dezember 2019, kino arsenal

Retrospektive Kenji Mizoguchi

Gerühmt für das fließende Gleiten seiner Kamerafahrten und die beeindruckende Schönheit seiner Bildkompositionen; gefeiert für die Komplexität seiner minutenlangen Plansequenzen und für die außergewöhnliche Sorgfalt und Präzision, mit der er Landschaften, Architekturen und Dekors zu zentralen Protagonisten seiner Filme machte; ausgezeichnet gleichermaßen für seine frühen schonungslosen Sozialstudien sowie für seine berührenden, historischen Melodramen: Kenji Mizoguchi (1898–1956) gehört zweifellos zu den großen Regisseuren des japanischen Kinos. Dabei wurde er außerhalb Japans erst mit seinem Spätwerk in der Folge zahlreicher Auszeichnungen auf europäischen Filmfestivals für SAIKAKU ICHIDAI ONNA (The Life of Oharu, 1952), UGETSU MONOGATARI (Tales of the Rain and Moon, 1953) und SANSHO DAYU (Sansho the Bailiff, 1954) bekannt. Die Möglichkeit eines umfassenderen Einblicks in Mizoguchis umfangreiches Werk – seine ersten Filme stammen aus den 20er Jahren, insgesamt sind unter seiner Regie weit über 80 Filme entstanden – bot sich entsprechend spät und muss auch heute noch ausschnitthaft bleiben, da ein Großteil seiner frühen Arbeiten nicht erhalten ist. Dessen ungeachtet positioniert das überlieferte Œuvre Mizoguchi als einen Fixstern der internationalen Filmgeschichte; dabei öffnet es sich unterschiedlichen Zugängen, beschreibt Zickzacklinien zwischen Genres und Filmstudios, verfolgt vielfältige formale Ansätze und Themen.

In punkto Stellenwert und Strahlkraft seiner Filme wird Mizoguchi oft in einer Reihe mit seinen Regie-Kollegen Yasujiro Ozu oder Akira Kurosawa genannt. Mizoguchis Filme sind jedoch vergleichsweise selten im Kino zu sehen. Umso mehr freuen wir uns, mit Hilfe einer Förderung durch den Hauptstadtkulturfonds im Dezember eine lange überfällige Retrospektive mit 22 Filmen Mizoguchis im Arsenal präsentieren zu können und damit ein Werk von singulärem inszenatorischen, bildlichen und narrativen Reichtum sowie großer emotionaler Tiefe zu erschließen.

dezember 2019, kino arsenal

Gerhard Friedl – Operativer Film

„Mir stellt sich Faszination und Abscheu ein angesichts der Geschichte des Hochkapitalismus“, schreibt Gerhard Friedl 2005 im Exposé zu einem Film, der nicht verwirklicht werden konnte. „Zugleich habe ich ein Verlangen, diese Zeit zu verstehen und mir ein Bild zu machen. Dem Bild, das ich schon habe, misstraue ich.“ Die drei Sätze sind dem kürzlich von Volker Pantenburg herausgegebenen Band „Gerhard Friedl. Ein Arbeitsbuch“ (FilmmuseumSynemaPublikationen 34) vorangestellt; in ihnen kristallisieren sich zentrale Aspekte seines schmalen Werks: Ein rigoroser Blick auf die Geschichte und Gegenwart gesellschaftlicher Strukturen verbindet sich mit dem Anspruch, gegen die Zumutungen und Rücksichtslosigkeiten des Systems mit filmischen Mitteln operativ vorzugehen. Friedl, geboren 1967 in der Steiermark, drehte zwischen 1992 und 2009, seinem Todesjahr, sechs Filme und Videoarbeiten, zwei davon gemeinsam mit der Künstlerin Laura Horelli.

Wir zeigen am 5. und 7. Dezember erstmalig alle Filme im Zusammenhang in Berlin.

dezember 2019, distribution news

Neu im Verleih von arsenal distribution

Vom 12. - 15. Dezmeber präsentiert arsenal distribution eine Auswahl künstlerischer Arbeiten als Berliner Kinopremieren in Anwesenheit der Filmemacher*innen:

DESERT VIEW von Daniel Kötter, Constanze Fischbeck und der Familie Barakat (Deutschland 2018), die Trilogie NACHT UND NEBEL (Israel 2011), WIE AUS DER FERNE (Deutschland/Österreich 2013) und WHITECITY (Deutschland 2018) von Dani Gal sowie dessen FIELDS OF NEUTRALITY (THE LAST INTERVIEW WiTH LUDWIG MIES VAN DER ROHE) (Deutschland 2019), die Teile 4-6 des Langzeitprojekts IN ARBEIT von Minze Tummescheit und Arne Hector (Deutschland 2007-2017), Katrin Peschs EDGEWOOD (USA 2019) und FINDING THINGS I DON’T WANT TO FIND (USA 2016) sowie RASENDES GRÜN MIT PFERDEN von Ute Aurand (Deutschland 2019).

dezember 2019, kino arsenal

Magical History Tour - Körper im Film

Seit Beginn der Kinematografie geht ein wichtiger Teil der Faszination bewegter Bilder von der Körperdarstellung der agierenden Personen auf der Leinwand aus: Die ersten Filmaufnahmen zeigen nicht von ungefähr gut gelaunte Arbeiter, turnende Männer oder übermütige Kinder. Es dauerte nicht lange, bis Méliès diesen kurzen dokumentarischen Aufnahmen filmische (Körper-)Experimente der fantastischen, aber auch der drastischen Art zur Seite stellte: Bilder von eleganten Tänzerinnen, die von Zauberhand verschwinden, aber auch von kopflos wandelnden Skeletten oder von Luftballon-gleich aufgeblasenen und zerplatzenden Köpfen. Ausgehend von diesen gegensätzlichen Polen hat sich die Inszenierung von Körper(teile)n im Film zu einem elementaren Kunstmittel des Kinos entwickelt, dessen verschiedenartige Ausformungen in den letzten Jahrzehnten wesentlich das Nachdenken über die menschliche Physis beeinflusst haben.

