März 2007, kino arsenal

Norman McLaren

LE MERLE, 1958

Norman McLaren ist eine der zentralen Persönlichkeiten und wichtigsten Pioniere des Animationsfilms. 1914 in Schottland geboren, begeisterte McLaren sich schon während seines Kunststudiums in Glasgow für die Filme von Sergej Eisenstein und Oskar Fischinger. Er gründete eine Filmgruppe an der Universität und begann 1934 eigene Filme zu machen, die beim Scottish Amateur Film Festival Preise gewannen. Dort wurde auch John Grierson auf den jungen Künstler aufmerksam und bot ihm einen Job bei der General Post Office Film Unit in London an, wo McLaren Trick- und Werbefilme drehte. Aufgrund des Kriegsausbruchs in Europa siedelte er 1939 in die USA über. Von dort ging er 1941 auf Einladung von John Grierson nach Kanada, wo er beim National Film Board of Canada die Animationsfilmabteilung aufbaute. McLaren blieb dem National Film Board zeitlebens verbunden und wurde eine immens wichtige Inspirationsquelle für zahlreiche – nicht nur kanadische – Filmemacher. An die 60 Filme schuf McLaren, die meisten davon ohne Kamera. Eine nie nachlassende Neugier auf die Möglichkeiten des Filmemachens zeichnet McLarens Werk aus. Seine ersten abstrakten Filme entstanden, indem er Blankfilm mit verschiedenen Farben einfärbte. In der Folge experimentierte er damit, direkt auf den Filmstreifen zu kratzen und in verschiedenen Techniken zu malen und zeichnen. Mit der von ihm geprägten Technik der Pixilation werden lebende Darsteller in Einzelbildschaltung animiert, was eine ruckelige und zapplige Bewegung zur Folge hat. Sein Oscar-prämierter Film NEIGHBOURS entstand mittels dieses Verfahrens. Vom abstrakten, gezeichneten Film bis zum Realfilm schuf er in allen Richtungen außergewöhnliche Werke, die sich oft durch Reduktion und einfachste Mittel auszeichnen und mit optischen und rhythmischen Effekten bestechen. Tanz, Musik und Malerei gehören zu McLarens Interesse, die er in seinen Filmen zusammenführte. Sein Tanzfilm PAS DE DEUX ist eine Bewegungsstudie, in der mehrere Phasen einer Bewegung auf jedem einzelnen Bild sind. Anfang der 1940er Jahre entwickelte McLaren die Idee des direkten synthetischen Tons, der auf die Tonspur gezeichnet wird. Zudem schuf er brillante Verbindungen zwischen Bild und Ton. In vielen Filmen beziehen sie sich unmittelbar aufeinander: das Bild generiert den Ton und umgekehrt. Der Zuschauer hört das Bild und sieht den Ton. Das National Film Board of Canada schickt aus Anlass des 65-jährigen Bestehens seines Animationsstudios, das von McLaren gegründet wurde, eine Retrospektive von McLaren um die Welt. Dabei wird umfassend das Gesamtwerk McLarens in all seinen Schaffensperioden gewürdigt. Das Programm beinhaltet auch zahlreiche Probeaufnahmen und unvollendete Filme. Kindern bieten wir in zwei Workshops die Gelegenheit, sich auf Filmmaterial auszuprobieren und die Welt des animierten Films zu erkunden. Unter Anleitung der Filmemacherin Ute Aurand können Kinder mit filmischen Techniken experimentieren, auf Filmstreifen kratzen und malen und einfache Animationsfilme drehen. Anschließend können die selbst gemachten Filme im Kino auf der großen Leinwand gesehen werden. Die zwei Workshops finden am Samstag, den 17. und Sonntag, den 18. März von 15 bis 18 Uhr statt und richten sich an Kinder ab sechs Jahren. Wir bitten um Voranmeldung unter 269 55 100.

