Juni 2010, kino arsenal

UdK-Seminar: Komposition und Konstruktion filmischer Räume

NAPOLÉON (F 1927) ist in den Augen von Abel Gance ein erster Superheld, ein Übermensch. Natürlich ist der Film von der Bildsprache her Avantgarde, vom Inhalt her nationalistisch, reaktionär, kriegsverherrlichend. Hier ist jedoch ein vom Kino Besessener am Werk. Die Mehrfachbelichtungen, die Farben, die Montage, die 3-D-Effekte, die Triple-Screen-Leinwand, die entfesselte, subjektive Kamera, all das dient Revolution und Evolution der Sprache des Kinos. "Bitte tun Sie mir den Gefallen und erkennen Sie, dass Ihre Augen vielleicht noch nicht die nötige visuelle Erziehung haben", schreibt Gance größenwahnsinnig an sein Publikum. Der vierstündige Film ist dabei nur der erste von insgesamt fünf geplanten Filmen über das Leben Napoleons. Dieser hier umspannt seine Jugend, bis zum Beginn des Italienfeldzugs. (Michael Busch) (15.6.)