Claudia von Alemann studierte Film an der Hochschule für Gestaltung Ulm bei Alexander Kluge. Ihre frühen Filme behandeln internationale politische Themen, darunter die Rolle des Films im Mai 1968 in Paris, die Zeit von Kathleen und Eldridge Cleaver in Algerien, das Engagement von Frauen im Vietnamkrieg und die Ausbeutung von Fabrikarbeiterinnen in Westdeutschland. 1973 organisierte sie gemeinsam mit Helke Sander das 1. Internationale Frauenfilmseminar im Kino Arsenal, Berlin. Sie arbeitet als Übersetzerin, Dozentin und freischaffende Filmemacherin; ihr Werk umfasst experimentelle und dokumentarische Arbeiten und Spielfilme.
Das ist nur der Anfang, der Kampf geht weiter
Mai 1968, Paris, Frankreich. Acht Millionen Franzosen streiken. Polizisten stürmen die Barrikaden, die Sorbonne wird gestürmt, und die Studierenden besetzen die universitären Räume und forcieren deren Öffnung für die gesellschaftlichen Kämpfe und Debatten, die die herkömmlichen Institutionen infrage stellen. Welche Rolle spielt dabei der Film? Welche Funktion kann dem Film in dieser Bewegung zukommen? Wie engagieren sich Filmemacher*innen im Rahmen einer neu zu definierenden Kulturpolitik? Und wie werden ihre Forderungen in der filmischen Praxis umgesetzt? Filmstudierende, Schüler*innen, Arbeiter*innen, unter anderem der Citroën-Werke, und auch etablierte Regisseure wie Jean-Luc Godard beteiligen sich in diesem Film an den Debatten und Auseinandersetzungen der im Mai 68 entstandenen Filmkollektive.
Es kommt drauf an, sie zu verändern
Ein kämpferischer Aufklärungsfilm über die Arbeit von Frauen in der Metall- und Elektroindustrie. Dokumentiert wird die kleinteilige, monotone und unterbezahlte Fabrikarbeit, was jedoch nur unter einem Vorwand möglich war. Als „weibliche Wallraffiade“ bezeichnet Claudia von Alemann die Dreharbeit des Films, der neben der wirtschaftlichen Ausbeutung auch die gesamtgesellschaftliche Unterdrückung von Frauen beschreibt sowie deren fehlende Selbstorganisation. Kritisiert wird die mangelnde Unterstützung durch die männlich dominierten Gewerkschaften. Der Marginalisierung der Frauen und ihrer scheinbar passiven Haltung stellt Claudia von Alemanns aktivistischer Film Solidarisierungsprozesse und Handlungsmöglichkeiten gegenüber; sie kommen zu Wort und wehren sich aktiv. In den siebziger Jahren lief ES KOMMT DRAUF AN, SIE ZU VERÄNDERN deshalb auch oft im Rahmen der Agitation für arbeitspolitische Kämpfe. Die im Titel zitierte 11. Feuerbach-These von Karl Marx wird so in die Praxis umgesetzt: „Die Philosophen haben die Welt nur interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern.“
EXPRMNTL 4 Knokke
Jahreswende 1967/68: im belgischen Seebad Knokke findet das 4. Internationale Experimentalfilmfestival statt. Claudia von Alemann und Reinold E. Thiel zeigen in ihrem Dokumentarfilm neben Filmausschnitten vor allem die Parallelereignisse, die spontanen Auftritte, Happenings und Protestaktionen unter anderem von Harun Farocki, Jean-Jacques Lebel, Shirley Clarke, Holger Meins, Gustav Lamche, Armand Gatti, Mauricio Kagel, von den Student*innen der HfG Ulm und der DFFB sowie von US-amerikanischen Underground-Filmemacher*innen. Der Film fängt die elektrisierende und inspirierende Atmosphäre ein, die das Festival von Knokke so legendär und zum entscheidenden Anstoß für den unabhängigen Film in Europa gemacht hat.
Kathleen und Eldridge Cleaver in Algier
Im Januar 1970 filmt Claudia von Alemann die Mitbegründer*innen der Black Panther Party, Kathleen und Eldridge Cleaver, die seit 1969 in Algier im Exil leben. In zwei Statements formulieren sie ihre Forderungen nach der Freilassung ihrer Mitkämpfer*innen Ericka Huggins und Bobby Seale, die des Mordes an einem vermeintlichen Informanten angeklagt sind.

