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Archive sind in ein gesellschaftliches Umfeld eingebettet und Teil kultureller und politischer Diskurssysteme. Archivar*innen extrahieren nicht bloß zeitgenössisches Wissen aus Vergangenem, sondern erzählen vielmehr Geschichten über zukünftiges Wissen. Archive sind somit zweierlei: Orte der Konservierung, Wiederholung und Rekonstruktion, in denen etwa imperiale Denkweisen der Vergangenheit in die Zukunft verlängert werden, und Orte potenzieller Zukunftsentwürfe. Wie lassen sich hegemoniale Kontinuitäten in Archivkontexten offenlegen und wie bilden sich soziale Realitäten darin ab? The Whole Life. Archives & Imaginaries erkundet alternative archivarische Technologien, Erzählformen und Zukunftsszenarien.

„The phantom is material“

„Wie hängen sie zusammen?“ fragt ein FBI-Agent in Lizzie Bordens feministischem Science Fiction BORN IN FLAMES (1983) bei dem Versuch, die komplexe Struktur einer antirassistischen Frauenarmee zu analysieren. Der Film war Teil des Programms des Forscherinnen-Kollektivs Übung am Phantom (Anke Kempkes/Eva Peters/Monika Rinck/Stefanie Schulte Strathaus), das 1994 in der Shedhalle Zürich und 1995 im KW – Institute for Contemporary Art an der Gruppenausstellung „when tekkno turns to sound of poetry“ teilnahm. Initiiert von Sabeth Buchmann und Juliane Rebentisch waren beide Ausstellungen Momentaufnahmen eines gemeinschaftlichen Diskurses um neue Technologien, Feminismus und (Konzept-)kunst, an dem 40 Frauen beteiligt waren. In Zürich baute Übung am Phantom ein Kino in die Ausstellung, für 16mm-Vorführungen, aber auch für Wortveranstaltungen und Performances. In Berlin wurde dafür das Kino Arsenal genutzt. Wie viele feministische Projekte fand „wtttsop“ kaum Eingang in die Archive, zumindest nicht in die offiziellen. Für Archive außer sich haben sich die tekkno-Teilnehmerinnen wieder zusammengefunden. Ein Nachbau des Phantom-Kinos wird zum Ort für andere Formen der archivarischen Praxis: „The phantom is all there is – that is to say material.“

Archive außer sich ist ein Projekt des Arsenal – Institut für Film und Videokunst unter dem Dach von Das ganze Leben. Ein Archiv-Projekt. 2017 lud das Arsenal andere ein, an der kollaborativen Serie von Forschungs-, Veranstaltungs- und Ausstellungsprojekten mitzuarbeiten, deren Beiträge an diesem Ort präsentiert werden: Das Harun Farocki Institut, SAVVY Contemporary, pong film, die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, silent green Film Feld Forschung und den Masterstudiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Weitere Akteure kamen dazu, darunter die Mediateca Onshore in Guinea-Bissau, die Lagos Film Society, Cimatheque – Alternative Film Centre in Kairo, und UMAM Documentation & Reserach in Beirut.

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