Dezember 2005, kino arsenal

Öffentliche Sichtungen

Toilette

Toilette, 1977-1979

In diesem Monat sichten wir gemeinsam mit dem Publikum einen Teilbereich unserer Archivfilme, den man grob als politisch-feministisch-experimentell umschreiben könnte. Neben den vielen Klassikern aus den 70er und 80er Jahren gibt es zahlreiche Filme von Frauen, die entweder nie wirklich Beachtung fanden oder längst wieder in Vergessenheit geraten sind, Filme, an die wir uns selbst nur dunkel erinnern, deren Titel uns vielleicht noch vertraut sind, aber keine visuellen Assoziationen mehr hervorrufen, Filme, die das subversive Kino, das nicht weniger männlich dominiert war als das kommerzielle, mit neuen Inhalten und Formen ein weiteres Mal subvertierten. Es geht um Körper und Lust, die Arbeit, das Heim und das Reisen. Es geht um Blicke, Berührungen und Texte. Um Widerstand, Umwege und Grenzen. Um Theorie und Praxis. Und immer wieder um die grundlegenden Fragen, welches politische Potential in der ästhetischen Erfahrung des Kinos liegt und welche Auswirkung das auf die Tatsache hat, dass einige Filme in den Tiefen der Archive verschwinden.

Unter den Autorinnen der Kurzfilme des Abends könnten Namen sein wie Holly Fisher, Juliana Grigorova, Marjorie Keller, Nan Hoover, Cristina Perincioli und viele andere, die Auswahl kann gemeinsam mit dem Publikum verändert und ergänzt werden.

Den Langfilm des Abends drehte die österreichische Künstlerin Friederike Pezold in den Jahren 1977–79. In strengem Schwarzweiß und mit minimalistischen Bewegungen inszeniert sie sich selbst vor der Videokamera, während sie ihre Toilette macht: „Die Bewegung meines Bauchnabels um nur ein paar Milli-Millimeter ist spannender als jeder Krimi“. (20.12.)