Yaa Pinkrah, Rampa, Sadjo Sambu, Mark Waschke.

Filme

2007: Rapport (16 Min.), Allee der Kosmonauten (8 Min.). 2008: Le passeur (34 Min.). 2009: The Four Chambered Heart (29 Min.). 2010: Insert (10 Min.), Memograma (40 Min.), Porto, 1975 (10 Min.). 2011: The Embassy (7 Min.). 2012: Cuba (10 Min., Forum Expanded 2013), Cacheu (10 Min.). 2013: Conakry (10 Min.). 2014: Mined Soil (32 Min.). 2015: Transmission from the Liberated Zones (30 Min., Forum Expanded 2016). 2017: Spell Reel (96 Min., Forum 2017). 2020: Quantum Creole.

Foto: © Filipa César/Spectre Productions/Volte Films