April 2013, kino arsenal

FilmPolska: Kamerakunst

SANATORIUM POD KLEPSYDRĄ, 1973

Seit acht Jahren widmet FilmPolska, das größte polnische Filmfestival Deutschlands, der Kunst der Kameraführung einen besonderen Festival-Schwerpunkt. In diesem Zusammenhang konnten wir bereits Kameragrößen wie Sławomir Idziak, Bogdan Dziworski, Artur Reinhardt, Wojtek Staroń und Paweł Edelman im Arsenal begrüßen. In diesem Jahr präsentiert das Festival nicht nur herausragende, international renommierte Kameraautoren, sondern zugleich auch ein Phänomen: das der "Kameramann-Familie" Sobociński. Wir freuen uns sehr, vom 19.-23. April einen der wichtigsten polnischen DOPs, Witold Sobociński (*1929), und seinen Enkel, den Regisseur und Kameramann Piotr Sobociński (*1983) im Arsenal als Gäste zu begrüßen, die jeweils eigene Filme und einen Film des 2001 verstorbenen Piotr Sobociński (*1958) vorstellen werden.

SANATORIUM POD KLEPSYDRĄ (Das Sanatorium zur Todesanzeige, Wojciech Jerzy Has, Polen 1973, Kamera: Witold Sobociński, 19.4., zu Gast: Witold Sobociński) Joseph reist in ein Sanatorium: Hier ist vor kurzem sein Vater verstorben. Es ist ein Ort zwischen Leben und Tod, ein Labyrinth aus Raum und Zeit, in dem sich Joseph langsam verliert. Das philosophische Zentrum dieser atmosphärisch dichten Verfilmung des gleichnamigen Erzählbandes von Bruno Schulz bildet die Kluft zwischen individueller und kollektiver Erinnerung und das Thema des Todes. Die überbordende Fantasie der Bilder und die surreale Erzählweise machen den melancholischen Film zu einem Meilenstein der Filmgeschichte.

ROZA (Rose, Wojciech Smarzowski, Polen 2011, Kamera: Piotr Sobociński jr., 20.4., zu Gast: Piotr Sobociński) Unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkriegs verschlägt es Tadeusz, einen ehemaligen Offizier der polnischen Heimatarmee, der den Warschauer Aufstand überlebt hat, in die trostlose, durch den Krieg zerstörte masurische Landschaft. Er ist auf der Suche nach Róża, der Witwe eines deutschen Soldaten, dessen Tod er miterleben musste. Als er sie findet, blitzt die Möglichkeit einer besseren Zukunft auf. Doch die Nachkriegszeit ist von Rechtlosigkeit und Rache geprägt.

WESELE (Die Hochzeit, Andrzej Wajda, Polen 1973, Kamera: Witold Sobociński, 22.4., zu Gast: Witold Sobociński) Um die Jahrhundertwende heiratet ein Dichter die Tochter eines reichen Bauern. Zu ihrer Hochzeit kommen Vertreter aller Gesellschaftsschichten zusammen: Adlige, Intellektuelle, Gutsbesitzer, Bauern, Geistliche, jüdische Bürger. In die ausgelassene Feier mischen sich Geister und Visionen, heroische Gestalten und Schlüsselereignisse der polnischen Geschichte. Mit satirischer Schärfe fächert -Wajda die nationalen Mythen Polens auf und verwebt sie in einen entfesselten Rausch, dynamisch umgesetzt von Kameramann Witold So-bociński.

TWILIGHT (Im Zwielicht, Robert Benton, USA 1998, Kamera: Piotr Sobociński Senior, 23.4., zu Gast: Witold und Piotr Sobociński) Die melancholisch-lakonische Hommage an den Film noir kreist um einen alternden Ex-Polizisten (Paul Newman), der über einen vermeintlich harmlosen Auftrag in einen Mordfall gerät. Großartige Schauspieler wie Newman, Susan Sarandon, Gene Hackman und James Garner illuminieren den Film mit ihrer schillernden, Emotionen tendenziell unterspielenden Darstellungsweise, die Piotr Sobociński Senior in einer seiner letzten Kameraarbeiten gekonnt kadriert.

Ein Projekt des Polnischen Instituts Berlin mit Unterstützung des Polnischen Filminstituts (PISF), der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und des Adam-Mickiewicz-Instituts.