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Eine bemerkenswerte Wiederentdeckung ist der 1994 von Serap Berrakkarasu gedrehter Dokumentarfilm EKMEK PARASI – GELD FÜR’S BROT (BRD, 100 min). Die Kamera führte Gisela Tuchtenhagen. Im Zentrum des Films steht die Akkordarbeit türkischer „Gastarbeiterinnen“ in einer Fischfabrik in Lübeck, die gemeinsam mit mecklenburgischen Frauen, die nach der Wende keine andere Arbeit finden und nach Lübeck pendeln, am Fließband stehen. Ein wichtiges Zeitdokument über soziopolitische Realität unprivilegierter Frauen, denn „würde diese Arbeit von Männern gemacht, wäre sie längst schon automatisiert“, schrieb Linde Fröhlich im Katalog der Nordischen Filmtage Lübeck 1994, wo der Film seine Prämiere feierte.

Digital restauriert wurde auch eine frühere Produktion von Serap Berrakkarasu, TÖCHTER ZWEIER WELTEN (BRD 1990, 60 min), die ebenfalls unter Beteiligung von Gisela Tuchtenhagen entstand. Zwei Frauen, Mutter und Tochter, die eine aus der Türkei nach Deutschland migriert, die andere in Deutschland aufgewachsen, erzählen aus ihrer Biografie. Das Leben zwischen den Kulturen beschreiben beide als die Erfahrung eines inneren Zwiespalts: „Im Grunde weiß man nicht wo man hingehört.“ In einer Parallelmontage verdichtet der Film ihre unterschiedlichen Lebensauffassungen zu einem Dialog zwischen Mutter und Tochter, der so niemals stattgefundenen hat.

Außerdem wurde der autobiografische Dokumentarfilm von Angelika Levi MEIN LEBEN TEIL 2 (Deutschland/Chile 2003, 93 min) digital restauriert: Eine kluge und kompromisslose Auseinandersetzung mit der Geschichte der eigenen Familie, die als Mikrogeschichte eine völlig neue Perspektive auf tradierte Geschichtsschreibung öffnet. Ein Film über deutsche Verhältnisse, Migrations- und Traumaerfahrungen, erzählt aus der Perspektive der zweiten Generation nach der Shoa: „Meine Mutter sammelte und archivierte ihre eigene Geschichte. Ich habe sie geerbt und daraus einen Film gemacht, in dem es vor allem um Wahrnehmung, um das Vermächtnis und um den Umgang mit Geschichte geht. Anhand von Gegenständen, Fotos, Ton- und Filmaufnahmen erzähle ich, was in der Familie verbreitet und verschwiegen wurde. Der Film handelt von Traumatisierung und gleichzeitig davon, wie auf Makro- und Mikroebenen permanent Geschichte produziert, archiviert, in einen Diskurs gebracht und eingeordnet wird – und davon, wie ich selbst immer weiter sammelte, damit alles zusammen eine Erzählung ergibt.“ (Angelika Levi)

Cynthia Beatts Kurzfilm BÖSE ZU SEIN IST AUCH EIN BEWEIS VON GEFÜHL (BRD 1983, 25 min) mit Heinz Emigholz ist eine persönliche und kathartische Konfrontation mit ihrem eigenen Status als Nichtdeutsche in Berlin in den 1970er und 1980er Jahren – einem Berlin, das von der Last der Geschichte erdrückt wird. Gefilmt in der Gegend um den Potsdamer Platz, dem zerrissenen Gebiet direkt an der Mauer, an dem die Nachkriegsbauten aus den Bombenkratern wuchsen, zeichnet der Film das Bild des Verlusts einer Architektur, mit deren Zerstörung auch ein kultureller Kontext verloren ging. „Eine Art verschrobene, geistreiche, intellektuell fundierte Variante eines Baedecker-Reiseführers, inklusive architektonischer Schmankerl und Warnungen vor dem unberechenbaren Temperament der Einheimischen.“ (Barbara Kruger, Art Forum).

Auch die spannende kulturwissenschaftliche Studie von Ulrike Ottinger PRATER  (Deutschland/Österreich 2007) ist nun als DCP für die Kinovorführungen verfügbar. Der älteste Vergnügungspark der Welt im Spiegelbild seiner technischen und medialen Entwicklung – kaleidoskopartig visualisiert mit fliegenden Kamerabewegungen und Texten von Elfriede Jelinek, Josef von Sternberg, Erich Kästner, Elias Canetti. Die Geschichte des Praters und das Œuvre von Ulrike Ottinger haben etwas gemeinsam: Die Welt wird zur Bühne und die Bühne zur Welt. Wenn Ottinger von Schaubuden und Illusionsmaschinen berichtet, erzählt sie auch von ihren Filmen. Vor dem Hintergrund von Reiseträumen, enzyklopädischer Neugier, aber auch kolonialistischer Imagination, holt der Prater die Welt ins Spiegelkabinett.

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