September 2020, distribution news

"Olanda"

von Bernd Schoch

Der Sternenhimmel über den rumänischen Karpaten. Ein wucherndes Myzel. Die ersten zwei Bilder stecken die Dimensionen ab, denen sich OLANDA widmet: Details und feine Strukturen auf der einen, Konstellationen und das große Ganze auf der anderen Seite. Im Zentrum steht dabei ein saisonales Wirtschaftsgut der Gegend – der Pilz. Unter den Menschen sind ihm die Sammler*innen am nächsten und der Film ist vor allem bei ihnen, auf Gängen durch den Wald, im Zeltlager, bei Autofahrten und Gesprächen.

Von hier aus folgt er den rhizomartigen Verästelungen, die sich in Form von Geld immer weiter verzweigen: zu lokalen und international agierenden Händlern, zu einem improvisierten Schuhmarkt auf einer Lichtung, zum Glücksspiel unter Kollegen. Jenseits einer Analyse von ökonomischen Strukturen aber ist er auch das sinnliche Dokument eines Rhythmus des Alltags im Wald, wie ihn die Sammler als erstes Glied in der Verwertungskette erleben. Ein audiovisueller Pilz-Trip in die magische Welt der karpatischen Wälder.

Homepage des Films mit weiteren Texten, Presseheft etc.

Trailer (OmeU)

Berlinale Forum Homepage u.a. mit einem Filmgespräch

Moshroom of the day Homepage

Bernd Schoch (*1971 in Ettlingen) studierte Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Von 2008 bis 2016 war er Künstlerischer Mitarbeiter an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Seit 2008 ist Bernd Schoch Mitglied des Kollektivs Dokumentarfilmwoche Hamburg. Er lebt und arbeitet in Hamburg. Filme (Auswahl) 2005: Slide Guitar Ride. 2006: Onset/Offset. 2007: Casinoul Poporuliu (Mixed Media Installation, mit Heiko Sievers), Brand New World – Stufe 1 (mit Holger Lauinger). 2011: Aber das Wort Hund bellt ja nicht. 2014: Kurze Ecke. 2015: Vor der Sperre. 2019: Olanda.

Am 15.10. feierte OLANDA in der Kinemathek Hamburg seine Vorpremiere. Am 16.10. fandt ein umfassendes, performatives Symposium mit Live-Stream rund um die Themen 'Pilzkultur und Kapitalismus' im Kunstverein Hamburg statt. Beide Veranstaltungen wurden im Rahmen der "Besonderen Maßnahme" von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein gefördert.