Programm 1 – The Best of Norman McLaren (1. & 4.3.)
In NORMAN MCLARENS OPENING SPEECH (Kanada 1961) wird McLaren von einem Mikrofon mit eigenem Willen an einer Rede gehindert. "Ich wurde zum Ehrenpräsidenten des Internationalen Filmfestivals in Montréal ernannt. Natürlich wurde ich gebeten, eine Eröffnungsrede zu halten. Ich hasse Reden." (Norman McLaren) STARS AND STRIPES (USA 1940) wurde direkt auf den Filmstreifen gemalt und gezeichnet. Zu Marschmusik bewegen sich Sterne und Streifen in akrobatischer Weise. In HEN HOP (Kanada 1942) animierte McLaren eine tanzende Henne. "Zu dieser Zeit mochte ich Hühner sehr gerne. Ich fand sie dumm, nicht hübsch, aber komisch. Um diesen Film zu machen, habe ich einen Hühnerstall besucht und den ganzen Tag in Gesellschaft der Hühner gezeichnet. Am Ende glaubte ich die Hühner verstanden zu haben." (McLaren) Eine Illustrierung von Musik – einem Jazzstück des Oscar Peterson Trios – in bewegten Linien, Farben und Formen ist BEGONE DULL CARE (Evelyn Lambart & Norman McLaren, Kanada 1949). In A CHAIRY TALE (Claude Jutra & Norman McLaren, Kanada 1957) wehrt ein Stuhl sich beharrlich dagegen, dass ein junger Mann sich auf ihn setzt, der daraufhin ein komisches pas de deux mit dem Stuhl beginnt. In LINES HORIZONTAL (Evelyn Lambart & Norman McLaren, Kanada 1962) bewegen sich direkt auf den Filmstreifen aufgetragene Linien gegen einen Hintergrund von wechselnden Farben und zu der Musik von Pete Seeger. Zur Vollendung gebracht hat McLaren seine rhythmisch bewegten Ton-Bild-Collagen in BLINKITY BLANK (Kanada 1955). In LE MERLE (Kanada 1958) wird ein Vogel zu einem franko-kanadischen Nonsense-Lied animiert. In der amüsanten Antikriegs-Parabel NEIGHBOURS (Kanada 1952) benutzt Norman McLaren die von ihm erfundene Pixiliation-Technik, bei der echte Akteure im Einzelbildverfahren aufgenommen werden. Musik, die man sehen kann, und Bilder, die man hört: SYNCHROMY (Kanada 1971) synchronisiert Ton und Bild. In PAS DE DEUX (Kanada 1968) werden Aufnahmen zweier Tänzer bis zu zehnmal auf dem gleichem Bild belichtet, so dass sich die Bewegung schwebend entfaltet.

Programm 2 – Beginnings (2. & 8.3.)
McLarens erste Filme, die er als Student in Glasgow, in der General Post Office Film Unit in London und in den USA drehte, wo Hilla von Rebay ihm Aufträge für das Museum of Non-Objective Art (später Guggenheim-Musuem) gab.
BEGINNINGS (Éric Barbeau, Kanada 2005)
7 TILL 5 (GB 1933)
CAMERA MAKES WHOOPEE (GB 1935)
POLYCHROME FANTASY (GB 1935)
BOOK BARGAIN (GB 1937)
MONY A PICKLE (GB 1938)
THE OBEDIENT FLAME (GB 1939)
LOVE ON THE WING (GB 1938)
JULY 4TH, 1941 (Norman McLaren & Guy Glover, Kanada 1941)
STARS AND STRIPES (USA 1940)

Programm 3 – The Art of Motion (3. & 7.3.)
"What happens between each frame is more important than what happens in each frame." (Norman McLaren) Bewegung war für McLaren das grundlegende Merkmal von Filmen. Seine gekratzten und gemalten Filme demonstrieren in ihrer Dynamik sein einzigartiges Gespür für Bewegung. MOSAIC (Evelyn Lambart & Norman McLaren, Kanada 1965) ist Op-Art in Film, ein einzelner Punkt, der sich vermehrt und ein farbiges Mosaik bildet. SPOOK SPORT (Mary-Ellen Bute & Norman McLaren, USA 1940) ist eine expressionistische Interpretation von "Danse macabre" von Camille Saint-Saëns. MAIL EARLY (Kanada 1941) war ein Werbefilm für die kanadische Post. NEW YORK LIGHTBOARD RECORD (Kanada 1961) zeigt Passanten beim Betrachten von McLarens Lightboard-Animation auf dem Times Square.
THE ART OF MOTION (Eric Barbeau, Kanada 2005)
BEGONE DULL CARE (Evelyn Lambart & Norman McLaren, Kanada 1949)
LINES VERTICAL (Evelyn Lambart & Norman McLaren, Kanada 1960)
LINES HORIZONTAL (Evelyn Lambart & Norman McLaren, Kanada 1962)
MAKING OF MOSAIC (Evelyn Lambart & Norman McLaren, Kanada 2004)
MOSAIC (Test) (Evelyn Lambart & Norman McLaren, Kanada 1965)
SPOOK SPORT (Mary-Ellen Bute & Norman McLaren, USA 1940)
FIDDLE-DE-DEE (Kanada 1947)
LE MERLE (Kanada 1958)
LE MERLE (Test und Muster) (Kanada 1948)
HOPPITY POP (Kanada 1946)
MAIL EARLY (Kanada 1941)
MAIL EARLY FOR CHRISTMAS (Kanada 1959)
CHAPLIN TEST (Kanada 1940er)
NEW YORK LIGHTBOARD RECORD (Kanada 1961)
BIRDLINGS (Test) Kanada 1967)
SHORT AND SUITE (Kanada 1959)

