Weitere Werke: Experimental Views

(1) WAHAB 1994 (2) VUE AERIENNE 2006 (3) UN ALLER SIMPLE 2003 (4) OH TORMENT 2008 (5) FACES APPLAUDING ALONE 2008 (6) SUBTITLES FOR STOLEN PICTURES 2007 (7) EVERYWHERE WAS THE SAME 2007 (8) TOTAL ECLIPSE 2007

WAHAB
Toni Serra (aka Abu Ali), Frankreich/Marokko 1994, OF, 4 min

Eine Plastiktüte, die sich in den Straßen von Tangier verirrt.

Toni Serra, alias Abu Ali, wurde 1960 in Barcelona geboren und lebt sowohl in Duar Msuar (Marokko) als auch in Barcelona. Die meisten seiner Arbeiten untersuchen die Grenze zwischen persönlicher Erfahrung und sozialem Umfeld und fokussieren dabei Themen wie steigenden Kontrollverlust, Manipulation von Identitäten und Gemeinschaften und die Rolle und Macht der Medien. Er ist Gründungsmitglied von OVNI Archives Observatorio de Video No Identificado.

VUE AERIENNE
Bouchra Khalili, Marokko/Frankreich 2006, OmE, 9 min

Ein Flug über eine unbekannte westliche Großstadt. Man sieht einen großen Fernsehbildschirm, der Werbebilder an öffentliche Orte projiziert, eine hochurbanisierte Architektur, einen überfüllten Strand. Gleichzeitig hört man Stimmen, die – schon geplatzte oder noch bevorstehende – Verabredungen treffen. Kino wird als Utopie gezeigt und „die Welt als das Streben nach Repräsentation“.

Bouchra Khalili wurde in Casablanca geboren. Sie ist Programmleiterin und Vorstandsmitglied der Cinémathèque de Tanger, einer 2006 von KünstlerInnen ins Leben gerufenen Organisation, deren Ziel es ist, die marokkanischen Filmkultur zu fördern, und dem Publikum Tangiers hochwertige, vielfältige Programme zu bieten. Ihr künstlerisches Werk wurde international ausgestellt.

UN ALLER SIMPLE (A ONE-WAY TICKET)
Ammar Bouras, Algerien 2003, Video, OF, 5 min

UN ALLER SIMPLE thematisiert das Phänomen der Bewegung und zeigt die Unmöglichkeit eines Lebens an einem gewaltfreien Ort. Gefilmt wird aus dem Auto des Künstlers bei einer endlosen Fahrt durch die Hauptstadt und andere Regionen des Landes. Im Hintergrund sind Telefonnachrichten zu hören – die einzige Verbindung zur Außenwelt. Diese Verbindung wird nicht gekappt, das „gewöhnliche Leben“ wird zum Synonym des Durchhaltens.

Ammar Bouras’ künstlerische Arbeit umfasst Fotografie, Video, Experimentalfilm und Bildhauerei. Seine Videokunst speist sich aus Live-Events und Archiven, die postkoloniale Politik und soziales Gedächtnis zu einer akustischen, poetischen Mischung verbinden. Dies trifft auch auf SERMENT (OATH) und UN ALLER SIMPLE zu, die eine Art Reise in die Erinnerung des verwundeten Landes Algerien sind. Diese Reise führt auch zur Ungewissheit der Gegenwart, in der der Alltag zum Zeuge von Terror und Problemen wird, mit dem die gesamte postkoloniale Bevölkerung konfrontiert ist.

OH TORMENT (WA WAILAH)
Monira Al Qadiri, Kuwait 2008, OF, 10 min

Eine Serie von repetititven Choreografien, wird zu Addul Wahab Al Rashids traurigem Liebes- und Klagelied in Szene gesetzt. OH TORMENT ist ästhetisch irgendwo zwischen einem Shakespeare-Stück und einem MTV Video einzuordnen: prunkvolle und farbenfrohe zeitgenössische Bilder werden mit traditioneller Ausstattung kombiniert. Al Qadiri überprüft Geschlechterrollen und andere Konventionen, indem sie die geschlechtstypischen „Merkmale“ verkehrt.

