Elvis the Pelvis – Filme mit Elvis Presley

Elvis the Pelvis – unter diesem Namen wurde Elvis Presley bekannt. Der Beiname „the pelvis“ (die Hüfte) verbindet den Rock’n Roll Star mit einer Körperbewegung, die zu seinem Markenzeichen wurde. Der Hüftschwung ist eine spezifische Bewegung, die Elvis Presley öffentlich auf der Bühne vollzog und die vom Publikum mit Euphorie aufgenommen wurde. Im kulturellen Gedächtnis des Rock’n Roll ist der Hüftschwung Elvis Presleys dank zahlreicher Filme erhalten.
In den Konzertfilmen sieht man Ausschnitte aus den Bühnenperformances, die Art und Weise, wie Elvis Presley mit den Fans spricht, seine Ausstrahlung und körperliche Präsenz. In den Spielfilmen kommt es zu einer stetigen Überlagerung von Star-Imago und Rolle. In mehr als 30 Spielfilmen, die zwischen 1956 und 1970 entstanden sind, ist Elvis Presley Lastwagenfahrer, Arzt, Skipper oder anhänglicher Sohn und agiert in unterschiedlichen Dekors und Kostümen: elegant im schwarzen Rollkragenpullover mit weissen Lederschuhen, mit einem Baby auf dem Arm, im sommerlichen Polohemd, beim Einsatz auf einem Fischkutter, auf dem Segelboot, in Rennfahrermontur, im Kasperletheater „Muss’i denn, muss’i denn …“ singend oder in Badehose am hawaiianischen Strand.
Im Gegensatz zu seinen Songs, die man bis heute nachahmt, zitiert, verschiebt und imitiert, werden insbesondere die Spielfilme mit Elvis Presley ambivalent bewertet. Bis auf wenige Ausnahmen, wie z.B. Flaming Star und Jailhouse Rock, gelten sie als Nummernfilme mit trivialen Plots. Selbst in der Popkulturtheorie (so z.B. bei Theweleit), wo das Phänomen Elvis Presley in den 90er Jahren vielfach Beachtung gefunden hat, gelten gerade die Filme als zwiespältig. Dazu tragen auch die Umstände bei, unter denen sie entstanden sind, d.h. die rigide Unterordnung Elvis Presleys unter die auf bloße Massenware abzielende Maschinerie Hollywoods durch seinen berüchtigten Manager. Eine Betrachtung der Filme jenseits der Kritik der Kulturindustrie oder der Frage nach der ‚richtigen‘ oder ‚falschen‘ Repräsentation ist mittlerweile vor allem mithilfe von kulturwissenschaftlichen Fragestellungen möglich geworden. Insbesondere der anhaltende Diskurs um die Dimension des Körpers, die Frage der Körperinszenierung sowie die Fokussierung performativer Aspekte der Darbietung eröffnen eine neue Perspektive auf die Filme. (Sabine Nessel)
Wir eröffnen die Filmreihe mit der legendären Dokumentation Elvis: That’s the Way it Is von Denis Sanders (USA 1970/ 2000). Der Film beobachtet den „King“ bei den Vorbereitungen zu seinem Bühnen-Comeback als Sänger und Musiker im Jahr 1969 in Las Vegas, nach einer Phase als Filmstar in Hollywood. Man sieht die Entstehung der Show von den Proben in Kalifornien und Las Vegas bis hin zu den Live-Auftritten auf der Bühne während seiner ersten Konzerttournee nach 13 Jahren. Elvis tritt als professioneller Musiker auf, der Star inmitten seiner Band, der entspannt und humorvoll seine Auftritte vorbereitet. Die „Special Edition“ des Films aus dem Jahr 2000 ist eine völlig überarbeitete Version der Originaldokumentation von 1970. Fast zur Hälfte basiert sie auf bislang unveröffentlichtem Filmmaterial. Die Mitschnitte aus sechs Auftritten umfassen nun 20 statt der bisher 16 Songs. (4.3., Einführung: Sabine Nessel)
Das Drehbuch von Jailhouse Rock (Rhythmus hinter Gittern, Richard Thorpe, USA 1957), der dritte Film mit Elvis Presley, war so angelegt, dass zahlreiche Songs integriert werden konnten. Elvis spielt einen Häftling, der im Gefängnis einen früheren Cowboyschnulzensänger kennen lernt, der ihm das Gitarrespielen und Singen beibringt. Nach ihrer Entlassung wollen sie gemeinsam auftreten und den Gewinn teilen. Vince/Elvis, der als Erster freigelassen wird, versucht zunächst allein sein Glück, doch niemand scheint Interesse an ihm zu haben. Erst mit Hilfe einer Werbeassistentin, mit der er eine Plattenfirma gründet, gelingt ihm der Erfolg; er erklimmt die Leiter zum Rockstar. Vor der Vorführung am 11. März hält Sabine Nessel, Filmwissenschaftlerin an der J. W. Goethe-Universität Frankfurt/M., einen Vortrag mit dem Titel „Der Hüftschwung von Elvis“. (11. & 18.3.)
