Maha Maamoun und Sarah Rifky: A State of Fluidity (2011)

(1) RICE CITY 2010 (2) TAHARI II 2006 (3) GIZA ZOO 2010 (4) SHORT WAVE/LONG WAVE 2009 (5) 80 MILLION 2009 (6) MY FATHER LOOKS FOR AN HONEST CITY 2010 (7) IMAGE OF A CENTER 2005

RICE CITY
Sherif El Azma, Ägypten 2010, OF, 19 min

RICE CITY beginnt in einem altmodischen Apartment, in dessen Ecken suggestiver Symbolismus und Anspielungen schwelen. In einer Atmosphäre von Spannung und Unbehagen, die sich zwischen Realem, Unheimlichem und einem Zustand schlafähnlichen Deliriums bewegt, irrt eine schüchterne junge Frau ängstlich durch die Flure. Es folgt eine Ansammlung seltsamer Begebenheiten voller unterschwelliger Anspannungen, die an den Rändern dieses Film Noir hervorkriechen, dessen Soundtrack eine gleichermaßen lähmende wie spannungsgeladene Stimmung erzeugt.

Sherif Al Azma lebt und arbeitet in Kairo. Er hat am Surrey Institute in London studiert und unterrichtet Experimentalfilm an der American University in Kairo. Seine filmischen und installativen Arbeiten sind in internationalen Ausstellungskontexten und auf Festivals vertreten.

TARAHI II
Haris Epaminonda, Zypern 2006, OF , 4 min

Während ihrer Reise nach Ägypten filmt und schneidet die Künstlerin Fernsehbilder einer berühmten ägyptischen Schauspielerin neu und montiert eine Sequenz von Großaufnahmen mit kurzen Einstellungen und Wiederholungen. Das Ergebnis ist ein kontemplatives Selbstgespräch. Von einem Klaviersoundtrack begleitet, wird der fehlplatzierte Pathos, der aus dieser meditativen Szene hervortritt, von der Erscheinung eineiiger Zwillinge gestört, die verstohlen unheilvolle Blicke wechseln.

Haris Epaminonda, die 1980 in Zypern geboren wurde, lebt und arbeitet in Berlin. Sie gestaltete den zypriotischen Pavillion der 52. Venedig Biennale mit und nahm an der 5. Berlin Biennale sowie an der 9. Sharja Biennale teil. Zuletzt wurden ihre Arbeiten u.a. im MoMA New York und der Tate Modern in London gezeigt. Seit 2007 entwickelt sie gemeinsam mit Daniel Gustav Cramer ein fortlaufendes Buchprojekt mit dem Titel „The Infinite Library“.

GIZA ZOO
Solmaz Shahbazi, Deutschland 2010, OF, 6 min

Ein fast dokumentarischer Blick auf den Giza Zoo, der 1891 eröffnet wurde. Einstiges Juwel der Modernisierung von Ägyptens Hauptstadt, deutet der Zoo nostalgisch auf die Überreste des landwirtschaftlich geprägten Hinterlands hin, das Kairo früher umgab. Die Veränderung des öffentlichen Raums sowie die Politik, die den Aufstand, den Untergang und das Entstehen neuer sozialer Klassen herbeigeführt hat, werden – eingefangen von diesem speziellen Gelände – in sorgsam ausgewählten Szenen gezeigt. Die Bilder sind von einem Soundtrack unterlegt, der den fiktiven – oder vielmehr fantasierenden – Blick des Zuschauers auf den Giza Zoo vervollständigt.

Solmaz Shahbazi lebt und arbeitet in Berlin. Sie hat Architektur und Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart studiert. Ihre filmischen und fotografischen Arbeiten wurden bei der 7. Sharjah Biennale, der 9. International Istanbul Biennale und der 1. Thessaloniki Biennale für Zeitgenössische Kunst ausgestellt. Seit 2001 ist sie in ganz Europa, den USA und im Nahen Osten in Ausstellungen vertreten.

