juli 2019, kino arsenal

Pionierinnen des Film Noir –
 Muriel Box, Edith Carlmar, Bodil Ipsen, Ida Lupino, Wendy Toye

Die 1940er und 1950er Jahre erlebten weltweit eine Blütezeit weiblichen Filmschaffens, wobei zahlreiche Filmemacherinnen ihre Regiekarriere im Genre des Film Noir begannen. Dieses Programm versammelt 13 Spielfilmarbeiten sowie drei Kurzfilme von fünf Pionierinnen des Film Noir: Muriel Box (Großbritannien), Edith Carlmar (Norwegen), Bodil Ipsen (Dänemark), Ida Lupino (USA) und Wendy Toye (Großbritannien).Die Regeln des Genres bisweilen subtil unterwandernd, schufen diese Filmemacherinnen anhaltend faszinierende Filme, die eine individuelle Handschrift tragen und oftmals ein feministisches Anliegen verfolgen. Neben dem Schwerpunkt auf ihren Film-Noir-Werken enthält das Programm auch ausgewählte Arbeiten aus anderen Genres, allen voran der Komödie, aber auch des Spionage- und Kriegsfilms, die die inszenatorische Bandbreite der Regisseurinnen verdeutlichen.

Das vom 6. Juli bis 8. August gezeigte Programm untersucht ein bislang noch weitgehend ungeschriebenes Kapitel des Filmschaffens von Frauen, das einige Rätsel aufgibt: Mit Ausnahme Lupinos (die zwischen 1949 und 1966 Filme realisierte) währten die Regiekarrieren der anderen vier Filmemacherinnen fast genau zehn Jahre, bevor sie abrupt endeten. Auch in archivarischer Hinsicht befindet sich die Erschließung der jeweiligen Œuvres in einem ungenügenden Zustand: Einige (für das Programm relevante) Filme aus den Filmografien Carlmars, Ipsens, Box’ und Toyes sind derzeit nicht einmal in digital aufgearbeiteter Form vorführbar. So wäre etwa Toyes Langfilmdebüt, der Thriller "The Teckman Mystery" (1954), ein zentraler Film für dieses Programm gewesen, von ihm ist aber weltweit keine vorführbare Kopie erhältlich; das Gleiche gilt für Muriel Box’ einzigen Film Noir, "Eyewitness" (1956). Mithin versteht sich die Reihe als Anstoß zur umfassenden Wiederentdeckung dieser Kinopionierinnen.

juli 2019, kino arsenal

Berliner Premiere: "La flor"

LA FLOR (The Flower, Mariano Llinás, Argentinien 2018) ist ein herausragendes Filmprojekt der Gegenwart: Ein Regisseur und seine vier Darstellerinnen spielen mit dem Kino, und ihr Spieltrieb kennt keine Grenzen. Sie kreieren Fantasieräume, scheren sich nicht um Sinn, Logik, Dramaturgie – und sie vergessen die Zeit. Die Filmgeschichte ist ihr Abenteuerspielplatz, auf dem sie über zehn Jahre verbringen, um ein fast 14-stündiges Werk fertigzustellen. Allerdings lässt sich wohl kaum von einer abgeschlossenen Geschichte sprechen. LA FLOR ist ein im besten Sinne offenes Kunstwerk, ein Bildergewächs, das immer neue Blüten zum Vorschein bringt, ein Streifzug durch das Genrekino, eingeteilt in drei Kapitel, sechs Episoden, acht Akte.

Mariano Llinás vom Filmkollektiv El Pampero Cine und die Schauspielerinnentruppe Piel de Lava fordern das Publikum auf, den verschlungenen Wegen ihrer Erzählungen zu folgen, die sich mal kreuzen, dann wieder Umwege nehmen oder schlicht ins Leere laufen. Ein B-Movie muss nicht zwangsläufig in einem lautstarken Showdown enden. Die unzähligen Off-Stimmen im Agententhriller widersprechen einander, führen bewusst in die Irre, während die Bilder eine weitere Version der Geschichte bereithalten. Musikalische Intermezzi erinnern an klassische Vorführungen in den prunkvollen Kinopalästen der 30er und 40er Jahre. Zum Spiel gehört auch ein gewisser Ernst, den die Schauspielerinnen Elisa Carricajo, Pilar Gamboa, Valeria Correa und Laura Paredes mit schöner Hingabe bei gleichzeitiger Distanz darbieten. Dabei reflektieren sie sowohl ihre eigene Rolle als auch tradierte Rollenbilder. Während sich das Werk und seine Darstellerinnen permanent neu finden und erfinden, sieht man sich selbst beim Schauen und Staunen zu.