Die Magical History Tour im Dezember präsentiert signifikante Körperbilder aus 90 Jahren Filmgeschichte und zeigt Sehnsuchtsträger, Fremdkörper, Projektionsflächen, Kollektivkörper, Wiedergänger in ihrer besonderen physischen Präsenz.

dezember 2019, living archive

arsenal 3 im Dezember: Kurzfilme der Sudanese Film Group

Bild aus JAGDPARTIE

Kino im Internet: Exklusiv für unsere Mitglieder streamen wir Restaurierungen und Digitalisierungen aus der Sammlung des Arsenal, ergänzt mit Texten, Interviews und Clips. Im Dezember präsentieren wir Kurzfilme der Sudanese Film Group. In den späten 70er und frühen 80er Jahren gab eine Gruppe von Filmemachern, die in der Filmabteilung des Kulturministeriums arbeiteten, das Magazin CINEMA heraus. Im April 1989 gründeten sie die Sudanese Film Group (SFG), um unabhängiger vom Staat agieren zu können. Am 30. Juni 1989 beendete der Putsch, der ein Misstrauen gegenüber allen Formen der Kunst mit sich brachte, jegliche kulturelle Bestrebungen. Alle zivilgesellschaftlichen Organisationen wurden verboten. Erst im Jahr 2005 konnte sich die SFG erneut registrieren. Das Arsenal ließ 2018 sieben Werke dieser Filmemacher digital restaurieren, darunter DIE JAGDPARTIE von Ibrahim Shaddad, den er 1964 an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg drehte.

kino arsenal: la > x

10:15 Kino 1


Untitled (the Great Society) II

Farocki

Junior War

Hit Wave

Spiral of Time Documentary FilmUntil, Until, Until...

Baldessari sings LeWitt

() Parenthesis

Los Angeles

Begrüßung und Eröffnung des Festivals: Marc Glöde
10.30: Untitled (the Great Society) II Rodney McMillian 2006 3 min
Preacher Man Rodney McMillian 2015 6 min
Untitled  (Sheet Performance) Rodney McMillian 2005 4 min
A Song For Nat Rodney McMillian 2012 6 min
Untitled  (The Great Society) II Rodney McMillian 2006 16 min
A Migration Tale Rodney McMillian 2014–2015 10 min
Mit freundlicher Genehmigung von Susanne Vielmetter, Los Angeles Projects
11.30: Farocki James Benning 2014  77 min
Mit freundlicher Genehmigung von Neugerriemschneider
13.00: A Family Finds Entertainment Ryan Trecartin 2004 40 min
Junior War
Ryan Trecartin 2013 25 min
Mit freundlicher Genehmigung von Regen Projects, Los Angeles, und Sprüth Magers
14.30: Hit Wave Alex Hubbard 2012 5 min
Mit freundlicher Genehmigung von Galerie Neu
Federal Building Julie Becker 2002 29 min
Mit freundlicher Genehmigung von Estate and Greene Naftali, New York
New Wave Theatre With Peter Ivers Vol. 1 Peter Ivers 1982 28 min
15.30: Rainbow Party on 70mm Film Jennifer West 2008 1 min
A 70mm Film Wearing Thick Heavy Black Liquid Eyeliner that Gets Smeary
Jennifer West 2008 1 min
Salt Crystals Spiral Jetty Dead Sea Five Year Film
Jennifer West 2013 1 min
Spiral of Time Documentary Film
Jennifer West 2013 9 min
Pink Beach Red Desert Dream Sand Film
Jennifer West 2017 4 min
Film Title Poem (Special short version)
Jennifer West 2016 35 min
Mit freundlicher Genehmigung von Marc Foxx
Zu Gast: Jennifer West
16.30: Until, Until, Until... Edgar Arceneaux 2015 30 min
Mit freundlicher Genehmigung von Susanne Vielmetter, Los Angeles Projects
Zu Gast: Edgar Arceneaux
17.30:  Statements and projections – Gespräch: 50 Jahre Partnerstädte Berlin / LA
18.15: Baldessari sings LeWitt John Baldessari 1972 13 min
Mit freundlicher Genehmigung von Sprüth Magers
18.45: () Parenthesis Morgan Fisher 2003 21 min
Picture and Sound Rushes Morgan Fisher 1973 11 min
() Parenthesis Morgan Fisher 2003 21 min
Mit freundlicher Genehmigung von Buchholz
Zu Gast: Morgan Fisher
19.45: Statements and projections – Künstlergespräch: „What is political?“
20.30: Los Angeles Sarah Morris 2004 27 min
Mit freundlicher Genehmigung von Capitain Petzel
21.00: Konzert: Stephen Prina
Eintritt frei

kino arsenal: Magical History Tour – 
Close-up: Gesicht

19:30 Kino 2


The Scarlet Empress

*The Scarlet Empress Josef von Sternberg USA 1934
Mit Marlene Dietrich
35 mm OF 110 min