april 2018, kino arsenal

Werkschau Ruth Beckermann

Ruth Beckermann macht seit 40 Jahren Dokumentarfilme. Ihr Name steht für ein politisches Kino, das sich auf Grundlage genauer Beobachtungen mit Österreich, dem Judentum, Fragen nach individueller Herkunft und kollektiver Identität sowie deren Brüchen und Ambivalenzen auseinandersetzt. Die Nazi-Zeit, Antisemitismus, Fremdenhass und Migration sind Themen in all ihren Arbeiten. Seit der Trilogie von Filmen über jüdisches Leben (WIEN RETOUR, DIE PAPIERENE BRÜCKE, NACH JERUSALEM) bis hin zu ihrem ersten, bislang einzigen Spielfilm DIE GETRÄUMTEN und zu ihrem aktuellen Film WALDHEIMS WALZER, für den sie jüngst den Dokumentarfilmpreis der Berlinale erhalten hat, zeichnet sich ihr vielschichtiges Werk durch vielfältige Passagen zwischen Gegenwart und Vergangenheit aus. Ihre Auseinandersetzung mit der Geschichte findet stets entlang gegenwärtiger Konstellationen statt. Meist liegt ihren Filmen eine Reise zugrunde, die Bewegung ist ihr konstitutives Moment: Reisebewegung, Suchbewegung, Denkbewegung. Eine geschlossene Erzählform strebt Beckermann nicht an, sie hält sich konsequent offen für verschiedenste Vorgehensweisen, ihre Filmpraxis wird über die Jahre immer freier und essayistischer. Ihre stets persönliche Sicht auf die Dinge vermittelt sie als Erzählerin und Kommentatorin aus dem Off, die Präsenz ihrer unverwechselbaren, wienerisch gefärbten Stimme kennzeichnet ihr dokumentarisches Werk.

Vom 19.-27.4. präsentiert das Arsenal in einer Werkschau die elf langen Dokumentarfilme von Ruth Beckermann aus den Jahren 1983 bis 2018. Wir freuen uns sehr, dank der Unterstützung durch das Österreichische Kulturforum die Filmemacherin vom 19. bis 21. April für eine Reihe von Publikumsgesprächen zu Gast zu haben. Ein 2016 erschienenes Buch über Beckermanns Schaffen (herausgegeben von Alexander Horwath und Michael Omasta) ist an der Kasse erhältlich.

april 2018, kino arsenal

Magical History Tour: 
Land in Sicht – Landschaften im Film

Landschaften sind aus Filmen nicht wegzudenken. So vielgestaltig die realen oder virtuellen Szenerien, so umfassend und divers das Potential dieser Topografien und ihrer Funktionen: Landschaften im Film erzählen Geschichten, kreieren oder spiegeln Stimmungen, greifen ihnen vor oder lassen sie ausklingen, sie übernehmen die Hauptrolle, werden zu Seelenlandschaften oder dienen als symbolreiche Kulisse, oft statisch-ruhend im rasanten Fluss der Handlung. Filmische Landschaften sind das „freieste Element des Films, das flexibelste, um Stimmungen, Gefühle und spirituelle Erfahrungen zu vermitteln.“ (Sergej Eisenstein) Vom Anbeginn der Kinematografie übten Landschaftsaufnahmen – sowohl Darstellungen exotisch-fremder Gegenden als auch der heimatlichen Gefilde – große Faszination auf das frühe Publikum aus. Später konstruierten Filme der landschaftsintensiven Genres, Berg-, Heimat-, Kriegsfilm oder Western, spektakuläre Panoramen einer meist übermächtigen Natur. Jenseits der Genrekonventionen eröffnet sich im Dokumentar-, Spiel- und Experimentalfilm ein weit verästeltes Feld von Landschaftsdarstellungen, ihrer Konstruktion und Infragestellung, welches wir mit zwölf Filmen im April ansatzweise beleuchten möchten.

april 2018, berlinale forum

Kinostart "Spell Reel"

2011 tauchte in Guinea-Bissau ein Film- und Tonbandarchiv auf, das den Befreiungskampf gegen die Kolonialmacht Portugal (1963–74) dokumentiert. SPELL REEL (Deutschland/Portugal 2017) von Filipa César ist das Ergebnis eines vielschichtigen Recherche- und Digitalisierungsprojekts in Kooperation mit den guineischen Filmemachern und Freiheitskämpfern Sana na N’Hada und Flora Gomes. Beide begannen nach ihrer Filmausbildung in Kuba Anfang der 60er Jahre, die Kamera als Beobachter einzusetzen. Das wiedergefundene Archivmaterial wurde zunächst durch das Arsenal digitalisiert, um dann an verschiedenen Orten gezeigt, kommentiert, diskutiert und neu imaginiert zu werden. Ein mobiles, transnationales Kino, das zwischen abgelegenen Dörfern in Guinea-Bissau und europäischen Hauptstädten das Archiv zu einem Ort macht, an dem Menschen nach Gegenentwürfen zu einer Welt im Ausnahmezustand suchen.

Nun bringt arsenal distribution den Film, der im Forum 2017 uraufgeführt wurde, am 12.4. in die Kinos. Vorab zeigen wir ihn am 10.4. im Arsenal in Anwesenheit der Regisseurin und weiterer Gäste und präsentieren eine Sichtung zusätzlichen Filmmaterials mit Gespräch. Weitere Vorführungen in Berlin mit Gästen finden am 11.4. im Wolf-Kino statt sowie am 13.4. im Archive Kabinett mit Präsentation des Buches "Luta ca caba inda. Time Place Matter Voice. 1967–2017".

kino arsenal: Harun-Farocki-Schulworkshop III

10:00 Kino 1


Gegen-Musik

Musik-Video

Nicht löschbares Feuer

Gegen-Musik Harun Farocki D 2004 Digital file 23 min
Musik-Video Harun Farocki D 2000 DV 1 min
Nicht löschbares Feuer Harun Farocki BRD 1969 16 mm 23 min

Moderation: Eunice Martins & Laura Mello Ab 10. Klasse Anmeldung unter: schlueter@arsenal-berlin.de
kino arsenal: Cinepoetics Lecture #4: Erica Carter

17:00 Kino 1


Le malentendu colonial

Le malentendu colonial The Colonial Misunderstanding
Jean-Marie Teno Kamerun/D/F 2004 35 mm OmE 78 min

kino arsenal: Cinepoetics Lecture #4: Erica Carter

19:00


Vortrag von Erica Carter

Vortrag von Erica Carter (King’s College London): "Spectres of colonial whiteness"
In englischer Sprache Eintritt frei
Im Veranstaltungsraum der Deutschen Kinemathek, 4. OG des Filmhauses

kino arsenal: Die DEFA-Stiftung präsentiert

19:00 Kino 2


Der Fackelträger

Der Fackelträger Johannes Knittel DDR 1955
DCP 81 min

Ralf Jesse (Eurotape Media Services) im Gespräch mit René Pikarski
kino arsenal: Neues französisches Kino

19:30 Kino 1


Le bois dont les rêves sont faits

Le bois dont les rêves sont faits The Woods Dreams Are Made of
Claire Simon Frankreich/Schweiz 2015 DCP OmE 144 min

kino arsenal: Die DEFA-Stiftung präsentiert

21:00 Kino 2


Tanz am Sonnabend – Mord

Tanz am Sonnabend – Mord Heinz Thiel DDR 1961
DCP 86 min

Ralf Jesse (Eurotape Media Services) im Gespräch mit René Pikarski