Programm 4 – War and Peace (5. & 10.3.)
Neben den Filmen, die McLaren zur Unterstützung der Kriegsbemühungen im 2. WK drehte, war das Thema des Konflikts auch in anderen Filmen sichtbar, vor allem in A CHAIRY TALE und NEIGHBOURS.
WAR AND PEACE (Éric Barbeau, Kanada 2005)
NEWS FOR THE NAVY (GB 1937-38)
HELL UNLIMITED (Helen Biggar & Norman McLaren, GB 1936)
SNAKES (unvollendet) Kanada ca. 1943)
KEEP YOUR MOUTH SHUT (Kanada 1944)
THE WOOK (Kanada 1944)
V FOR VICTORY (Kanada 1941)
5 FOR 4 (Kanada 1942)
DOLLAR DANCE (Kanada 1943)
A CHAIRY TALE (Test und Muster) (Claude Jutra & Norman McLaren, Kanada 1956-57)
A CHAIRY TALE (Claude Jutra & Norman McLaren, Kanada 1957)
A CHAIRY TALE (Versuch für die letzte Sequenz) (Claude Jutra & Norman McLaren, Kanada 1956-57)
NEIGHBOURS (Kanada 1952)

Programm 5 – Painting with Light (6. & 11.3.)
Die Filme die McLaren mit Pastell und Kreide schuf, weisen bemerkenswerte Lichteffekte auf, manchmal nur durch leichte Veränderung im Hintergrund erzeugt. In anderen Filmen wie BLINKITY BLANK erinnert seine Arbeit mit Licht eher an Feuerwerke.
PAINTING WITH LIGHT (Éric Barbeau, Kanada 2005)
LA POULETTE GRISE (Kanada 1947)
LA POULETTE GRISE (TEST) Kanada 1947)
LÀ-HAUT SUR CES MONTAGNES (Kanada 1945)
LÀ-HAUT SUR CES MONTAGNES (Test) (Kanada 1944)
MCLAREN AT PLAY (Test) (Kanada 1940er)
SPHERES (René Jodoin & Norman McLaren, Kanada 1969)
BLURR TEST (Kanada 1956-57)
THE FLICKER FILM (unvollendet) (Kanada 1961)
SERENAL (Kanada 1959)
PINSCREEN TESTS (Kanada 1961)
THE SEASONS (unvollendet) (Kanada 1966)
THE CORRIDOR (Kanada 1950er)
LITTLE NEGRO (unvollendet) (Kanada 1940er)
C'EST L'AVIRON (Kanada 1944)
BOUNCE FILM (Test) (Kanada ca. 1960)
DOORS (unvollendet) (Kanada 1950er)
BLINKITY BLANK (Kanada 1955)

Programm 6 – Surrealism (9. & 14.3.)
McLaren war stark vom Surrealismus geprägt. In den 1930ern entdeckte er Emile Cohls Fantasmagorie and A Night on Bald Mountain von Alexandre Alexeieff and Claire Parker. Ebenfalls beeinflusst wurde er durch den französischen surrealistischen Maler Yves Tanguy und entdeckte eine surrealistische Ästhetik für sich. A PHANTASY (Kanada 1952) zeigt eine in Pastell gezeichnete traumähnliche Landschaft, in der unbelebte Objekte zu tanzen beginnen. BOOGIE-DOODLE (USA 1940) besteht aus Boogie, komponiert vom Jazzmusiker Albert Ammons, und aus Doodle (zu Deutsch: Gekritzel), das von McLaren stammt.
SURREALISM (Éric Barbeau, Kanada 2005)
A LITTLE PHANTASY ON A NINTEENTH CENTURY PAINTING (Kanada 1946)
A PHANTASY (Kanada 1952)
ESSAI DE PAYSAGE À LA TANGUY (Test) (Kanada 1944)
PEN DRAWINGS (Test) (Kanada 1940er)
THE HEAD TEST (unvollendet) (Kanada 1944)
SERENAL (Kanada 1959)
THE HYPNOSIS FILM (Test) (Kanada 1960er)
BEGONE DULL CARE (Evelyn Lambart & Norman McLaren) (Kanada 1949)
LOVE ON THE WING (GB 1938)
SURREALISTIC HAND DRAWINGS (unvollendet) (GB 1939-45)
HEN HOP (Kanada 1942)
BOOGIE-DOODLE (USA 1940)
FIDDLE-DE-DEE (Kanada 1947)
DOTS (USA 1940)
SCHERZO (USA 1939)
LOOPS (USA 1940)
NBC VALENTINE GREETING (USA 1939)
SHORT AND SUITE (Kanada 1959)

