Mit weitgehend unbekannten filmisch-essayistischen Dokumentarfilmen aus Georgien, entstanden zwischen den späten 1980er Jahren und den frühen 2000ern, kehrt Forum & Friends VII an drei Abenden in die Umbruchszeit am Ende der Sowjetunion zurück: in die Jahre der Wende, des Zerfalls der UdSSR und des beginnenden Transformationsprozesses im Osten Europas. Die gegenwärtigen Proteste in Georgien und die politische Gewalt der Machthabenden gegen die eigene Bevölkerung erscheinen so nicht als isolierte Gegenwartskrise, sondern als Teil einer seit mehr als drei Jahrzehnten andauernden Auseinandersetzung um die Möglichkeit einer demokratischen Grundordnung.
Die Filmreihe blickt auf die späten 1980er und frühen 1990er Jahre zurück, um von dort aus die Gegenwart neu lesbar zu machen: als Wiederkehr ungelöster Transformationsfragen, aber auch als Fortsetzung jener Kämpfe um Freiheit, Öffentlichkeit und politische Form, die mit dem Zerfall der Sowjetunion keineswegs abgeschlossen waren. Georgien erscheint dabei nicht nur als Einzelfall, sondern als besonders sichtbarer Schauplatz postsozialistischer Transformationskonflikte im Osten Europas.
Den drei Programmblöcken „Merab Mamardashvili: Denken am Abgrund“, „Fragile Freiheit“ und „Gewissen/Kampf“ wird jeweils ein Clip aus der Serie „Prisoners of Consciousness“ vorangestellt, einer 2025 vom Georgian Film Institute mit namhaften georgischen Regisseur*innen produzierten Reihe kurzer filmischer Porträts politischer Gefangener in Georgien.
Die Filmreihe ist im Rahmen der Tagung „Merab Mamardashvili: Ideology, Consciousness, Freedom“ des Leibniz-Zentrums für Literatur- und Kulturforschung in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung entstanden. Das Denken des georgischen Philosophen Merab Mamardashvili (1930–1990) bildet dabei den philosophischen Resonanzraum der Reihe: In der Sowjetunion, die nach außen immer noch stabil schien, dachte er über die Möglichkeiten einer posttotalitären Gründung nach. Dabei war Freiheit für ihn kein Besitz und kein historischer Automatismus. Mamardashvili verstand Transformation nicht als bloße Übernahme fertiger politischer Formen, sondern als mühsame Hervorbringung und Reproduktion jener inneren Bedingungen, unter denen Freiheit, Urteilskraft und Verantwortung überhaupt gesellschaftlich wirksam werden können. Gerade darin liegt die Aktualität seiner Diagnose: Sie macht verständlich, warum der Zusammenbruch eines autoritären Systems nicht schon die Entstehung demokratischer Formen garantiert und warum Gesellschaften immer wieder in autoritäre Muster zurückfallen können. (Barbara Wurm, Zaal Andronikaschvili)
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