März 2009, kino arsenal

Klassiker nicht nur für Kinder

DER ROTE BALLON, 1956

Eine Tasche fällt vom Himmel, darin: MILLIONS (Danny Boyle, GB 2004, 7. & 8.3.). Was wie der Einbruch des Märchenhaften in die geordnete Neubausiedlung in Liverpool klingt, in der Damian, sein Bruder Anthony und ihr Vater nach dem Tod der Mutter leben, entpuppt sich als die Fortsetzung der Fantasie mit kapitalistischen Mitteln. Denn Damians Welt ist bereits bevölkert von fantastischen Helden – Heiligen. Anthony nennt ihn deshalb weirdo und votiert für nüchterne Investitionen der Millionen. Damian hingegen will es seinen heiligen Vorbildern nachtun und das Geld unter den Armen aufteilen: Mittels Feldstudie gilt es, die Bedürftigen in der Nachbarschaft zu ermitteln. Boyle entwirft poetisch-skurrile Bilder, die vom Glauben an die Fantasie, nicht ohne satirische Einlagen, erzählen.

Boyles knallbuntem Suburbia steht das triste Grau Montmartres in DER ROTE BALLON (Ballon Rouge, Albert Lamorisse, F 1956, 14. & 15.3.) gegenüber – eine uniformierte Welt kleiner Erwachsener. Doch dann findet Pascal den roten Ballon, der sich als anthropomorpher Spielge fährte erweist. Schließlich fällt er einer Steinschleuder zum Opfer – atemlos sinkt er zu Boden. Doch da reißen sich alle Luftballons von Paris los, umringen Pascal und erfüllen das Bild mit Farbe.

In Rob Reiners STAND BY ME (USA 1986, 21. & 22.3.) ist das Ereignis, welches die Kindheit der Protagonisten durchbricht, zunächst ein Gerücht: die Leiche eines vermissten Jungen läge in dem Wald unweit der Heimatstadt von Gordie, Teddy, Chris und Vern. Der tote Körper birgt für sie ein paradoxes Versprechen: Ihn als erste zu finden, würde sie von Außenseitern zu Helden machen. Nach der Begegnung mit der Realität des Todes gehen sie jedoch schweigend nach Hause. Reiner zielt in der Inszenierung nicht auf Schockmomente: Eingebettet in eine Rückblende erzählt er vom Ende der Kindheit und dem Beginn der Wehmut darüber.