LA FLOR wurde auf zahlreichen Festivals enthusiastisch aufgenommen. Jetzt zeigt das Arsenal das Werk als Berliner Erstaufführung kompakt an drei Abenden (12. bis 14. Juli) und in der Folge auch in einzelnen Akten.

juli 2019, kino arsenal

Zwei oder drei Dinge, 
die ich über 
Lateinamerika weiß

Das unscharfe und wechselnde Verständnis von Filmformen in Lateinamerika hat sich fortwährend mit anderen unbeständigen Kategorien wie etwa „Avantgarde“, „experimentell“, „militant“, „dokumentarisch“ und „Drittes Kino“ vermischt. Glauber Rocha, Filmemacher und Theoretiker des Cinema Novo, schrieb 1971 in einem Manifest, dass ein Werk revolutionärer Kunst nicht nur unmittelbar politisch wirken sollte, sondern auch ein philosophisches Nachdenken fördern und somit eine Ästhetik von ewigem menschlichem Bestreben nach „kosmischer Verbundenheit“ schaffen sollte. Wie dieses ehrgeizige Vorhaben umsetzbar wäre, blieb (und bleibt) allerdings eine offene Frage.

Mit diesem Programm vom 10.-16. Juli bieten die beiden Kuratoren, Jesse Lerner und Luciano Piazza, mögliche Antworten auf Rochas Aufruf zu einem revolutionären, spekulativen Kino an. Die Filmauswahl wurde angeregt durch die umfangreiche Sammlung lateinamerikanischer Filme im Archiv des Arsenal und eine vorangegangene Zusammenarbeit, „Ism, Ism, Ism“, der beiden Kuratoren.

juli 2019, kino arsenal

Magical History Tour
 – Farbe im Film

Die Einführung des Farbfilms Mitte der 30er Jahre und die Entwicklungen auf diesem Gebiet gehören zu den bedeutendsten ästhetischen Innovationen der Kinematografie. Die Farbe im Film ist ein wichtiger Bestandteil der Bildorganisation sowie der filmischen Dramaturgie und darüber hinaus ein grundlegendes Element der Filmwahrnehmung.

Im Juli geben wir mit 13 Filmen einen Einblick in die große Bandbreite des filmischen Umgangs mit und der Verwendung von Farbe im Film zwischen narrativer Bindung und Farb-Autonomie.

kino arsenal: Die DEFA-Stiftung präsentiert

19:00 Kino 2


Er könnte ja heute nicht schweigen

Arnold Zweig

Wissen Sie nicht, wo Herr Kisch ist?

Spuren

Er könnte ja heute nicht schweigen
Volker Koepp DDR 1975 35 mm 34 min
Arnold Zweig Joop Huisken DDR 1962 DCP 20 min
Wissen Sie nicht, wo Herr Kisch ist?
Eduard Schreiber DDR 1985 35 mm 19 min
Spuren Eduard Schreiber DDR 1989 35 mm 21 min

Zu Gast: Eduard Schreiber
Einführung: Grit Lemke
kino arsenal: 8. ALFILM – Arabisches Filmfestival Berlin

19:00 Kino 1


The War Show

The War Show Andreas Dalsgaard und Obaidah Zytoon
Dänemark/Finnland/Syrien 2016 DCP OmE 100 min

Anschließend Gespräch mit Obaidah Zytoon
kino arsenal: Die DEFA-Stiftung präsentiert

21:00 Kino 2


Malik

Die ganze Welt soll bleiben – Erich Fried – Ein Porträt

Walter Ballhause – einer von Millionen

Zeichner – Zeuge – Zeitgenosse

Malik Giovanni Angella DDR 1967 35 mm 18 min
Die ganze Welt soll bleiben – Erich Fried – Ein Porträt
Roland Steiner DDR 1988 35 mm 31 min
Walter Ballhause – einer von Millionen
Karl-Heinz Mund DDR 1982 35 mm 21 min
Zeichner – Zeuge – Zeitgenosse
Jörg d'Bomba DDR 1970 DCP 13 min

Zu Gast: Eduard Schreiber
Einführung: Grit Lemke
kino arsenal: 8. ALFILM – Arabisches Filmfestival Berlin

21:30 Kino 1


Mimosas

Mimosas Oliver Laxe
Marokko/Spanien/Katar/Frankreich 2016
DCP OmE 93 min