Ein Elvis-Film, der musikalisch und auch filmisch den Ansprüchen der Kritik standhielt, ist der nur sehr selten gezeigte King Creole (Mein Leben ist Rhythmus, Michael Curtiz, USA 1958), eine Gangsterstory, die als Aufhänger für ein Musical mit 14 Gesangsnummern dient. Da sein Vater arbeitslos ist, muss Danny (Elvis Presley) als Aushilfe in einem Nachtlokal arbeiten. Nachdem ihm vom Schulleiter eröffnet wird, dass er aufgrund seines Verhaltens das Abschlussexamen der High School nicht bestehen wird, schließt er sich einer Jugendbande an, deren Anführer er im Zweikampf besiegt. Im Nachtlokal „King Creole“ erhält er die Chance, als Sänger aufzutreten und es gelingt ihm, das Lokal Abend um Abend mit Publikum zu füllen. Von einem Gangsterboss erpresst und in Intrigen verwickelt, gerät er auf die schiefe Bahn, ehe ihn Mut und Liebe auf den rechten Weg zurückbringen. (8. & 13.3.)
Der erste Film nach Elvis’ Rückkehr von seiner Militärzeit in Deutschland war G.I. Blues (Café Europa, Norman Taurog, USA 1960), und er bezog sich thematisch prompt auf diese Zeit. Tulsa Mc Lean (Elvis Presley) und zwei weitere in Deutschland stationierte Angehörige der US-Armee gründen in ihrer Freizeit eine Band und hoffen, nach ihrer Entlassung mit dem ersparten Geld einen Nachtclub eröffnen zu können. Durch eine Wette, bei der es um 300 Dollar für die drei Musiker geht, kommt Tulsa mit der Cabaret-Tänzerin Lili zusammen und verliebt sich in sie. Als Lili von der Wette erfährt, kommt es zum Eklat. Eine klassische 60er-Jahre Komödie – gerockt wird nur zurückhaltend; dafür versucht sich Elvis an Walzern, Wiegenliedern und dem deutschen Volksliedgut. (5. & 21.3.)
In Viva Las Vegas (Tolle Nächte in Las Vegas, George Sidney, USA 1964), einem Film in Farbe und Cinemascope, spielt Elvis den Sonnyboy und Rennfahrer Lucky, der sich in den Kopf gesetzt hat, das Grand-Prix-Rennen in Las Vegas zu gewinnen. Und träfe Lucky in der Autowerkstatt nicht auf die ausnehmend hübsche Schwimmlehrerin Rusty, könnte er sich ganz auf die Vorbereitungen des Rennens konzentrieren. So aber lässt er sich von ihr – singend, tanzend und schubsend – nicht nur aus der Fassung, sondern auch noch um sein Geld bringen. Doch Lucky gibt nicht auf – er gewinnt das Rennen und die Schwimmlehrerin. Stunts, Rennszenen, Rock’n’Roll, Love-Songs und die Kulissen des Las Vegas der sechziger Jahre machen Viva Las Vegas zu weit mehr als einem Vehikel für jede Menge Hits.
