Ala Younis: To Know the Arab Terrain: Movements to, from, and within (2010)

(1) NO TITLE, EXCERPTS FROM VIDEOS FROM THE FAMILY ARCHIVES 1978-1980 (2) STEP BY STEP 1979 (3) TOKYO TONIGHT 2003 (4) VACUUM 2006 (5) LINGE SUR TERRASSE 2007 (6) TELEMATCH SHELTER 2008 (7) TWO SIDES OF ONE PIECE 2010 (8) SHADOW SITES I 2010

NO TITLE, EXCERPTS FROM VIDEOS FROM THE FAMILY ARCHIVES
Mufid Younis, Jordanien/Kuwait 1978-1980, OF, 2 min

Home Movies eignen sich als Quelle für die Darstellung arabischer Realität. Mit Beginn der „Ölrevolution“ kamen Scharen von Arabern in die Golfstaaten, viele von ihnen kehrten mit Video- und Fotokameras zurück. Der Film besteht aus Ausschnitten von Filmmaterial, die aus einem Familienarchiv stammen. Viele der visuellen Informationen sind im Prozess des Formattransfers verloren gegangen, so wie Teile jedes Familienarchivs verloren gehen, wenn Mitglieder der Familie sich anderswo niederlassen. Aber auch das Verständnis und die Interpretation des „Arabischen“ verändern sich.

Mufid Younis, 1945 in Haifa geboren, arbeitete 20 Jahre lang in Kuwait, bevor er 1984 zurück nach Amman ging. Die eigenproduzierten Dokumentationen seines Privatarchivs beschreiben sehr gut das familiäre Leben in Kuwait und Amman der 1970er und 1980er Jahre.

STEP BY STEP
Ossama Mohammad, Syrien 1979, OmE, 22 min

Ossama Mohammads Film folgt den Etappen der Unterordnung, die man in einer Gesellschaft durchläuft, sowie der Veränderung der individuellen geistigen Haltung hin zur Akzeptanz von Gewalt. Anhand von Bildern der täglichen Anstrengungen und dem rudimentären Bildungssystem im Dorf zeigt der Film ein Portrait junger Dorfbewohner, die zwischen dem harten Alltag des bäuerlichen Lebens ihrer Eltern und dem als Arbeitsmigrant in der Stadt wählen können. Zwischen religiösen und politischen Ideologien gefangen und von Autorität geradezu besessen, wählen diese jungen Landarbeiter das Militär.

Ossama Mohammad, geboren 1954, arbeitet als Regisseur und Drehbuchautor. Seine Filme beschäftigen sich mit Machtstrukturen und deren Auswirkungen auf individuelle Identitäten. Er sieht die Familie als kleinste staatliche Organisationsstruktur, die für die Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung und somit auch der Traditionen verantwortlich ist. Er lebt in Rotterdam und Damascus.

TOKYO TONIGHT
Ziad Antar, Libanon 2003, OF, 3 min

TOKYO TONIGHT ist eines der ersten Videos von Ziad Antar. Im Norden vom Libanon gedreht, zeigt der Film Äußerungen des unerwarteten Worts „Tokyo“. Der Rhythmus des Videos wird von den alternierenden Einstellungen bestimmt. Völlig aus dem Zusammenhang gerissen und in großer Distanz zum Bezugsobjekt ist das Wort – das zudem von einer sich wiederholenden Melodie von Zupfgeräuschen unterbrochen wird – weder Beobachtung noch Aufruf zur Aktion; es ruft jedoch eine Vielzahl von Konnotationen hervor.

Ziad Antar, geboren 1978, begann 2001 im Bereich Video und Fotografie zu arbeiten. 2003 war er Gast in der Künstleresidenz des Palais de Tokyo, Paris und verbrachte anschließend ein Jahr in der Residenz der École des Beaux-Arts. Antars Videos zeigen die Welt als Ort von Konflikten, wobei er subtile, spielerische, kurze Einstellungen einsetzt, die mit Subtexten versehen sind. Er lebt und arbeitet in Saida und Paris.

VACUUM
Adel Abidin, Irak/Finnland 2006, OF, 9 min

„Es muss dringend etwas gegen den Winter in Finnland getan werden.“ Da er genug unter dem endlosen, harten finnischen Winter gelitten hat, beschließt der Künstler endlich zu handeln: Mit einem wasserdichten Vacuumreiniger und einer Videokamera geht er auf das gefrorene Meer hinaus und macht sich an die Arbeit.

Adel Abidin, geboren 1973, lebt und arbeitet in Helsinki.