Monira Al Qadiri wurde 1983 im Senegal geboren. Durch den Einfluss ihrer Mutter, einer anerkannten kuwaitischen Künstlerin und Schriftstellerin, fing sie in jungen Jahren an zu malen und entwickelte ein besonderes Interesse für japanische Animationen. 1999 ging sie mit einem Stipendium nach Tokyo, mit ihrem Abschluss 2005 stellte sie auch ihren ersten Animationsfilm Visual Violence fertig. Seither hat sie verschiedene Filme, Animationsfilme und graphische Arbeiten produziert.

FACES APPLAUDING ALONE
Ahmad Ghossein, Libanon 2008, OF, 7 min

Mit Videomaterial aus den 1980ern und einem Voiceover aus einem Briefwechsel zwischen Rachid Ghossein und Mariam Hamadeh (Familie des Künstlers), denkt dieser Realkurzfilm über die Zeitspanne zwischen dem Verbliebenen und dem Vergangenen nach.

Ahmad Ghossein, geboren 1981 in Beirut, ist Filmemacher und Videokünstler. Seine Arbeiten wurden unter anderem im MoMA und im New Museum in New York, Kunsthallen in Oslo, Home Works in Beirut, auf dem Dubai Filmfestival gezeigt, sowie dem Forum Expanded der Berlinale (2012).

SUBTITLES FOR STOLEN PICTURES
Rheim Alkadhi, Irak/USA 2007, Video, OF, 8 min

Das Video, das Pressefotos des Irakkriegs zeigt, beruht auf zwei Elementen: Bildern und Untertiteln. Die Einzelbilder setzen sich zu der Geschichte einer anonym bleibenden Zivilistin zusammen, deren häusliche Tätigkeiten von ihrem eigenen Tod unterbrochen werden. Ihre Untertitel jedoch leben auf geheimnisvolle Art und Weise weiter.

Rheim Alkadhi arbeitet in verschiedensten künstlerischen Disziplinen. 1973 geboren, wuchs sie mit doppelter Staatsbürgerschaft im Irak und den USA auf. Die frühe Kindheit in Bagdad prägte ihr emotionales, sprachliches und ästhetisches Verständnis, das ihre Kunst bis heute beeinflusst. Daraus ergibt sich in ihrer Kunst eine visuelle Auseinandersetzung mit Kriegsgeschehen aus einer psychologischen Sichtweise, die häufig zum Absurden tendiert.

EVERYWHERE WAS THE SAME
Basma Al-Sharif, Libanon 2007, OF, 12 min

Eine Diashow aus Aufnahmen verlassener Orte erzählt die Geschichte zweier Mädchen, die auf geheimnisvolle Weise an der Küste eines prä-apokalyptischen Paradises auftauchen. Sachtexte aus Quellen wie dem Madrider Friedensabkommen oder dem CIA World Factbook werden in eine fiktive Erzählung verflochten, die die Geschichte eines Massakers erzählt.

Basma Al-Sharif, 1983 in Kuwait geboren, ist amerikanische Staatsbürgerin palästinensischer Herkunft. Ihre Arbeiten werden international bei Ausstellungen und auf Festivals gezeigt, unter anderem bei der Manifesta 8 (2010), dem Toronto International Film Festival (2010), dem London Palestine Film Festival (2010), der 9. Sharjah Biennale (2009) und dem Forum Expanded der Berlinale (2011). Sie lebt und arbeitet in Beirut, Libanon.

TOTAL ECLIPSE (ECLIPSE TOTALE)
Yacine Mohamed Benelhadj, Algerien 2007, OmE, 8 min

Der Film erzählt von zwei Männern, die grundlos streiten. Die Auseinandersetzung beginnt in einem farbenprächtigen Markt voller Obst- und Gemüsestände und setzt sich an zunehmend kargen – bis asketisch schmucklosen – Drehorten fort, während sich auch die physische Konstitution der beiden Kämpfenden sichtbar verschlechtert.

Yacine Mohamed Belhadj, geboren 1981, schloss ein Medizinstudium ab um sich anschließend dem Drehbuchschreiben und Filmemachen zu widmen. TOTAL ECLIPSE wurde ohne jegliche Finanzierung umgesetzt. Belhadj hat außerdem drei Langspielfilme geschrieben, sein jüngstes Projekt ist ein mittellanger Film mit dem Titel Rani Myet.