Ute Aurand

Rasendes Grün mit Pferden / Rushing Green with Horses
2019

08.02.2019 16:15 OF Kino Arsenal 1
09.02.2019 17:00 OF Werkstattkino@silent green

16-mm-Film, 82 Min. Deutsch, Englisch.

Rasendes Grün mit Pferden ist eine Sammlung kurzer Beobachtungen und Begegnungen, gefilmt zwischen 1999 und 2018 auf Reisen, zu Hause, mit Freund*innen und allein. Es sind private Gesten, die meine Aufmerksamkeit wecken, jenseits der Erzählung oder Dokumentation spontan gefilmt: Anton in seiner Wohnung in Lichtenberg, Lilian und Nanouk 10 Tage alt, Jóns 94. Geburtstag, Sofia tanzt, James und Robert transportieren den 16-mm-Projektor, Schnee auf Cape Cod, Detel in ihrem Atelier, Franz und Sabrina heiraten, ein Besuch in Detroit, stürmisches Meer in Schwarz-Weiß, Alma und Ernie am Brandenburger Tor. Wir sehen die gleichen Menschen in verschiedenen Lebensaltern, als Kind, als Teenager, als junge Frau... manchmal hören wir jemanden sprechen, hören eine Musik oder Stille. Irgendwo mittendrin im Film steht erst spiegelverkehrt, dann richtig herum, mit der Hand geschrieben: „A child asleep in its own life“. (Ute Aurand)

Ute Aurand, geboren 1957 in Frankfurt/Main, aufgewachsen in Berlin, studierte von 1979 bis 1985 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Neben ihrer eigenen 16-mm-Filmarbeit kuratierte sie ab 1990 Filmprogramme – den monatlichen „Filmarbeiterinnen-Abend“ (1990-1996) und die Reihe „Sie zum Beispiel“ (1995-1996). Sie ist Mitbegründerin der Gruppe Filmsamstag (1997–2007) sowie der Reihe „Großes Kino, kleines Kino“ experimentelle Filme für Kinder, Arsenal. Sie lehrte u.a. an der Hochschule der Künste Hamburg und Bremen sowie an der HGKZ Zürich. 2015 initiierte sie eine Bolex-Werkstatt. Ihre Filme waren auf internationalen Filmfestivals zu sehen.


Erika Balsom über Ute Aurand 

[...] Ute Aurands Kino ist eines der Intimität: Ihre Filme werden von Freund*innen und Familie bevölkert, ihre vor Poesie berstende Praxis basiert auf alltäglichen Erlebnissen. Ich halte ihr Werk für eines der unwiderstehlichsten im heutigen experimentellen Kino.
Anders als viele zeitgenössische Künstler*innen, die mit Bewegtbild arbeiten, bewegt sich Ute Aurand innerhalb einer handwerklichen Tradition. Sie dreht und schneidet ihre 16-mm-Filme selbst. Responsive, handgeführte Kameraarbeit ohne Stativ und ein ebenso energetischer, rhythmischer wie zarter Montagestil zeichnen ihre Arbeiten aus. Obwohl der Produktionsprozess einsam sein mag, ist er doch nie selbstverliebt. Vielmehr sind ihre Filme von einer entwaffnenden Offenheit geprägt. [...]
Ute Aurand interessiert sich für kleine Momente, die menschlichen Beziehungen Bedeutung verleihen. Dieses Interesse zeigt sich vielleicht am deutlichsten in ihrem innovativen Zugang zur Porträtform. [...] Die langen Zeiträume, die sie mit ihren Subjekten verbringt, werden durch Montage so verdichtet, dass weit auseinanderliegende Einblicke in sich verändernde Leben zusammenkommen. [...] Sie teilt mit uns das Gefühl, dass, obwohl der unaufhaltsame Fortschritt der Zeit auch Verluste mit sich bringen mag, die Zeit unsere Leben doch durch Zärtlichkeit, Zuneigung und Komplexität bereichert.

Dieser Text wurde am 7. Februar 2014 anlässlich der Werkschau „To Be Here: The Films of Ute Aurand“ in der Tate Modern London veröffentlicht.

Erika Balsom ist Senior Lecturer in Film Studies am King’s College London.

Produktionsfirma Ute Aurand Filmproduktion (Berlin, Deutschland). Produktion, Regie, Kamera, Montage, Ton Ute Aurand.

Weltvertrieb Ute Aurand Filmproduktion

Filme

Auswahl: 1980: Schweigend ins Gespräch vertieft (7 Min.). 1982: Umweg (mit Ulrike Pfeiffer, 12 Min.). 1985: Paul Celan liest (5 Min.). 1987: Feucht-Trocken-Warm-Kalt-Island (mit Margarita Albrecht, 30 Min.). 1988: Oh! Die vier Jahreszeiten (mit Ulrike Pfeiffer, 20 Min.). 1993: Detel+Jón 1988-1993 (33 Min.). 1994: Bärbel und Charly (mit Bärbel Freund und Karl Heil, 35 Min.). 1995: Kleine Blumen, kleine Blätter (48 Min.), Maria und die Welt (15 Min.). 1998: Terzen (50 Min.). 1999: Fadenspiele (mit Detel Aurand, 8 Min.). 2001: Filmmuseum Berlin (24 Min.). 2002: Im Garten (mit Bärbel Freund, 29 Min.), Tulipan (mit Bärbel Freund, 1 Min.), Für Frau Foerster (mit Bärbel Freund, 3 Min.). 2004: Halbmond für Margaret (18 Min.). 2005: India (57 Min.). 2006: Der Schmetterling im Winter (mit Maria Lang, 29 Min.), Hier ist es zur Zeit sehr schön (mit Maria Lang, 55 Min.). 2008: In die Erde gebaut (42 Min.), Im Park (6 Min.), A Walk (4 Min.), Zuoz (1 Min.). 2009: Kopfüber im Geäst (15 Min.). 2011: Paulina (5 Min.), Franz (5 Min.), Maria (3 Min.), Junge Kiefern (43 Min.). 2012: Susan (5 Min.), Lisbeth (2 Min.). 2013: To Be Here (38 Min.), Fadenspiele 3 (mit Detel Aurand, 9 Min.). 2014: Philipps 60. Geburtstag (5 Min.). 2015: Sakura, Sakura (2 Min.). 2016: Four Diamonds (4 Min.). 2017: Lisa (4 Min.). 2019: Rasendes Grün mit Pferden / Rushing Green with Horses.

Foto: © Ute Aurand