Programm 7 – The Musician Animator (12. & 16.3.)
McLaren war nicht nur wegweisend, was die Verbindung von Musik und Bild anbelangte, er gehörte auch zu den Pionieren der elektronischen Musik, experimentierte mit synthetischem Ton und trug die Tonspur direkt auf den Filmstreifen auf. Dazu malte er den Ton entweder auf den Blankfilm, kratzte ihn auf den Schwarzfilm oder fotografierte ihn auf Film. In PEN POINT PERCUSSION (Kanada 1951) erklärt McLaren diese Verfahren. KOREAN ALPHABET (Kim In Tae, Kanada 1967) ist ein Film eines jungen koreanischen Filmemachers, der in bunten Bildern koreanischen Kindern das Alphabet beibringen soll. Die Tonspur ist von McLaren.
THE ANIMATOR AS MUSICIAN (Éric Barbeau, Kanada 2005)
WORKSHOP EXPERIMENTS IN ANIMATED SOUND (Test) (Kanada 1957)
LOOPS (USA 1940)
PEN POINT PERCUSSION (Kanada 1951)
NEIGHBOURS (Kanada 1952)
ANIMATED SOUND TEST (Kanada 1940-1950)
LE MERLE REHEARSES (unvollendet) (Kanada 1950er)
CANON (Grant Munro & Norman McLaren, Kanada 1964)
KOREAN ALPHABET (Kim In Tae, Kanada 1967)
SYNTHETIC MUSIC EXPERIMENTS (Audio Test) (Kanada 1950er)
MOSAIC (Evelyn Lambart & Norman McLaren, Kanada 1965)
TEST A FOR SYNCHROMY (Kanada 1960er)
TEST B FOR SYNCHROMY (Kanada 1960er)
SYNCHROMY (Kanada 1971)

Programm 8 – The Dancer (13. & 17.3.)
Die Leidenschaft an der Bewegung führte McLaren zum Tanz. Viele seiner abstrakten Filme mit ihren animierten Figuren sind Tänzen nachempfunden, auch sein bewegtes Bestiarum von Hühnern und anderen Vögeln. Daneben stehen Filme mit Balletttänzern.
DANCE (Éric Barbeau, Kanada 2005)
HEN HOP (Kanada 1942)
A SUMMER DAY IN OTTAWA IN 1949… (Test) (Kanada 1949)
TWO BAGATELLES (Grant Munro & Norman McLaren, Kanada 1952)
ON THE FARM (Test) (Kanada 1951)
CAPRICE DE NOËL (Gerald Potterton & Grant Munro & Jeff Hale & Norman McLaren, Kanada 1963)
BALLET ADAGIO (Kanada 1972)
NARCISSUS (Test) (Kanada 1973-75)
NARCISSUS (Kanada 1983)
PAS DE DEUX (Test) (Kanada 1965-67)
PAS DE DEUX (Kanada 1968)

Programm 9 – Cut-Outs (15. & 20.3.)
Die Ausschneidetechnik war während der ersten Zeit am NFB wegen ihrer einfachen und kostengünstigen Art beliebt. McLaren war vom geometrischen Stil und der grafischen Einfachkeit dieser Technik fasziniert. Mit Grant Munro produzierte er eine fünfteilige Serie ANIMATED MOTION, die eine Einführung in die wichtigsten Techniken der Filmanimation darstellt.
PAPER CUT-OUTS (Éric Barbeau, Kanada 2005)
DANS UN PETIT BOIS (unvollendet) (Kanada ca. 1943)
ANIMATED MOTION Teil 1 bis 5 (Grant Munro & Norman McLaren, Kanada 1976-78)
ALOUETTE (Norman McLaren & René Jodoin, Kanada 1944)
LA PERDRIOLE (unvollendet) (Kanada 1940er)
1–2–3 (unvollendet) (Kanada 1955)
RYTHMETIC (Evelyn Lambart & Norman McLaren, Kanada 1956)
LE MERLE (Kanada 1958)
SPHERES (René Jodoin & Norman McLaren, Kanada 1969)

Das letzte McLaren-Programm besteht aus dem Dokumentarfilm CREATIVE PROCESS: NORMAN MCLAREN (Donald McWilliams, Kanada 1990). Donald McWilliams verschafft mit einer Fülle von Material Einblicke in McLarens Schaffen und die vielen von ihm entwickelten Methoden des Trickfilms. Interviews mit McLaren und Weggefährten, Ausschnitte aus Filmen und unvollendeten Werken ergeben ein Panoptikum des kreativen Prozesses von McLaren. (18. & 24.3.)

Ein Programm speziell für Kinder wird am 10. und 11.3. gezeigt.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem National Film Board of Canada. Besonderer Dank an Julie Roy und Roger Bourdeau. Die Kopien wurden vom National Film Board of Canada neu restauriert und digitalisiert. Das Eröffnungsprogramm ist auf 35mm, alle anderen Programme sind auf DigiBeta.