LINGE SUR TERRASSE(LINEN ON TERRACE)
Fadma Kaddouri, Marokko/Frankreich 2007, OF, 3 min

Die Idee zu dem Video entstand bei einem Besuch im Haus der Eltern der Künstlerin in Nador, als ein starker Wind durch die aufgehängten Wäschestücke wehte. Es erschien plötzlich so als ob eine beachtliche Menschenmenge versuchen würde sich einen Weg zu bahnen, Objekte erwachten zum Leben, wurden frei. Das Bild kann als Metapher für das Leben derjenigen angesehen werden, die versuchen einer unhaltbaren, historisch bedingten Situation zu entfliehen. Nador ist eine Durchgangsstadt an der Grenze zwischen Afrika und Europa und somit Ziel vieler subsaharischer Immigranten, die mit dem Traum von einem Neuanfang dort stranden

Fadma Kaddouri, geboren im Rifgebirge, ist Autodidaktin. Ihre Fotografien und Filme entwickeln sich oft aus Reisenotizen. Ihre Arbeiten reflektieren die Rolle der KünstlerIn innerhalb der marokkanischen Gesellschaft. Sie lebt und arbeitet in Grenoble.

TELEMATCH SHELTER
Wael Shawky, Ägypten 2008, OF, 4 min

Wael Shawky verarbeitet in seinem Video klischeebeladene Elemente, zum Beispiel in Aufnahmen von weiten, verwahrlosten Landschaften, in denen Kamele und Esel Fahrzeuge ersetzen und in denen Gruppen von Kindern den erzählerischen Part der Geschichte übernehmen. Dargestellt durch ein Loop-Video von einer Gemeinschaft ländlicher Beduinen, erzählt TELEMATCH SHELTER von den Sehnsüchten der Beduinen-Gesellschaft sich zu einer wohlhabenden Landwirtschaftsgemeinschaft zu entwickeln.

Wael Shawky, geboren 1971, lebt und arbeitet in Alexandria, wo er seinen Bachelor of Fine Arts abgeschlossen hat. Den Master of Fine Arts beendete er 2000 an der University of Pennsylvania. Einzelaustellungen u.a. in: Darat al Funun, Amman (2009); Project Gentili, Berlin (2009); Townhouse Gallery, Cairo (2008); KVS, Brussels (2007), und Transitions-Ashkal Alwan, Beirut (2001). Für seine Arbeiten bekam er verschiedene Auszeichnungen. Er lebt und arbeitet in Alexandria.

TWO SIDES OF ONE PIECE
Mohssin Harraki, Marokko/Frankreich 2010, OF, 2 min

TWO SIDES OF ONE PIECE untersucht den gesellschaftlichen Umgang mit Geld und den Einfluss, den Geld auf Religion und Politik ausübt. Das Video setzt den Fokus auf eine sich drehende Münze, deren schnelle Bewegungen sie in ein fremdes, ästhetisch ansprechendes Objekt verwandeln. Das Geräusch der Münze, die sich über die Oberfläche bewegt, versetzt den Zuschauer in einen „trockenen und zerbrechlichen Raum“. Damit zeigt der Film, wie ein reich(lich)er Gegenstand in etwas verwandelt werden kann, das lediglich wegen seines ästhetischen Werts geschätzt wird.

Mohssin Harraki, geboren 1981, ist ein multidisziplinärer Künstler, dessen Werk kulturelle Konstruktionen, die Konsequenzen des Postkolonialismus und kollektive Wahrnehmungen untersucht. Durch sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dijon interessiert sich Harraki besonders für kulturelle Grenzen und soziale Praktiken. Seine Arbeiten sind in vielen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten. Er lebt und arbeitet in Dijon und Tanger.

SHADOW SITES I*
Jananne Al-Ani, Irak/Jordanien/GB 2010, OF, 15 min

SHADOW SITES I wurde im Süden von Jordanien gedreht und untersucht das Verschwinden von Körpern in den realen und imaginierten Landschaften der Region. Al-Anis Interesse gilt der Kraft der Zeugenaussage und der dokumentarische Tradition. Ihre Arbeiten versuchen darüber hinaus orientalistische Klischeevorstellungen über die Landschaft des Mittleren Ostens auszuhebeln. Begriffe des Exotischen und Unberührten prägen weiterhin die Darstellungen der arabischen Welt in den westlichen Medien.

Jananne Al-Ani, geboren 1966, studierte Bildende Künste an der Byam Shaw School of Art und schloss 1997 das Royal College of Art mit einem MA in Fotografie ab. Ihre Arbeiten werden international ausgestellt. Sie lebt und arbeitet in London.

*SHADOW SITES I ist Teil des von Ala Younis kuratierten Programms, wird jedoch nicht über arsenal distribution verliehen.