Mai 2009, kino arsenal

I Went To The Zoo The Other Day

SWEETGRASS, 2009

Der Akt des Sehens ruft Geschichten in uns hervor. Inwieweit sind es erzählte Geschichten, durch die wir kommunizieren und verstehen? Tiere und Menschen dienen in dieser Reihe weniger als Vergleichsobjekte denn als Projektionsflächen für Bewusstes und Unbewusstes. Alle Filme sind neu und kommen fast ohne Sprache – oder mit Assoziativsätzen – aus. Béla Balázs stellte 1925 die Bedeutung des Kinos für die Sprachbildung heraus: "Der modernen Gesellschaft ist die Körper- und Gebärdensprache verloren gegangen, im Kino der stummen Filme können wir sie wiedergewinnen – zumal eine Sprache der Erotik." (Balázs 1925)

In Luo Lis Schwarzweißfilm I WENT TO THE ZOO THE OTHER DAY (Kanada 2009, 20.5.) schlendern eine Frau und ein Mann durch den Zoo. Sie plaudern – über Gott und die Welt, in Serbisch (mit engl. Untertiteln). Sie trennen sich, finden sich wieder, betrachten Tiere und andere Zoobesucher.

In ONE MAN VILLAGE (Libanon 2008, 21.5.) zeigt Simon El Habre das Leben des einzigen Bewohners des Dorfes Ain El-Halazoun. Der libanesische Bürgerkrieg zwang die Dorfbevölkerung 1982 zur Flucht. Dauerhaft zurückgekehrt ist nur Semaan, der in einem von Ruinen umgebenen Haus lebt, allein mit seinen Tieren.

THE MUZZLED HORSE OF AN ENGINEER IN SEARCH OF MECHANICAL SADDLES (Khavn De La Cruz, Philippinen 2008, 27.5.) ist ein Stummfilm mit elektronischer Punk-Musik. Nachdem ein Angestellter seinen Job verliert, beginnt er einen Irrlauf durch Manila. Von existenziellen Ängsten getrieben, fühlt er sich wie magisch von Pferden angezogen, bis seine zwanghafte Fixierung schließlich zum vollständigen Kontrollverlust führt.

Für SWEETGRASS (USA 2009, 28.5.) haben die Anthropologen und Filmemacher Lucien Castaing-Taylor und Ilisa Barbash in den USA die Schafzucht auf einer Ranch in Familienbesitz dokumentiert. Blickanordnungen zwischen Schafen und Hirten strukturieren Ordnungssysteme, Herdenbewegungen werden zu choreographierten Massenszenen, eine Schur wird zur Machterfahrung am Körper. (28.5.)

Eine Filmreihe in Kooperation mit zwei Ausstellungen: "Tier-Werden, Mensch-Werden" (9.5.– 14.6.) in der NGBK (Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e.V., Oranienstr. 25, 10999 Berlin, www.ngbk.de) und "Tierperspektiven" (26.4.–21.6.) im Georg-Kolbe-Museum (Teil 2 im "Projektraum Souterrain" der Sammlung Hoffmann vom 29.5.–28.6.). Zum Rahmenprogramm gehören ein Symposium (9.–10.5.), eine Lesung (16.5.) und zwei Videoscreenings (10. und 14.6.). Kuratiert wurde es von Jessica Ullrich, Friedrich Weltzien, Kassandra Nakas, Antonia Ulrich, Séverine Marguin und Heike Fuhlbrügge. (Siehe auch "Rising Stars, Falling Stars" & "Steve Reinke, Final thoughts and How to Die Like an Animal")!