(16. & 20.3.)
Einem ganz anderen, aber wesentlichen Aspekt des Phänomens Elvis widmet sich Thomas Carle in seinem Film Der King und ich (D 2003). Er porträtiert Elvis-Fans aus Friedberg und Bad Nauheim, die den G.I. Presley 1958 in ihren Teenagertagen kennengelernt haben (bzw. inzwischen davon überzeugt sind, ihn kennengelernt zu haben) und dadurch für ihr Leben geprägt wurden. Für die Jugendlichen von einst bedeutete in den fünfziger Jahren schon das Herumlungern vor dem Wohnhaus ihres Idols eine Art Befreiung von den Eltern, und noch heute schwärmen sie von ihren kleinen Fluchten in die heile amerikanische Welt. Dazu zeigen wir drei kurze Filme, die in den 50er Jahren für das Fernsehen gedreht wurden und aus unserem Archiv stammen. The NestlÉ Company Stage Show (USA 1956) zeigt Elvis Presley als Gast-Star in der berühmten Show. Zwischen Werbeblöcken, die für Produkte der Firma Nestlé werben, singt Elvis zwei Songs und setzt dabei seinen legendären Hüftschwung ein – sehr zur Begeisterung des kreischenden Publikums. Elvis TV (USA 1956) zeigt Ausschnitte des Auftritts von Elvis Presley in der Ed-Sullivan-Show. Elvis News Reel ist eine Zusammenstellung verschiedener Nachrichtenbeiträge über Elvis Presley aus den Jahren 1956–1967: Elvis bei einem Open-Air-Konzert in seiner Heimatstadt mit tobenden Fans; Elvis’ Abreise zum Militärdienst nach Deutschland; Aufnahmen vom Ende der Armeezeit; Pressekonferenz nach der Hochzeit mit seiner Frau Priscilla. (17.3.)
Zwei Filme, die Elvis ihre Reverenz erweisen, in denen Elvis gewissermaßen als Spur erscheint, runden die Filmreihe ab.
Bereits der Titel von Lætitia Massons Film Love Me (Frankreich 1999) spielt auf Elvis Presleys Songtitel „Love me tender“ an. Und der Beginn des Films ist eine Elvis-Imitation in rosa: Eine junge Frau (Sandrine Kiberlain), im Morgenmantel und mit Lockenwicklern im Haar, tritt aus einem Wohnwagen. Zu den Klängen von „Heartbreak Hotel“ kommt sie in Wiegeschritten näher. Mit einer Geste, als wolle sie sich die Kehle durchschneiden, kommentiert sie den Text „I’m so lonely I could die“. So eröffnet Love Me die Geschichte einer Frau, die nach Liebe sucht, und eines Sängers, der nicht mehr daran glaubt. Der alternde, abgehalfterte Rockstar Lennox (Johnny Halliday) singt im Bann von Graceland Elvis-Lieder. Sie sucht ihn in Memphis auf und verfolgt ihn. Er will nichts von ihr wissen. Sie gibt nicht auf und flüchtet sich in ihre Träume. (23.3.)
In Mystery Train (USA 1989) von Jim Jarmusch ist Elvis Presley allgegenwärtig: als Denkmal, als Bild, als Held von Legenden; Buddha trägt seine Züge, auch die Freiheitsstatue und sogar Madonna. Elvis spukt als Geist durch den gesamten Film. Zwei japanische Touristen kommen in Memphis an, der Heimat des Rock’n’Roll. Sie ist Elvis-Fan und möchte Graceland sehen, er steht auf Carl Perkins und will in die Sun-Studios. Schließlich landen sie im Hotel Arcade, in dem sich drei Geschichten, die der Film erzählt, kreuzen. In einem der Zimmer materialisiert sich nachts Elvis als Phantom, in einem anderen fällt ein Schuss. Und immer wieder spielt das Radio „Blue Moon“ … Memphis, Tennessee – eine Geisterstadt. (25.3.)
Ein Dankeschön für Zusammenarbeit und Unterstützung geht an Sabine Nessel, Thomas Pfeiffer und Monika Haas.