SHORT WAVE / LONG WAVE
Vartan Avakian, Libanon 2009, OmE, 7 min

„Manche Städte haben keine Stimme“ – Vartan Avakian

Vartan Avakian ist Filmemacher und Medienkünstler. Seine interdisziplinären Arbeiten umfassen u.a. Video, Installationen und Fotografie. Avakian hat Kommunikationsdesign an der Lebanese American University und Architektur und urbane Kultur an der Universitat Politècnica de Catalunya (UPC) sowie dem Centre de Cultura Contemporània de Barcelona (CCCB) studiert. Er ist ein Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs Atfal Ahdath. Er lebt und arbeitet in Beirut.

80 MILLION
Eslam Zeen El Abedeen und Mohamed Zayan, Ägypten 2009, OF, 5 min

Irgendetwas braut sich zusammen: Mit der Kraft, die einem Leben innewohnt, das am Abgrund steht, liefern Zayan und Abedeen sich einen rhapsodischen Schlagabtausch. Eine aufgeladene, elektrisierende Performance, die, auf jegliche Hilfsmittel verzichtend, Fragen zu Pathos und Handlungsfähigkeit erörtert. Das Video ist eine Mischung aus Hommage und Klagelied, die den 80 Millionen Einwohnern Ägyptens gewidmet ist.

Mohamed Zayan und Eslam Zeen El Abedeen leben und arbeiten in Kairo. Zayan hat am Cairo Higher Institute of Applied Arts studiert und an einer Vielzahl von Sammelausstellungen teilgenommen. Zeen El Abedeen hat an zahlreichen Workshops teilgenommen, u.a. beim 20. Youth Salon (2009) in Kairo. Gemeinsam wurden sie bei dem 20. Youth Salon für 80 MILLION mit dem Golden Prize ausgezeichnet.

MY FATHER LOOKS FOR AN HONEST CITY*
Basim Magdy, Ägypten 2010, OF, 5 min

Der Künstler filmt seinen Vater dabei, wie dieser eine Aktion des Zynikers Diogenes nachstellt: Auf der Suche nach einem ehrlichen Mann, wanderte dieser bei helllichtem Tag mit brennender Laterne durch eine ausgetrocknete Landschaft. Der Film wurde auf einer Baustelle mit unfertigen Glasgebäuden gedreht, Verkörperungen der neuen architektonischen Prototypen New Cairos, einer zur selbständigen Stadt anwachsenden Siedlung am Stadtrand, mit ihren eigenen archäologischen Funden, streunenden Hunden und künstlichen Palmen. Das Reenactment wird auf der Tonebene von einem tobenden Gewitter begleitet.

Basim Magdy lebt und arbeitet in Basel und Kairo. Er bedient sich verschiedenster Medien – Zeichnung, Malerei, Animation, Installation, Skulptur, Film, Video, Ton und Druck. Seine letzten Ausstellungen wurden u.a. in der Wiener Kusthalle und dem Massachusetts Museum of Contemporary Art präsentiert.

*MY FATHER LOOKS FOR AN HONEST CITY ist Teil des von Maha Maamoun und Sara Rifky kuratierten Programms, wird jedoch nicht über arsenal distribution verliehen.

IMAGES OF A CENTER
Iman Issa, Ägypten 2005,  OF, 5 min

Issa erfindet einen Charakter, der eine Stadt beschreibt, deren Name nie genannt wird. Das Video, das sich aus dem Text des Erzählers und Landschaftsbildern zusammensetzt, entwickelt sich aus der Absicht der Künstlerin, eine persönliche Beziehung sowie Beobachtungen einer ihr vertrauten Umgebung zu beschreiben. Auf der Text- wie auf der Bildebene sucht sie nach einer dafür angemessenen Sprache. Die utopische Erzählung und die beinahe nicht voneinander unterscheidbaren Bilder, die dabei entstehen, gewinnen durch die Äußerungen der Künstlerin zu diesen Aspekten ihrer Arbeit an Resonanz und Genauigkeit.

Iman Issa lebt und arbeitet in Kairo und New York. Ihre Werke sind in internationalen Ausstellungskontexten und auf Festivals vertreten. Issa beschäftigt sich mit Fragen zu Sprache und Topos, und untersucht methodisch die Zusammenhänge zwischen Geschichte, Stadt, individueller Wahrnehmung und Erfahrung. Ihre lyrischen, verschlüsselte Arbeiten stellen systemische Fragen. Sie sind exzentrisch, deuten Narration lediglich an und verwehren sich jeglicher Einordnung und Definition.