November 2012, kino arsenal

EUNIC präsentiert: 60 Jahre Goldene Bären

CUL-DE-SAC, 1966

Im November setzt die Gemeinschaft der europäischen Kulturinstitute in Berlin (EUNIC Berlin) ihre umfangreiche Reihe fort und zeigt europäische Filme, die bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin der letzten sechs Jahrzehnte mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurden. Die aufschlussreiche Reise in die Geschichte der Berlinale umfasst 20 Lang- und Kurzfilme unterschiedlichster Genres und künstlerischer Handschriften.

SKRIVÁNCI NA NITI (Lerchen am Faden, Jirí Menzel, CSSR 1969, 7.11., Einführung: Christina Frankenberg) Die Industriestadt Kladno in den 50er Jahren. Feinde des Systems – unter ihnen Intellektuelle und "bourgeoise Elemente" – sollen durch Zwangsarbeit auf einem riesigen Schrottplatz umerzogen werden. Manchmal verschwindet einer von ihnen. Dennoch können sie ihrer Lage tragikomische Aspekte abgewinnen. Basierend auf Erzählungen von Bohumil Hrabal, ist LERCHEN AM FADEN eine Abfolge paradoxer, mal grotesker, mal tragikomischer Situationen. Gedreht kurz nach dem Einmarsch der Sowjetunion in die Tschechoslowakei, wurde der Film verboten und lag jahrzehntelang in einem Tresor des Innenministeriums. Nach der Samtenen Revolution wurde LERCHEN AM FADEN 1990 auf der Berlinale uraufgeführt und 21 Jahre nach Fertigstellung mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

DIE VIER IM JEEP (Leopold Lindtberg, Schweiz 1951, 7.11.) Wien während der Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg: Vier Besatzungssoldaten aus allen Besatzungsmächten bilden gemeinsam eine Einheit, um nach einem entflohenen Häftling zu suchen. In ihnen spiegeln sich die unterschiedlichen Ansichten und Mentalitäten der Siegermächte. Der Schweizer Film unter der Regie eines Österreichers ist ein eindringliches Plädoyer für die Verständigung zwischen Ost und West.

LE DEPART (Der Start, Jerzy Skolimowski, Belgien 1967, 21.11., Einf.: Stephan Förster) Ein ganz dem Gefühl des Augenblicks huldigendes Aufbruchswerk über den Furor und die Energie der Jugend: Der Friseurlehrling Marc (Jean-Pierre Léaud) träumt davon, Rennfahrer zu werden und an einer Rallye teilzunehmen. Dass ihm dazu ein Auto fehlt, ist für ihn nur ein kleines Hindernis. Eine leichtfüßige Satire auf das moderne Konsumleben mit einem atemlosen Jazz-Soundtrack von Krzysztof Komeda.

CUL-DE-SAC (Wenn Katelbach kommt …, Roman Polanski, GB 1966, 21.11.) Zwei entflohene Gangster dringen in eine einsam gelegene Burg an der englischen Küste ein, die von einem seltsamen Paar bewohnt wird. Die Gangster rufen ihren Chef Katelbach an, der kommen und sie retten soll – doch Katelbach kommt nicht. Während man vergebens auf ihn wartet, entspinnt sich ein absurdes und makabres Spiel um Macht und Abhängigkeit.

Eine Auswahl der mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten Kurzfilme läuft zum Abschluss der Reihe am 29.11. in einem vielstimmigen Programm mit Filmen aus Schweden, Rumänien, den Niederlanden und Portugal: SENASTE NYTT (The Latest News, Per Carleson, Schweden 1997), UN CARTUS DE KENT SI UN PACHET DE CAFEA (Eine Stange Kent und ein Päckchen Kaffee, Cristi Puiu, Rumänien 2003), ALDRIG SOM FÖRSTA GANGEN (Never Like the First Time!, Jonas Odell, Schweden 2006), RAAK (Treffer, Hanro Smitsman, Niederlande 2006), O ZI BUNA DE PLAJA (Ein guter Tag zum Schwimmen, Bogdan Mustata, Rumänien 2007), HÄNDELSE VID BANK (Zwischenfall vor einer Bank, Ruben Östlund, Schweden 2010), RAFA (João Salaviza, Portugal/Frankreich 2012).

LA NOTTE (Die Nacht, Michelangelo Antonioni, I 1961, 29.11.) Ein Tag im Leben eines Ehepaars, gespielt von Jeanne Moreau und Marcello Mastroianni. Zwischen dem Besuch eines todkranken Freundes im Krankenhaus, der im Verlauf des Films stirbt, und der Party eines Großindustriellen in Mailand verlaufen 24 Stunden der sukzessiven Auflösung einer Beziehung. Ohne jeglichen dramatischen Effekt, dafür mit gestochen scharfen, klaren Schwarzweiß-Einstellungen entwirft Antonioni eine Geometrie der Einsamkeit.

Eine Veranstaltung von Eunic Berlin in Kooperation mit den Internationalen Filmfestspielen Berlin.