BOROWITSCHI (R: Viola Stephan, B: Viola Stephan, Victor Kossakovsky, K: Victor Kossakovsky, D 1996) steht stellvertretend für viele Kleinstädte in der russischen Provinz. Der Film folgt der Armee, die im Klosterkeller gelagertes Eingemachtes bewacht, und beobachtet die körperliche Arbeit der Filzstiefel-Produktion. Dazwischen die Wahlergebnisse der Parlamentswahl in Borowitschi, als Erinnerung daran, dass neben dem Alltagsleben, dem Mikrokosmos der Provinz, auch der Ruf des Moskauer Parlaments ein Teil der Zukunft ist und sein wird.
DAMENWAHL (R/B: Viola Stephan, D 1999) porträtiert sechs Freundinnen zwischen vergangenen Lebensentscheidungen und gegenwärtigem Alltag – Kinderversorgung, Berufsleben und soziale Anlässe. Diesen wohnen jedoch, wie immer in Stephans Arbeiten, größere Fragen inne: Was ist aus Frauen geworden, nachdem Gleichberechtigung und allgemeiner Wohlstand ins Land einzogen? Die Protagonistinnen sind Solitäre. Man erlebt sie in diesem Film sozusagen in ihren selbstgewählten Fassungen.
DIE REISE VON PETERSBURG NACH MOSKAU (R/B: Viola Stephan, D 1991) beruht auf dem namensgleichen Roman von Alexander Radischtschew von 1790 – einer literarischen Stimme gegen die Unterdrückung der Menschen, die im Zarenreich als Gefahr verunglimpft wurde. 200 Jahre später und nur wenige Monate vor dem Zerfall der Sowjetunion begibt sich Viola Stephan mit einem kleinen Team auf eben diese Wege zwischen St. Petersburg und Moskau.
KRIEGSENDE (R/B: Viola Stephan, D 1992) blickt auf die Versuche unterschiedlicher Menschen, unter den sich wandelnden politischen und historischen Bedingungen Anfang der 1990er Jahre nach Berlin zurechtzukommen. Ein Film über Ankommende, Eingelebte, Abschiednehmende und ein Film über Irritationen in einer vernarbten Stadt, wo Kriegserinnerungen Teil des Alltags sind.
ŚLASK–SCHLESIEN (R/B: Viola Stephan, D 1994) Stephan sucht nach dem Schlesien, das zu Zeiten des Kalten Krieges aus dem deutschen und polnischen Bewusstsein ausgegrenzt wurde. Retrospektiv von Geflüchteten und Heimatvertriebenen verklärt, beginnt die Filmemacherin im Dorf Milków in Niederschlesien einen Film zu drehen, um sich der Frage zu widmen, welche Geschichte die Menschen dort selbst über Schlesien erzählen würden.
SREDA – MITTWOCH 19.07.1961 (R: Victor Kossakovsky, D/GB/RUS/FI/FR/DK 1997) ist der Geburtstag des Regisseurs. Kossakovsky begegnet Menschen, die zeitgleich geboren wurden - Erzieherinnen, Zahnärztinnen, Frauen im Kreißsaal. Er beobachtet Männer in Hinterhöfen, Lokführer, Busfahrer und Krankenhauspatienten. Zentral ist ein Geschichtsbild, das die Menschen und ihre Leben im Nebeneinander betrachtet und das die Möglichkeitsformen des Lebens im Zusammenspiel der Biografien entdeckt, wobei Kossakovsky auch nach Verbindungen sucht, die durch den Zufall bestimmt sind.

