Die letzten Bewohner einer verlassenen Siedlung machen sich auf den Weg, ihrem miserablen Dasein zu entfliehen, indem sie den Versprechungen eines falschen Propheten namens Irimiás folgen. Béla Tarr beschreibt in endlosen, düsteren Plansequenzen das perspektivlose Lebensgefühl seiner Protagonisten. Der Film enthält Sequenzen, die sich dem Gedächtnis auf unvergessliche Weise einschreiben – so die Eröffnung, als Kühe ihren Stall verlassen und eine schlammige Ebene durchqueren. SÁTÁNTANGÓ ist eine Meditation über die Zeit, aber auch ein Sinnbild für den Kosmos und die conditio humana. Durch seine formale Strenge und atmosphärische Ausdruckskraft, seine ungewöhnliche, leitmotivische Erzählweise, die den Zuschauer erfasst und nicht mehr loslässt, ragt dieser Film aus dem Gesamtwerk von Béla Tarr heraus. SÁTÁNTANGÓ ist ein Monument des zeitgenössischen Kinos, ja der Filmgeschichte überhaupt. 1994 zur Erstaufführung gebracht, wurde der Film zum Meilenstein der Geschichte des Forums. (Ulrich Gregor)
Béla Tarr (*21.7.1955 in Pécs (Ungarn), † 6.1.2026 in Budapest (Ungarn)) begann mit 16 Jahren als Amateurfilmemacher erste Kurzfilme zu realisieren und später im Balázs Béla Stúdió zu arbeiten. Von 1977 bis 1981 studierte er an der Hochschule für Theater und Film in Budapest, nachdem er zuvor seinen ersten abendfüllenden Film Csaladi tüzfészek gedreht hatte. 1981 gehörte er zu den Mitbegründern des Társulás Filmstúdió, nach dessen Auflösung 1985 er als unabhängiger Filmemacher arbeitete. 1989/1990 verbrachte Tarr mehrere Monate in Berlin als Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Zwischen 1990 und 2011 war er als Professor an der Deutschen Film und Fernsehakademie in Berlin tätig. 2013 gründete er die Filmhochschule film.factory an der Sarajevo School for Science and Technology (SSST).

