Februar 2021, berlinale forum

16. Forum Expanded: The Days Float Through My Eyes

13 WAYS OF LOOKING AT A BLACKBIRD von Ana Vaz © Stenar Projects

Die plötzliche Koinzidenz von Stagnation und Veränderung, die wir derzeit erleben, hat unsere Vorstellung von Zeit und Raum – und damit das Kino – verändert. Das betrifft den Blick auf die ausgewählten Arbeiten wie auch das diesjährige Festivalformat, zweigeteilt, im Internet, drinnen und draußen. Die Forum Expanded Filmauswahl besteht aus vier Kurzfilmprogrammen, einem mittellangen und zwei Langfilmen, insgesamt werden im März 18 Filme gezeigt. Zusätzlich werden im Juni acht installative Arbeiten zu sehen sein.

Ein Experiment für das vom Arsenal – Institut für Film und Videokunst ausgerichtete Forum Expanded, das sich zum 16. Mal an der Schnittstelle des Kinos zu anderen Bereichen von Kunst und Gesellschaft positioniert. Der Titel „The Days Float Through My Eyes“ wurde dem Song „Changes“ entliehen. Vor 50 Jahren, als David Bowie ihn veröffentlichte, ging es ihm um sein Bild als Musiker, das sich nicht im gleichen Tempo wie sein wandelbares Selbstverständnis veränderte. Seit letztem Jahr sind Künstler*innen und Filmemacher*innen weltweit so ausgebremst, dass es für viele existenzbedrohend ist. Wenn das Programm des 16. Forum Expanded pandemiebedingt auch kleiner ausfällt, so möchte es sich doch mit ihnen allen solidarisch erklären.

Die Tage ziehen vorüber und an jedem einzelnen zerrt die Realität. Die Themen der Kurzfilmprogramme kreisen um Erinnerung und Geschichte, um Rituale und Mythen, um Kolonialismus, und Rassismus, und nicht zuletzt um eine Filmpraxis der Subversion und des Widerstands. Eingebettet in die Neuproduktionen ist die Restaurierung des Films Böse zu sein ist auch ein Beweis von Gefühl von Cynthia Beatt, in dem sie selbst gemeinsam mit Heinz Emigholz zu sehen ist. Der Film, der 1984 im Berlinale Forum präsentiert wurde, verbindet Fragen von strukturellem Rassismus und Diskriminierung mit Architekturaufnahmen in Berlin. In Ploy erforscht Prapat Jiwarangsan Arbeitsmigration in Singapur, in Black Bach Artsakh erinnern Ayreen Anastas und Rene Gabri an Ereignisse in Bergkarabach.

Mit Ausbruch der ägyptischen Revolution begann Sharief Zohairy sieben Jahre lang durch das Nildelta zu reisen. Herausgekommen ist ein fünfeinhalbstündiger Film (Saba' sanawat hawl delta al-neel), der den dortigen Alltag zeigt und das Genre des Reisefilms in Pandemiezeiten in ein neues Licht rückt. Kerstin Schrödinger erinnert mit einminütigen Clips, für die sie 16-mm-Film mit Nähnadeln bearbeitet hat, an die Bedeutung von Materialität und die Unmittelbarkeit des Moments.

Kuratiert von Stefanie Schulte Strathaus (Leitung), Anselm Franke (Mitbegründer), Maha Maamoun und Ulrich Ziemons.

 

Filme:

 

Black Bach Artsakh
Armenien, 140‘
von Ayreen Anastas, Rene Gabri
*Weltpremiere

Ploy
Thailand / Singapur, 51’
von Prapat Jiwarangsan
*Internationale Premiere

Saba' sanawat hawl delta al-neel (Seven Years Around the Nile Delta)
Ägypten, 331’
von Sharief Zohairy
*Internationale Premiere

Kurzfilmprogramm #01:

Songs of the Shirt
Deutschland, 1’
von Kerstin Schroedinger
*Weltpremiere

Einer der insgesamt vier Songs of the Shirt wird in jedem Programm gezeigt

Lost on Arrival
Niederlande, 8’
von PolakVanBekkum
*Internationale Premiere

Böse zu sein ist auch ein Beweis von Gefühl (Fury Is a Feeling Too)
Deutschland, 25’
von Cynthia Beatt

Night for Day
Portugal / Österreich, 47’
von Emily Wardill
*Internationale Premiere

Kurzfilmprogramm #02:

13 Ways of Looking at a Blackbird
Portugal, 31’
von Ana Vaz
*Weltpremiere

Autotrofia
Italien, 31’
von Anton Vidokle
*Weltpremiere

The Coast
Indien, 17’
von Sohrab Hura
*Weltpremiere

Kurzfilmprogramm #03:

May June July
USA, 8’
von Kevin Jerome Everson
*Weltpremiere

Bicentenario
Kolumbien / Kanada, 43’
von Pablo Alvarez Mesa
Deutsche Premiere

"레드필터가 철회됩니다."("The red filter is withdrawn.")
Korea, 11’
von Minjung Kim
*Internationale Premiere

Mudança (Upheaval)
Deutschland / Portugal, 27’
von Welket Bungué
*Internationale Premiere

Kurzfilmprogramm #04:

After Life followed by Red Impasto Jar
Finnland, 9’
von Jonna Kina
*Weltpremiere

Kapita
USA, 22’
von Petna Katondolo
*Weltpremiere

Zahlvaterschaft (Fatherland)
Deutschland, 22’
von Moritz Siebert
*Weltpremiere

Ahorita Frames
Deutschland, 22’
von Angelika Levi
*Weltpremiere

 

Installationen
 

All of Your Stars Are But Dust on my Shoes
Libanon
von Haig Aivazian
*Internationale Premiere

Black Beauty: For a Shamanic Cinema
Spanien / Vereinigtes Königreich / Belgien
von Grace Ndiritu
*Weltpremiere

Jole dobe na (Those Who Do Not Drown)
Indien / Japan / Schweden
von Naeem Mohaiemen
*Internationale Premiere

Medicine and Magic
Kanada
von Thirza Cuthand
*Weltpremiere

Se hace camino al andar
Brasilien
von Paula Gaitán
*Internationale Premiere

Sous le masque blanc: le film qu’Haesaerts aurait pu réaliser (Under the White Mask: The Film That Haesaerts Could Have Made)
Belgien
von Matthias De Groof
*Weltpremiere

The Song of the Shirt
Deutschland
von Kerstin Schroedinger
*Weltpremiere

Voices and Shells
Deutschland
von Maya Schweizer

The Wake
Haiti / Frankreich / Vereinigtes Königreich
von The Living and the Dead Ensemble
*Weltpremiere

The Zama Zama Project
USA / Südafrika / Kanada
von Rosalind Morris
*Internationale Premiere

 

*Weltpremiere zeigt an, dass dieser Film noch keinem Publikum vorgeführt wurde. Da er während des European Film Market im März nur einem Fachpublikum (Industrie und Presse) als Online-Vorführung zugänglich gemacht wird, behält er seinen Status als Weltpremiere, bis er öffentlich in Kinos oder auf Festivals präsentiert wird.

*Internationale Premiere zeigt an, dass dieser Film noch nicht außerhalb seines Herkunftslandes vorgeführt wurde. Da er während des European Film Market im März nur einem Fachpublikum (Industrie und Presse) als Online-Vorführung zugänglich gemacht wird, behält er seinen Status als Internationale Premiere, bis er öffentlich in Kinos oder auf Festivals präsentiert wird.